Diabetiker ohne Medikamente


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Unüberwindbare Hürden für erkrankte Immigranten

Wenn es nach der spanischen Regierung geht, sollen Menschen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung keine medizinische Versorgung mehr erhalten. Die Kanarenregierung will diese unmenschliche Praxis nicht mittragen und hat eigene Richtlinien etabliert, nach denen Immigranten, die mindestens ein Jahr auf den Kanaren gemeldet sind, weiterhin medizinische Betreuung erhalten.

Diese Maßnahme greift jedoch nicht wirklich, wie der Fall von Mohamed, einem Einwanderer aus Marokko, zeigt. Sein Zugang zu Behandlung und Medikamenten hängt davon ab, dass er eine ganze Reihe von Papieren beibringt, deren Beschaffung zum Teil zu teuer für ihn ist oder gar unmöglich.

Die Bedingung, mindestens ein Jahr auf den Kanaren gemeldet zu sein, erfüllt er nicht, obwohl er drei Jahre lang auf Fuerteventura gelebt hat, denn er war in der Hoffnung auf Arbeit kurzzeitig nach Madrid umgezogen und dann wieder zurückgekehrt. Darüber hinaus verlangen die Behörden Kopien von Pass und Familienstammbuch sowie zum Nachweis seiner Bedürftigkeit verschiedene Bescheinigungen aus seinem Heimatland. Die Übersetzung und Beglaubigung jedes dieser Papiere kostet um 40 Euro, Geld, das irreguläre Einwanderer, die bedürftig genug sind, dass man ihnen ein Anrecht auf kostenlose Behandlung zugesteht, nicht haben. Dazu sind noch weitere Bescheinigungen vom spanischen Finanz- und Katasteramt erforderlich. Das alles sind Hürden, die wirklich mittellose Einwanderer nicht nehmen können.

Mohamed hat dank der Hilfe von Freunden 120 Euro für die Insulinbehandlung für 40 Tage aufbringen können, wie es danach weitergehen soll, weiß er nicht. Zynischerweise kann er sich mit jeder neuen gesundheitlichen Krise, die auftritt, nachdem ihm die Medikamente ausgegangen sind, in die Notfallbehandlung begeben, die auch jenen irregulären Immigranten, die die Bedingungen nicht erfüllen, weiterhin offensteht. Für seine Gesundheit und Arbeitsfähigkeit hat das katastrophale Folgen und für das kanarische Gesundheitswesen ist diese Achterbahn-Betreuung chronisch Kranker keinesfalls kostengünstiger.




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