Der Patriarch von Teneriffa


Das Alter des Zedernwacholders im Nationalpark Cañadas del Teide wird auf mehr als 1.118 Jahre geschätzt

Teneriffa – Der Präsident der Inselverwaltung, Pedro Martín, nahm seine diesjährige Weihnachts-Videobotschaft an die Bevölkerung der Insel im Nationalpark Las Cañadas del Teide auf. „Weihnachten ist die Zeit des Feierns und des Schenkens, und so überrascht uns unser Nationalpark mit einem vielleicht für viele unbekannten Geschenk der Natur“ – beginnt Pedro Martín seine Ansprache auf seinem Ausflug zu einem versteckten Juwel des Nationalparks, dem als „Patriarca“ (Patriarch) bekannten uralten Zedernwacholder auf über 2.300 Metern Höhe.
Dieser Baum mit seinem gewundenen Stamm sei ein wunderbares Beispiel für die Widerstandskraft der Natur, fährt Pedro Martín fort; er habe im Laufe seines mehr als 1.100-jährigen Lebens Unwettern, Stürmen, Sonne, Hitze und Calima getrotzt, und wenn auch Blitzeinschläge seine Rinde gezeichnet haben, so stehe der Baum weiter fest verwurzelt an seinem Platz.

Methusalemisches Alter

Dass der Zedernwacholder (Juniperus cedrus), den Teide-Kenner „Patriarca“ nennen, ein methusalemisches Alter hat, wurde schon lange vermutet. Nun hat es eine wissenschaftliche Studie belegt. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass der Patriarch vermutlich über 1.118 Jahre alt und damit wohl einer der ältesten Bäume in Europa ist.
Diese Art Zedernwacholder ist ein Endemismus von Makaronesien und kommt auf den Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera, Gran Canaria und Madeira (in der Unterart madriensis) vor.
Das geschätzte Alter des Patriarchen wurde von Forschern mithilfe der Radiokarbonmethode, auch C14-Datierung genannt, ermittelt. Bei anderen Exemplaren wurde ein 0,5 mm kleines und 12,5 cm langes Loch mit einer Lanzette in den Baum gestanzt, um das Alter zu ermitteln.
Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen lassen vermuten, dass es in vergangenen Zeiten im Teide-Nationalpark ganze Wälder von Zedernwacholdern gegeben hat, deren Zahl mit der zunehmenden Bevölkerung der Insel jedoch abnahm, sodass der Patriarch eines der letzten verbliebenen Exemplare ist.
Das Cabildo von Teneriffa möchte nun im Rahmen eines Umweltprojektes den Zedernwacholder wieder im Nationalpark ansiedeln. Hierfür werden verschiedene Studien durchgeführt. Palynologische Anlaysen der Gesteinsschichten sollen Aufschluss über das Klima und die Pflanzenwelt vor etwa 5.000 Jahren geben. Außerdem werden Flugrouten von Vögeln wie Kolkraben (Corvus corax) und Ringdrosseln (Turdus torquatus) beobachtet, die sich unter anderem von den Beeren des Zedernwacholders ernähren und für eine Ausbreitung sorgen könnten.
Wer auf seinem Ausflug zum Teide den Patriarchen bewundern möchte, findet den hochbejahrten Baum in der Nähe des Parkplatzes Minas de San José. Er ist allerdings von der Straße aus nicht zu sehen, und es führt auch kein ausgeschilderter Fußweg zu ihm. Er wächst, von Felsen geschützt und einer Natursteinmauer umschlossen, auf dem ersten Rücken des „Montaña Rajada“.
Die Videobotschaft von Pedro Martín kann auf der Website der Inselverwaltung www.diariodetenerife.info angesehen werden.

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