„Der Leidensweg nimmt kein Ende“


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Familienangehörige der jungen Menschen, die bei dem Unglück im Wasserstollen Piedra de los Cochinos ums Leben kamen, kämpfen weiter um Aufklärung

Am 10. Februar jährte sich das Unglück von Piedra de los Cochinos zum fünften Mal. An jenem Schicksalstag im Jahr 2007 waren sechs junge Menschen im Wasserstollen Piedra de los Cochinos an Sauerstoffmangel gestorben.

Bis heute kämpfen die Angehörigen vor Gericht um Aufklärung der Schuldfrage. Auch im vergangenen Jahr wurden auf Teneriffa wieder diverse Wasserstollen und -gruben aus Sicherheitsgründen gesperrt, um eine Wiederholung der Katastrophe zu verhindern.

Vor fünf Jahren nahmen Universitätsstudenten und Forscher des Astrophysikalischen Instituts der Kanaren (IAC) an einer vom Naturfreundeverband ATAN organisierten, geführten Wanderung im Gemeindegebiet von Los Silos teil. Die 29-köpfige Expedition wollte eine sich zwischen zwei Schluchten befindliche Höhle erkunden, doch man irrte sich im Eingang und drang in den Wasserstollen Piedra de los Cochinos ein. Ohne zu ahnen, dass sie sich in einer tödlichen Sackgasse befanden, bewanderte die Gruppe den Stollen ohne Ausgang, in dem sich toxische Gase sammelten und Schritt für Schritt der Sauerstoffgehalt abnahm. Viele Teilnehmer brachen irgendwann bewusstlos zusammen. Die Lage spitzte sich zu, weil zu viel Zeit zwischen dem ersten Notruf und der Ankunft der Rettungskräfte, die darüber hinaus nicht der Situation entsprechend ausgestattet waren, verging. Für sechs junge Menschen im Alter zwischen 22 und 36 Jahren kam die Hilfe zu spät; sie waren an akutem Sauerstoffmangel gestorben.

Nach nunmehr fünf Jahren ist die Schuldfrage der Tragödie immer noch nicht geklärt. Im letzten Jahr wurden die auf fünf verschiedene Gerichte verteilten Verfahren beim Obersten Gerichtshof der Kanarischen Inseln zu einem Prozess vereint, der nun klären soll, ob das Industrieressort der kanarischen Regierung, das Wasserwirtschaftsamt des Cabildos, die Wasserförderungsgesellschaft Heredamiento de Daute, der Naturfreundeverband ATAN oder die zwei Führer verantwortlich sind. Obwohl der Bericht des Beratungsausschusses dem Industrieressort die Schuld gab, wohl, weil weder der Zugang zum Wasserstollen gesperrt war noch ein Warnschild auf die Gefahr hinwies, lehnte die Regionalregierung Entschädigungszahlungen an die Familienangehörigen bereits ab. Auch die Wasserförderungsgesellschaft, Eigentümer des Stollens, verneinte jegliche Verantwortlichkeit und erklärte, an der Tragödie seien „ausschließlich die Opfer“ schuld, eine Äußerung, die die Familienangehörigen empörte.

Isabel Febles, Mutter der bei dem Unglück verstorbenen Estefanía, erinnerte an den nicht abnehmenden Schmerz der Familien: „Die Zeit hat die Wunden nicht geheilt sondern eher noch vertieft. Der Leidensweg nimmt kein Ende und die Verzweiflung wird größer. Diese Tage sind immer besonders schlimm, und die Wahrheit ist, dass viele von uns weiterhin ärztliche Betreuung brauchen, um voranzukommen. Wir haben das nicht bewältigt und wissen auch nicht, ob ein Urteil uns ein bisschen Frieden und Ruhe geben wird.“

Sperrung gefährlicher Wasserstollen

Als Reaktion auf die Tragödie wurde im Jahr 2008 das kanarische Dekret 232/2008 verabschiedet. Infolgedessen wurden alle kanarischen Wasserstollen (1.114) und Wassergruben (397) erfasst. Nach der Inventur leitete man die Kontrollen jedes Stollens und jeder Grube ein, um bei bestehenden Gefahren diese absperren zu lassen.

Industrieressort und Wasserwirtschaftsamt nahmen im vergangenen Jahr wieder 125 Überprüfungen vor und ließen insgesamt 36 Stollen und Gruben schließen; bei weiteren vier behoben die Eigentümer die bestehenden Sicherheitsmängel.

Weitere 38 Wassersysteme sollten geschlossen werden, doch konnte man die Eigentümer nicht ausfindig machen.




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