Der Himmel öffnete seine Schleusen


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Unwetter mit starken Niederschlägen in der Provinz Santa Cruz de Tenerife

Ein heftiges Sturmtief hat am 1. Februar die Kanarischen Inseln in Alarmbereitschaft versetzt. Vor allem die Inseln der Provinz Santa Cruz de Tenerife und besonders die Hauptinsel Teneriffa waren betroffen. Die Regionalregierung ordnete die Schließung sämtlicher Schulen an, und bis 2. Februar hatte es noch keine Entwarnung gegeben.

Die Bilder des verheerenden Unwetters des 31. März 2001 wurden den Bürgern von Santa Cruz sofort wieder gegenwärtig,  als sie mit Schrecken sahen, wie das Unwetter mit wolkenbruchartigen Regenfällen und Gewitter über der Stadt niederging und viele Straßen rasch zu reißenden Flüssen wurden. Obwohl das Wetteramt eine Warnung herausgegeben hatte, war die Bevölkerung nicht auf das vorbereitet, was folgte. Die Wassermassen bahnten sich unbarmherzig ihren Weg in Richtung Küste, rissen dabei Fahrzeuge mit, überschwemmten Häuser, Geschäfte und Garagen.

Am Montag, dem 1. Februar gegen 16.00 Uhr setzte ein starkes Gewitter ein, das innerhalb kurzer Zeit zu einem Verkehrschaos in La Laguna und Santa Cruz führte. Im Ortsteil La Gallega in Santa Cruz wurden 187 Liter pro Quadratmeter gemessen, in der Innenstadt waren es 70 Liter pro Quadratmeter. Die Straßen verwandelten sich rasch in unpassierbare Flüsse, Fahrzeuge und Müllcontainer wurden mitgerissen. Der öffentliche Verkehr wurde lahmgelegt, nachdem die Straßenbahnschienen von Schlamm und Steinen überschwemmt waren. Ein Waggon der Linie 1 entgleiste, ohne dass Personen zu Schaden kamen. Eine Stunde nach Einsetzen des starken Regens war auch die Nordautobahn in Richtung Santa Cruz betroffen. Die wenigen Fahrzeuge, die dort zu diesem Zeitpunkt unterwegs waren, liefen Gefahr von den Wassermassen mitgerissen zu werden, und nach der überstandenen Odyssee mussten die Fahrer an den Stadtzufahrten von Santa Cruz feststellen, dass die Polizei sämtliche Stadtein- und -ausfahrten abgeriegelt hatte. Das Chaos war perfekt. Unterdessen bahnte sich das Wasser seinen Weg durch Straßen und Barrancos in Richtung Küste und überschwemmte Häuser, Garagen und Geschäftslokale. Menschen wurden nicht verletzt.

Bereits gegen Mittag wurden angesichts des Unwetters viele Schulen geschlossen. Tags darauf fiel der Unterricht auf Anordnung der kanarischen Regierung an allen Schulen und Universitäten der Inseln vorsichtshalber aus.

In verschiedenen Teilen der Insel fiel infolge von Blitzeinschlägen für mehrere Stunden der Strom aus. Die Stromgesellschaft Unelco teilte mit, dass zeitweise bis zu 25.000 Personen vom Stromnetz abgeschnitten waren. Acht Landstraßen mussten nach Steinschlägen und Folgen der Überschwemmung vorläufig gesperrt werden. Bei Redaktionsschluss liefen die Arbeiten zur Behebung der Schäden. Auch die Zufahrten zum Teide-Nationalpark wurden infolge von Hagel und Eisglätte gesperrt. Es ist also zu erwarten, dass der Teide weiß verschneit aus den Wolken auftaucht, wenn sich das Wetter gebessert hat.

Auch im Süden Teneriffas war das Unwetter zu spüren, allerdings weit weniger heftig als in der Hauptstadt und ihrer Umgebung. In Granadilla de Abona und Arico kam es durch den starken Regen zu Verkehrsunfällen und Überschwemmungen in einigen Häusern.

Die Urlaubermetropolen Arona und Adeje überstanden die „Wetterkrise“ nahezu unbeschadet. Zwar regnete es auch im ansonsten eher trockenen Süden recht stark, aber bis auf die Tatsache dass die Barrancos ungewöhnlich viel Wasser führten, gab es kaum Außergewöhnliches zu berichten. Eine Störung in einer Pumpstation in Arona verursachte die Verschmutzung des Strandes von Los Cristianos mit Abwasser. Die Stadt bemühte sich aber umgehend um eine Behebung des Schadens. In Adeje wurden keine wetterbedingten Zwischenfälle gemeldet, es kam lediglich zu kurzen örtlichen Stromausfällen und einigen Steinschlägen.

Das Orotavatal blieb diesmal vom Schlimmsten verschont. Während es in Santa Cruz in Strömen goss, regnete es im Norden der Inseln zwar auch immer wieder, jedoch längst nicht so stark.

Starke Niederschläge auch auf El Hierro, La Gomera und La Palma

Auch auf den kleineren Inseln der Provinz herrschte am 1. Februar der Ausnahmezustand. Starke Niederschläge führten zu Straßensperrungen infolge von Steinschlägen und die Barrancos verwandelten sich in Flüsse aus Schlamm und Geröll. In El Hierros Hauptstadt Valverde gingen 130 Liter pro Quadratmeter nieder, und auch hier hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun, um Häuser und Garagen leerzupumpen.

Kein Tropensturm

Ein Sprecher des staatlichen Wetteramtes „Agencia Estatal de Meteorología“ (AEMET) bestätigte am Vormittag des 2. Februar, dass es sich nicht um einen Tropensturm handele, sondern um ein „sehr aktives Sturmtief“, das am Spätnachmittag bzw. Abend die Inseln in nordöstlicher Richtung verlassen wird. Nach Auskunft des Wetteramtes wurden in Izaña auf Teneriffa im Laufe des 1. Februars 143 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Los Rodeos waren es 126 Liter, in San Bartolomé de Tirajana (Gran Canaria) fielen 134 Liter und in El Paso (La Palma) wurden 103 Liter gemessen.

Bei Redaktionsschluss hatte die kanarische Regierung noch keine Entwarnung gegeben, erwartete jedoch eine Wetterbesserung. Auch die Stromversorgung war noch nicht allerorts wieder hergestellt. Geschätzte 11.000 Haushalte auf Teneriffa, La Gomera und El Hierro waren einen Tag nach dem Unwetter und trotz der Be­mühungen der Elektrizitäts­gesellschaften noch immer

ohne Strom.




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