Der einzige Kreißsaal im Norden wird am 30. Mai geschlossen


Der Betrieb des Kreißsaales in der Hospiten-Klinik Bellevue rentiert sich für die private Krankenhausgruppe nicht. Foto: Moisés Pérez

Schwangere müssen zur Entbindung zum Universitätskrankenhaus nach La Laguna fahren

Teneriffa – Am 30. Mai wird Hospiten den einzigen Kreißsaal im Norden Teneriffas wegen fehlender Rentabilität schließen.

In den letzten Jahren haben Frauen aus dem nördlichen Teil der Insel zunehmend zur Entbindung das Universitätskrankenhaus in La Laguna (Hospital Universitario de Canarias, HUC) aufgesucht. 2017 wurden im Hospiten-Krankenhaus Bellevue in Puerto de la Cruz lediglich 151 Entbindungen vorgenommen. Bei durchschnittlich 12 Entbindungen im Monat bzw. durchschnittlich drei Entbindungen in der Woche, rentiert es sich für Hospiten nicht, durchgehend ein komplettes Team aus Gynäkologen und Hebammen bereitzuhalten. Die private Krankenhausgruppe gab bekannt, den Kreißsaal am 30. Mai unwiderruflich zu schließen.

Eine Entscheidung, die mit dem öffentlichen kanarischen Gesundheitsdienst (SCS), der schwangere Frauen im Norden an das Bellevue-Krankenhaus zur Entbindung überwies, abgestimmt wurde.

Das Gesundheitsressort der Kanarenregierung erklärte in einer Stellungnahme, die Schließung des Kreißsaales im Bellevue-Krankenhaus werde nicht zu einer Überlastung im Universitätskrankenhaus führen, es sei genügend Kapazität vorhanden. Im vergangenen Jahr wurden im Universitätskrankenhaus in La Laguna 2.491 Entbindungen durchgeführt. Hätte das Universitätskrankenhaus die 151 Entbindungen der Bellevue-Klinik übernommen, wäre die Zahl der Entbindungen um 6% angestiegen, für den Gesundheitsdienst kein Problem. Das Gesundheitsressort wies auf die hervorragende Qualität der Entbindungsstation im Universitätskrankenhaus hin, die international zertifiziert sei.

Im Zuge der Schließung des bislang einzigen Kreißsaales im Inselnorden gab der kanarische Gesundheitsdienst bekannt, die Einrichtung eines Kreißsaales im Nordkrankenhaus in Icod de los Vinos sei nicht geplant.

Beide Nachrichten führten zu Protesten. In den sozialen Netzwerken mehrten sich die Klagen über die langen Fahrtwege vom äußersten Norden, beispielsweise Buenavista oder Los Silos, bis zum Universitätskrankenhaus in La Laguna. Durch die Verkehrsstaus gerade zu den Stoßzeiten, würde die Fahrtdauer erheblich verlängert. Die Ankündigung, dass es im Nordkrankenhaus keinen Kreißsaal geben werde, verärgert die Bürger zusätzlich. Selbst Politiker der betroffenen Gemeinden meldeten sich zu Wort und verlangten ein Einlenken. Darüber hinaus forderten sie die Einrichtung eines kinderärztlichen Notdienstes, der vor sieben Monaten eingestellt wurde.




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