Déjà-vu am 29. November


© Moisés Pérez

Sturmtief verursacht Schäden auf allen Inseln

Auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Tropensturm „Delta“ brach ein heftiges Unwetter mit orkanartigem Wind über die Kanaren herein. Bereits am Sonntag, dem 28. November, hatte die Regionalregierung die Alarmstufe Rot ausgerufen und den Lehrbetrieb an sämtlichen Schulen und Universitäten auf allen sieben Inseln für Montag, den 29. November aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Gegen 00.00 Uhr – exakt wie vom staatlichen Wetteramt vorhergesagt – änderte sich das Wetter und starker Wind setzte ein. Gewarnt worden war auch vor örtlich starken Niederschlägen.

Im Orotavatal und generell im Norden Teneriffas gerieten viele Menschen in Panik, weil das Erlebnis des Unwetters vom 16. November letzten Jahres doch noch frisch in der Erinnerung und die Angst vor erneuten Überschwemmungen und Schäden groß war. Doch während im November 2009 die stärksten Regenfälle seit vier Jahrzehnten im Norden Teneriffas verzeichnet wurden, war es am 29. November 2010 der Sturm, der großen Schaden anrichtete. Mit großer Zerstörungskraft fegte das Sturmtief über den Norden der Insel hinweg, riss Telefonmasten um, wirbelte Verkehrsschilder wie Pappe durch die Luft und verwüstete Gärten, Plantagen und Felder. Es wurden Windhöchstgeschwindigkeiten von 192 Stundenkilometern gemessen.  30.000 Personen waren zeitweise vom Stromnetz abgeschnitten.

Auf Teneriffa wurde ein 36-jähriger Mann von einer Metalltür schwer am Kopf verletzt. Spanische Medien berichteten außerdem von drei Leichtverletzten.

Besonders betroffen waren auf Teneriffa die Gemeinden La Guancha und San Juan de la Rambla. Abgesehen von den Schäden an Infrastrukturen sind die schlimmsten Verluste in der Landwirtschaft zu beklagen. Bananenplantagen und Gewächshäuser an der Küste wurden schlimm zugerichtet. Leidtragend sind vor allem die Landwirte auf Teneriffa, La Palma und El Hierro, bei denen das Unwetter erheblichen finanziellen Schaden verursacht hat. Bananen, Avocados, Zitrusfrüchte, Tomaten, Blumen, etc. – alle Bereiche sind betroffen.

Auf El Hierro wurden bis zu 120 km/h, auf La Palma bis zu 130 km/h gemessen. Auf La Gomera sorgten Sturm und Wasser für den Verlust der gesamten Kartoffelernte.

Die Nacht der 10.000 Blitze

Nie zuvor war auf den Kanaren eine so große Menge an Blitzen in einer einzigen Nacht gezählt worden. Das staatliche Wetteramt Aemet registrierte tatsächlich insgesamt 9.864 Blitze – zwischen 4.00 und 7.00 Uhr morgens waren es allein schon 4.300.

Über Gran Canaria brach das Tief mit starken Niederschlägen herein, örtlich sogar in Form von Hagel.

Auf der sonst so trockenen Ferieninsel Fuerteventura regnete es ebenfalls in Strömen, allerdings erst einen Tag später. Am 30. November erlitten in der Gemeinde Antigua zahlreiche Häuser Überschwemmungsschäden durch die Wassermassen (87 Liter pro Quadratmeter). In Tuineje wurden 65 l/qm und in Pájara 35 l/qm gemessen. Im Urlaubsgebiet Jandía (Morro Jable) im Süden sowie in der Urlaubermetropole Corralejo im Norden wurden jeweils über 100 km/h Wind registriert.

Zwei Schulen in Gran Tarajal wurden überschwemmt und mussten mehrere Tage geschlossen bleiben.

Über 100 Flüge ausgefallen

Auf mehreren kanarischen Flughäfen saßen die Fluggäste stundenlang fest. Insgesamt fielen über 100 Flüge aus und viele erlitten erhebliche Verspätungen. Besonders betroffen waren die Passagiere auf El Hierro bzw. diejenigen, die einen Flug von Teneriffa nach El Hierro gebucht hatten. Etwa 150 Personen saßen auch am 30. November noch auf dem Nordflughafen von Teneriffa fest, nachdem die regionale Airline Binter Canarias – die einzige, die diese Strecke fliegt – sämtliche Flüge auf die kleine Insel gestrichen hatte. Dies brachte der Fluggesellschaft scharfe Kritik seitens des Cabildos der Insel ein, da die Flugverbindungen zu diesem Zeitpunkt eigentlich längst wieder hergestellt waren. Vom Cabildo aus hatte man kein Verständnis dafür, dass Binter den Flugstopp nach El Hierro weiter ausdehnte. Cabildo-Präsident Tomás Padrón platzte förmlich der Kragen als bekannt wurde, dass eine Maschine von Teneriffas Südflughafen aus gestartet und leer auf El Hierro gelandet war, um wiederum Passagiere nach Teneriffa-Nord zu fliegen, während im Norden Teneriffas die Passagiere vergeblich auf ihren Flug nach El Hierro warteten. „Warum hat man unsere Leute nicht in Bussen zum Südflughafen gefahren, damit sie diesen Flug nehmen können?“, fragte sich Padrón mit Recht und schimpfte, dass Binter Canarias die Bevölkerung El Hierros erniedrige und benachteilige.




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