Das Theater Timanfaya muss schließen


Am 14. Mai 2011 erfüllte sich Mónica Lorenzo (Foto unten) mit der Eröffnung des Teatro Timanfaya den Traum von einem Theater in ihrem Heimatort Puerto de la Cruz. In ihrer Ansprache umriss sie damals kurz, was sie dazu bewogen hatte: „Alle Gemeinden verfügen über ein Theater oder Auditorium für ihr kulturelles Angebot. Nun hat auch unsere Gemeinde einen Ort des kulturellen Austausches und der Begegnung.“ Mit der Schließung des Theaters sechseinhalb Jahre später ensteht erneut eine Lücke im kulturellen Angebot von Puerto de la Cruz. Foto: Teatro Timanfaya

Schulden und geringe Besucherzahlen zwingen die Leiterin zu dieser Entscheidung

Teneriffa – Finanzielle Schwierigkeiten und abnehmende Besucherzahlen, die zu immer geringeren Eintrittspreisen und damit zu sinkenden Einnahmen führten, zwingen Mónica Lorenzo, die Leiterin des Theaters, das Handtuch zu werfen. In einem offenen Brief an die Medien gab sie bekannt, dass sie nach sieben Jahren hartem Kampf und fast ohne öffentliche Unterstützung zum 1. Januar 2018 das Timanfaya schließen muss.

Monica Lorenzo. Foto: Teatro Timanfaya

In ihrem Schreiben nennt sie auch die Motive für diese schmerzhafte Entscheidung. „Der Hauptgrund ist, dass nicht genügend Einnahmen erzielt werden konnten, um die Kosten für den Unterhalt des Theaters zu bestreiten, und so wuchsen die Schulden immer weiter an. Von Tag zu Tag wurde es schwieriger, sie zu bezahlen“, berichtet sie wörtlich in ihrem Brief. Traurig aber wahr, dass auch das Publikum nicht dazu beigetragen hat, das einzige Theater, das in Puerto de la Cruz existiert, zu erhalten. Ein wichtiger Faktor ist nach ihrer Meinung eine neue Dynamik in der Bevölkerung, die inzwischen in einer virtuellen Welt lebt, ihre Gewohnheiten geändert hat und sich immer weniger für kulturelle Veranstaltungen interessiert.

Auch die fehlende Unterstützung öffentlicher Stellen beklagt Mónica Lorenzo in ihrem Schreiben. Mit Recht klagt sie darüber, dass ein privat geführtes Theater nicht von der lokalen Verwaltung genutzt wurde. Bedauerlicherweise seien den Versprechungen der Kommunalpolitiker niemals Taten gefolgt. Es habe zwar gewisse Zuwendungen von der Inselverwaltung gegeben, die erfolgten selten und waren absolut unzureichend, um die Einrichtung zu erhalten.

Als das ehemalige Kino Ti­manfaya vor mehr als sieben Jahren geschlossen wurde, wagte sich Mónica Lorenzo an das Abenteuer, es in einen Theatersaal mit 200 Plätzen umzufunktionieren. Nun muss sie sich eingestehen, dass sie gescheitert ist. „Dieses Projekt kann zu den aktuellen Bedingungen nicht existieren, denn die Einnahmen reichen nicht einmal, um einen Techniker oder die Lehrer der Theaterschule zu bezahlen“, ist das Resümee, das sie nach sieben Jahren ziehen musste.

Auch für den neutralen Betrachter ist das absolute Desinteresse der Stadtväter von Puerto de la Cruz an der Existenz des Theaters Timanfaya völlig unverständlich. Dort wurden nicht nur Theaterstücke eingeübt und vorgeführt, sondern Mónica Lorenzo leitet auch Theatergruppen für Kinder und für Behinderte, die sich im Ti­manfaya trafen und dort probten. Und die Matinee-Konzerte und Chorveranstaltungen, die dort stattfanden, wurden in der überwiegenden Zahl von ausländischen Gästen besucht, waren also ein Lichtblick in dem ansonsten recht ärmlichen Kulturangebot für Urlauber.

Inzwischen hat sich auch der kanarische Künstlerverband „PiedeBase“ eingeschaltet und in einer offiziellen Mitteilung die kanarischen Institutionen aufgefordert, die Schließung des Theaters zu verhindern. „Von dieser Stelle aus fordern wir die für die Kultur zuständigen Stellen wie die Regierung der Kanaren, das Cabildo von Teneriffa und die Stadtverwaltung von Puerto de la Cruz auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Schließung einer derartig wichtigen Einrichtung zu verhindern. Die Schließung des Ti­manfaya ist eine traurige Nachricht, doch noch viel trauriger sind die zahlreichen Gründe, die dazu geführt haben, dass Mónica endgültig aufgeben muss“, heißt es unter anderem in der Mitteilung von PiedeBase.

Freunde geben sich nicht geschlagen

Die Freunde, welche Mónica Lorenzo im Laufe der Jahre gewonnen hat, die zu ihren Theatergruppen gehören oder früher daran teilgenommen haben, wollen nicht tatenlos zusehen, wie das Haus sang- und klanglos geschlossen wird. Sie planen Solidaritäts-Galaveranstaltungen vor den Toren und in den Räumen des Timanfaya, für die sie auch namhafte hiesige Künstler gewinnen konnten. Sie wollen damit auch die Öffentlichkeit auf eine nach ihrer Meinung große Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Die Kampagne unter dem Titel „Que no se apague la luz“ – das Licht soll nicht ausgehen – wird am Nachmittag des 8. Dezember mit Auftritten von Künstlern sowie Videoprojektionen auf Großleinwänden beginnen, auf denen der Werdegang des Teatro Timanfaya gezeigt werden soll.

Am 7. Januar soll dann ein großes Lichterfest mit Hundert (selbstgebastelten) Lampen vor dem Theater und in den umliegenden Straßen stattfinden, um die Öffentlichkeit noch einmal auf die bedauerliche Schließung des Theaters hinzuweisen. Weitere Informationen in der nächsten Ausgabe des Wochenblatts.

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