Comeback der Cochinilla


Auf den Kanaren lebt die Cochinilla-Schildlaus auf der Tundera, dem Feigenkaktus. Foto: H. Zell

Die Produzenten arbeiten an einer Neubelebung des Exports des hochwertigen, natürlichen roten Farbstoffs der kanarischen Schildlaus

Kanarische Inseln – Der karminrote Farbstoff der kanarischen Schildlaus ist auch heute, in der Ära der künstlichen Farbstoffe, noch ein durchaus gefragter Rohstoff. Er wird bei der Herstellung bestimmter Produkte, wie beispielsweise hochwertiger Kosmetik, Süßigkeiten, Nahrungsmittel, Getränke und  Medikamente sowie beim Färben von Textilien, als echtes Karmin unter der Zulassungsnummer E-120 eingesetzt.

Obwohl das kanarische Produkt von hoher Qualität ist, haben die einheimischen Erzeuger Absatzschwierigkeiten wegen zu hoher Transportkosten. Die Industrie kauft den Rohstoff deshalb bevorzugt in Südamerika ein. Der Verband der kanarischen Cochinilla-Produzenten Acecican bemüht sich intensiv darum, für den Transport Subventionen des kanarischen Landwirtschaftsförderungsprogramms POSEI zu erhalten und den Export dieses traditionellen kanarischen Handelsgutes auf diese Weise neu zu beleben. Kein Geringerer als der Vizepräsident der Kanarenregierung, Pablo Rodríguez, hat dem Verband hierfür seine Unterstützung zugesagt.

Schon seit 2011 bemühen sich die Hersteller von Gran Canaria darum, durch einen Herkunftsnachweis (Denominación de Orígen, DO) eine zusätzliche Qualitätssicherung zu betreiben. Ende letzten Jahres stellte der Verband zudem einen Antrag, die Zucht der Cochinilla zum Kulturgut (BIC) zu erklären.

Die kanarische Schildlaus (Dactylopius coccus) stammt ursprünglich aus dem heutigen Mexiko und Peru. Es handelt sich dabei um eine rundliche, weiße Blattlaus, einen Parasiten, der auf Kakteengewächsen, sogenannten Opuntien, lebt. Auf den Kanaren wird dieser Farbstoffproduzent auf der Tunera, dem ebenfalls aus Mexiko stammenden Nopal bzw. Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica), gezüchtet. Die rote Farbe der Co- chinilla wird in Amerika schon seit über 2.000 Jahren genutzt. Im 16. Jahrhundert begannen die Spanier mit dem Export nach Europa, wo sie als Färbemittel für Textilien und als Farbe für die Malerei hohe Preise erzielte. Später brachten die Spanier die Schildlausart auf die Kanaren, wo sie sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelte. Bis um 1860 die künstlichen Farbstoffe ihren Siegeszug antraten, war die rote Farbe des Dactylopius coccus eines der wertvollsten Handelsgüter seiner Zeit.




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