Chillidas Tindaya-Projekt „technisch möglich“


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Für die Durchführung fehlt nur noch der endgültige Segen der kanarischen Regierung

Für den baskischen Künstler Eduardo Chillida war es eines seiner liebsten Projekte, doch erfuhr der 2002 verstorbene Maler und Bildhauer nie, ob sein Anliegen auch tatsächlich durchführbar ist. Die Rede ist von einem der umstrittensten künstlerischen Projekte der Kanarischen Inseln: Die Aushöhlung des Tindaya-Berges auf Fuerteventura, um in seinem Inneren ein „Museum für den Berg“ zu schaffen, in dem der Besucher im durch zwei senkrechte Schächte fallenden Licht den „Raum der Leere“ empfinden und „spüren“ soll, dass „alle Menschen Brüder“ sind. So in etwa hatte der Künstler selbst seinen seit 1995 gehegten Lebenstraum beschrieben.

Nach jahrelangem Hin und Her, zahlreichen Untersuchungen aller Art und viel Gerede gibt es nun erstmalig seit langer Zeit wieder Neuigkeiten im Hinblick auf das Projekt, das selten so gegensätzliche Meinungen bei der kanarischen Bevölkerung hervorgerufen hat. Während es für die einen ein großes Kunstwerk und eine eindeutige Bereicherung der Inseln bedeutet, kritisieren es die anderen als „Wahnsinn“ und im Widerspruch gegen jegliches umweltfreundliches Verhalten.

Wie dem auch sei, die letzten von der kanarischen Regierung in Auftrag gegebenen geotechnischen Untersuchungen wurden kürzlich abgeschlossen und ergaben, dass der Traum Chillidas „technisch durchführbar“ ist.

Monatelang hat ein wissenschaftliches Team unter der Leitung des Architekten Lorenzo Fernández Ordóñez Probebohrungen und sonstige Untersuchungen zur Sondierung des Geländes durchgeführt, bis es zu dem Schluss kam, dass der Berg die geplante Aushöhlung  aushalten könne. Alle noch ausstehenden Sekudär-Studien sind nach Angaben der Experten erst im Rahmen der Aushöhlungsarbeiten möglich.

Chillidas Traum war also nun, weit über drei Jahre nach seinem Tod, noch nie so nah daran, in Erfüllung zu gehen. Denn der Untersuchungsbericht des Teams von Fernández Ordóñez war der letzte Baustein, der für die Erstellung des eigentlichen Bauprojektes notwendig war. Das soll nun schon im Sommer dieses Jahres vorgelegt werden. Wie Chillidas Sohn Luis in diesem Zusammenhang erklärt, könnte der Lebenstraum seines Vaters somit im Jahr 2010 verwirklicht sein, denn die Bauzeit ist auf vier Jahre angesetzt.

Vorher allerdings muss die kanarische Regierung, die die Untersuchung mit Unterstützung aller im Parlament vertretenen Fraktionen in Auftrag gegeben hat, auch tatsächlich bereit sein, das Projekt zu verwirklichen. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 40 und 50 Millionen Euro.

Der Traum von einer Utopie

Eduardo Chillida kam die Idee zu der Aushöhlung des Berges in einer schlaflosen Nacht. „Vor Jahren hatte ich eine Eingebung, die ich ehrlich gesagt am Anfang selbst für utopisch hielt“, definierte der Künstler sein Projekt im Juni 1996 in einem Text an die Medien. „Mir kam die Vorstellung von einem Raum für alle Menschen, unabhängig von ihrer Rasse und Farbe, eine riesige Skulptur für die Toleranz, wo sich alle Menschen als Brüder fühlen. Eines Tages entstand die Möglichkeit diese Skulptur im Tindaya-Berg auf Fuerteventura zu verwirklichen, ein Berg, in dem die Utopie zur Realität werden konnte. Die Skulptur würde dabei helfen, den heiligen Berg zu schützen. Der große Raum, der in seinem Inneren entstünde, wäre von außen nicht erkennbar, doch die Menschen, die das Herz des Berges betreten, würden das Licht der Sonne und des Mondes sehen, innerhalb eines Berges, der zum Meer und zum Horizont hin ausgerichtet ist, unerreichbar, notwendig, nicht existent….“

Für die Familie Chillidas bedeutet das Ergebnis der letzten Untersuchung eine große Freude. „Tindaya war für meinen Vater ein Traum, den er im Grunde für utopisch hielt“, erklärte diesbezüglich sein Sohn. „Es handelt sich zweifellos um das wichtigste Werk seiner künstlerischen Laufbahn. Es bewegt uns sehr, dass der Berg meinen Vater aktzeptiert hat und dass Tindaya im Einverständnis mit allen verwirklicht werden kann.“

Das Projekt ist seit jeher von viel Polemik umgeben. Die einen finden, es könne der Umwelt schaden, die anderen wehren sich dagegen, weil es sich um einen Berg handelt, der den Ureinwohnern der Insel heilig war, und wieder andere kämpfen dagegen wegen der Existenz einer archäologischen Fundstelle. Ganz abgesehen davon war die gesamte Abwicklung der Formalitäten, die Vergabe von Untersuchungen usw. von zahlreichen Unregelmäßigkeiten gespickt. Dass all dies jedoch nicht im Sinne Chillidas war, als er von seinem „leeren Raum“ träumte, daran dürften nicht einmal die Projektgegner einen Zweifel haben.

Bleibt abzuwarten, was die kanarische Regierung nun beschließt, doch alle Anzeichen deuten auf eine positive Antwort hin.




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