Biblische Kunstwerke


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Die Tradition der Krippen

Trotz milder Temperaturen haben sich auch die Ferieninseln zu Weihnachten den Festschmuck angelegt. Die Schaufenster sind dekoriert, die Straßen mit bunten Lichtern geschmückt, und überall entdeckt man Weihnachtsbäume.

Für Gäste aus Nordeuropa ist das alles nichts Besonderes. Dafür lohnt es sich umso mehr, einen Blick auf eine kanarische Weihnachtstradition zu werfen, die wir so von zu Hause nicht kennen.

So wie in Deutschland der Kranz mit vier Kerzen, der Adventskalender und der Christbaum, gehören hierzulande kunstvolle Krippen zum Fest dazu. Die plastische Darstellung der Weihnachtsgeschichte hat in Spanien und auch auf den Kanarischen Inseln große Tradition. Na­türlich steht der Stall von Bethlehem im Mittelpunkt, doch um ihn herum wird oft ein ganzes Dorfleben nachgestellt, wobei meist auch die kanarischen Einflüsse nicht fehlen. Hie und da entdeckt der Betrachter beispielsweise in kanarische Trachten gekleidete Dorfbewohner, die ebenfalls inseltypische handgeflochtene Körbe auf dem Kopf tragen. Der Fantasie sind bei der Gestaltung der Weihnachtskrippen keine Grenzen gesetzt.

In jeder Gemeinde sind jetzt die „Belenes“ zu besichtigen, ob im Rathaus, in der Kirche, in Geschäften oder sogar in privaten Ausstellungen. Jedes dieser Kunstwerke wurde in wochenlanger Arbeit liebevoll von Hand angefertigt. Oft sind es Familien, welche die Tradition ihrer Vorfahren fortsetzen, die einst mit der Ausstellung begannen.

In La Orotava wird jedes Jahr eine sogenannte Krippen-Tour angeboten. Im Touristeninformationsbüro kann man die Öffnungszeiten der 21 Krippen erfragen, die in der Stadt besichtigt werden können. Besondere Erwähnung verdient die Krippe, die auf dem Rathausplatz aufgebaut ist. Lebensgroße Figuren stellen hier das Dorfleben, einen Markt und natürlich den Stall von Bethlehem dar. Eine im Maßstab zwar sehr viel kleinere, dafür umso kunstvollere Krippe wurde von einem Hobbykünstler angefertigt und ist jedes Jahr Teil der Krippenkunst in La Orotava. Sie ist im Innenhof des Eisenwarenladens gegenüber dem Rathausplatz zu bewundern. Detailreich und wunderschön ist auch die Krippe „Belén Hebreo“, die gegenüber der Sala Teobaldo Power ausgestellt ist. Die Hälfte der etwa 100 Figuren dieser Darstellung der Weihnachtsgeschichte bewegen sich, es wird langsam Nacht über Bethlehem, und dann bricht wieder ein neuer und arbeitsreicher Tag an. Aniceto Rodríguez und seine Frau Mercedes Mesa haben monatelang an den Details gearbeitet und ein echtes Kunstwerk geschaffen.

In Puerto de la Cruz werden im Rahmen einer Ausstellung in der Casa Ventoso bis 5. Januar Krippen und Dioramen verschiedener Stile und Größen gezeigt. Glanzstück ist eine Krippe aus Neapel mit 278 handgearbeiteten Figuren. Die Ausstellung ist täglich von 10.00 bis 13.00 und 16.00 bis 20.00 Uhr geöffnet.

Eine Besichtigung wert ist in Santa Cruz jedes Jahr die Krippe, die im Cabildo aufgebaut wird. Diese von Künstlerhand angefertigte Krippe kann bis 6. Januar täglich von 9.00 bis 15.00 und 16.00 bis 21.30 Uhr besucht werden. Ausnahmen: Am 24. und 31. Dezember ist die Ausstellung nur von 9.00 bis 15.00 Uhr und am 25.12., 1. und 6. Januar von 16.00 bis 21.30 Uhr geöffnet. Die handgefertigten Figuren der Krippe im Cabildo stammen vom erfahrenen Krippenbauer José María Mesa, der die Akzente in der diesjährigen Weihnachtslandschaft auf die Landwirtschaft setzt.

Im Kunstzentrum La Recova beim Teatro Guimerá in Santa Cruz sind bis 5. Januar vier ganz besondere Krippen zu besichtigen, die ausschließlich aus recyceltem Material hergestellt wurden. „Eine gelungene Kombination von Tradition und Moderne mit Umweltnote“ fand die Kulturdezernentin der Stadt bei der Eröffnung am 11. Dezember.

Weihnachtsgeschichte in Sand

Die Krippe aus Sand am Canteras-Strand in Las Palmas de Gran Canaria gehört ebenfalls schon zur Tradition dieser Jahreszeit.

Sandbildhauer aus verschiedenen Ecken der Welt schufen in wochenlanger Arbeit verschiedene Szenen der Weihnachtsgeschichte, die bis 7. Januar täglich besichtigt werden können. Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern wurden dafür etwa 500 Tonnen Sand verarbeitet.




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