Betreten verboten!


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Verzeichnis der Wasserstollen stuft 133 als „gefährlich“ bis „sehr gefährlich“ ein

Die kanarische Regierung hat in einer Ratssitzung am 25. November ein Dekret verabschiedet, das die Cabildos dazu verpflichtet, ein Inventar aller Wasserstollen, Gruben o.ä. zu erstellen. Die Verordnung ist die Reaktion der Regierung auf einen tragischen Unfall in einem stillgelegten Wasserstollen auf Teneriffa im Februar 2007.

Das Cabildo von Teneriffa ist der Aufforderung der Regierung bereits zuvorgekommen und hat über den zuständigen Insel-Wasserrat bereits ein Verzeichnis aller Galerías angelegt. Sage und schreibe 1.114 Wasserstollen und 397 Gruben stehen darin. Beunruhigend ist, dass nach Einschätzung von Experten 133 dieser künstlichen Tunnel als „gefährlich“ bzw. sogar „sehr gefährlich“ eingestuft werden. Grund dafür ist in den meisten Fällen die Luftzusammensetzung im Inneren, die durch den vulkanischen Ursprung der Inseln zum Teil einen hohen Kohlenstoffdioxidgehalt aufweist. Dies war am 10. Februar 2007 auch der Grund für die Tragödie im Stollen „Piedra de los Cochinos“ bei Los Silos.

Eigentlich sollte es eine Höhlenwanderung werden, die vom Naturfreundeverband ATAN organisiert worden war und zu der sich die 29 Studenten und Forscher aus dem Astrophysikalischen Institut der Kanaren angemeldet hatten. Ziel der Expedition war eine Höhle, die zwei Schluchten verbindet. Ganz in der Nähe jedoch liegt der Eingang zum stillgelegten Wasserstollen „Piedra de los Cochinos“, der zum Zeitpunkt der Expedition weder abgeriegelt noch gekennzeichnet war. Die ahnungslosen Wanderer betraten den Stollen in der Annahme, es handele sich um den Tunnel, dessen Eingang ganz in der Nähe lag. Sechs junge Menschen starben. Sie verloren aufgrund der eingeatmeten Gase nacheinander das Bewusstsein. Im Inneren des Stollens verringerte sich der Sauerstoffgehalt der Luft bis auf 6,5%. Andere Expeditionsteilnehmer bemerkten ihre Atemnot rechtzeitig und konnten sich ins Freie retten und Alarm schlagen.

„Ein simples Schild hätte sechs Menschenleben retten können“, wurde später dem Cabildo vorgeworfen.

Durch die neu erlassene Verordnung soll sichergestellt werden, dass jede Insel über ein aktualisiertes Verzeichnis der Wasserstollen – ob stillgelegt oder in Betrieb – verfügt, mit Hilfe dessen eine Beschilderung bzw. Absperrung vorgenommen werden kann.




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