Badegäste retteten Grindwale vor dem Stranden


Bildausschnitt aus einem Amateurvideo: Mit vereinten Kräften konnten die Strandbesucher die Meeressäuger am Stranden hindern. Viele Personen begleiteten die Wale schwimmend, bis sie ihren Weg zurück ins offene Meer fanden. Video: Rubicón Diving Lanzarote

Zwischen 15 und 20 Grindwale schwammen bei Playa Blanca an einen Strand

Lanzarote – An einem Strand in Playa Blanca im Süden der Insel wäre es am 18. August beinahe zu einem massiven Walsterben gekommen. Völlig unerwartet schwamm eine Gruppe von Grindwalen auf die Küste zu. Strandbesucher der Bucht Las Coloradas, auch als Playa de Afe bekannt, reagierten überrascht auf die Meeressäuger, die sich plötzlich im seichten Wasser am Ufer tummelten und ganz offensichtlich orientierungslos waren.

Dank des beherzten Eingreifens einiger Badegäste und dem Einsatz von Tauchern und Personal verschiedener Tauchschulen konnten die Wale schließlich am Stranden gehindert und ins offene Meer zurückgeführt werden.

Das gestörte Verhalten der Tiere gibt Rätsel auf. Auch der Meeressäugerexperte Vidal Martín, Vorsitzender des Forschungsverbands für Meeressäuger SECAC (Sociedad para el Estudio de los Cetáceos en el Archipiélago Canario) kann sich das Verhalten nicht erklären. „Diese Tiere kommen normalerweise nicht in Küstennähe, sondern leben in tieferen Gewässern“, erklärt er. „Die Grindwale leben in Familien bzw. Schulen. Wenn ein Tier krank ist, kommen die anderen ihm zur Hilfe, was in diesem Fall ein Grund gewesen sein könnte“, mutmaßt Vidal.

Salvador Roberto war an Bord eines Schlauchbootes, mit dem Taucher zu dem ganz in der Nähe von Las Coloradas gelegenen Unterwassermuseum gebracht werden. Er sah als einer der Ersten die Wale in Richtung Strand schwimmen und berichtete später: „Als ich sah, wie viele Leute einfach nur Videos aufnahmen und nicht halfen, bat ich einen Kollegen, mich zum Strand zu fahren. Die letzten 30 Meter schwamm ich. Am Ufer waren zwischen 15 und 20 Wale, darunter drei Kälber. Gemeinsam mit Strandbesuchern, die meisten davon Ausländer, haben wir die Wale geschubst und gezogen, um sie ins Meer zurückzuführen. Nach etwa einer Dreiviertelstunde hatten wir es geschafft und waren sehr glücklich darüber, sie gerettet zu haben.“

Natasha Maksymenko vom Diving Centre Rubicón erzählte, dass die Strandbesucher anfangs Angst hatten und viele erst nach der Aufforderung durch die Tauchlehrer ins Wasser gingen, um zu helfen. Sie selbst habe ein Jungtier im Arm gehalten. Es sei eine sehr berührende Erfahrung gewesen, diesen Tieren zu helfen, wohl wissend, dass sie andernfalls sterben würden, erklärte die Tauchlehrerin.

Schließlich schwammen die Wale in Richtung Playas de Papagayo davon.

Das Amateurvideo des Vorfalls kann auf unserer Facebookseite angesehen werden.




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