Baby in La Matanza stirbt durch häusliche Gewalt


Die Polizeisprecherin Inmaculada González informierte die Öffentlichkeit über die Verhaftung des Lebensgefährten der Mutter des getöteten Babys. Foto: EFE

Die Eltern, beide 19 Jahre alt, befinden sich in Untersuchungshaft

Teneriffa – Ein kleines Mädchen von fünf Monaten ist am Sonntag, dem 27. Mai, ums Leben gekommen. Die Autopsie ergab, dass es in den letzten fünf Tagen seines Lebens fortgesetzter Misshandlung ausgesetzt war. Die Eltern des Babys sind in Untersuchungshaft.

Um 10.00 Uhr am Vormittag des besagten Tages wurde ein Rettungswagen in eine Wohnung nahe dem Bauernmarkt von La Matanza gerufen. Das medizinische Personal konnte jedoch nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Der 19-jährige Vater (J.L.M.M.) hatte sich kurz nach dem Eintreffen der Ambulanz entfernt. Die Polizei suchte zwei Tage lang nach ihm und konnte ihn schließlich in einer leer stehenden Wohnung desselben Wohngebäudes ausfindig machen und festnehmen. Der junge Mann leistete bei der Festnahme erheblichen Widerstand. Die ebenfalls 19-jährige Mutter (I.T.T.) musste zunächst, unter anderem wegen schwerer Trunkenheit, einige Tage in der Psychiatrie des HUC verbringen, bevor sie dem Richter vorgeführt werden konnte.

Prekäre Lebensverhältnisse

Die Familie lebte in der Wohnung zusammen mit der Mutter und einem noch minderjährigen Bruder des Kindsvaters. Das junge Paar wohnte in einem einzigen Zimmer auf engstem Raum zusammen mit dem getöteten Baby und einer weiteren fünfjährigen Tochter der jungen Frau aus einer früheren Beziehung. Wie die Polizei ermittelte, lag bei der Sozialbehörde ein Bericht vor, demzufolge die Familie dort in prekären Verhältnissen lebt und der Bruder sowie die Mutter gewaltsamen Übergriffen durch J.L.M.M. ausgesetzt waren. Das Amt kam in dem Bericht zu dem Schluss, dass die normale Entwicklung seines jüngeren Bruders durch diese Wohn- und Lebenssituation gefährdet sei.

Autopsie

Der vorläufige Autopsiebericht des Rechtsmedizinischen Institutes IML in Santa Cruz ergab, dass der Säugling zwischen 4.00 und 9.00 Uhr morgens starb. Todesursache war ein schwerer Schlag, der zu einem Leberriss  und inneren Blutungen führte.

Darüber hinaus stellten die Gerichtsmediziner zahlreiche blaue Flecken am ganzen Körper fest, die dem kleinen Mädchen an verschiedenen Tagen beigebracht worden sein müssen. Da bei einer medizinischen Untersuchung des Kindes fünf Tage vor seinem Tod nichts aufgefallen war, gehen die Forensiker davon aus, dass das Baby über die letzten fünf Tage seines Lebens hinweg mehrfach misshandelt wurde.

Untersuchungshaft

Der Richter am Untersuchungsgericht No. 1 in La Orotava geht von einer fortgesetzten Misshandlung des Kindes durch den Vater oder die Mutter aus, während der andere Elternteil nichts unternommen habe, um das Baby zu schützen. Gegen beide wird wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt.

Beide Elternteile machten widersprüchliche Angaben zu den Geschehnissen. Sie sagten aus, das Kind sei am Vorabend vor demSchlafengehen aus der Badewanne gefallen und schoben sich gegenseitig die Schuld daran zu. Der Autopsiebericht dagegen schließt eine Unfallverletzung aufgrund eines Sturzes als Todesursache klar aus.

Nach Aussagen der Mutter des Kindes waren die Gewalttätigkeiten des jungen Vaters keine Ausnahmeerscheinung, sondern er sei regelmäßig gegen seine Lebensgefährtin handgreiflich geworden. Zudem habe er sie dazu aufgefordert, ihre fünfjährige Tochter an den leiblichen Vater abzugeben.

Der Richter sieht die junge Frau dennoch in der Verantwortung. Sie habe es zugelassen, dass ihre beiden Töchter unter absolut unangemessenen und ungesunden Verhältnissen leben mussten. I.T.T. sei ihrer Verantwortung, die Kinder zu schützen, nicht nachgekommen und habe es hingenommen, dass der gewalttätige J.L.M.M. mit ihr und ihren Kindern in dem kleinen Zimmer zusammenwohnte.

Der zuständige Staatsanwalt  geht in der Sache von vorsätzlichem Mord aus.

Eine angekündigte Tat?

Wie die kanarische Tageszeitung El Día berichtete, soll eine Aussage der Mutter vorliegen, J.L.M.M. habe ihr gegen 2.00 Uhr morgens, wenige Stunden vor dem Tod des Kindes, gesagt: „Entweder bringst du das Mädchen zur Ruhe, oder ich bringe es um.“ Und später, als sie das Frühstück machte, habe er die Musik laut aufgedreht und geschrien: „Halt den Mund, oder ich bring dich um!“. Und dann habe sie ein Geräusch wie einen Schlag gegen die Wand gehört.

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