Asylanträge verdoppelten sich


Viele Flüchtlinge kommen bei dem Versuch, Europa über den Seeweg zu erreichen, ums Leben. Foto: Guardia civil

In Spanien erhält nur jeder vierte Bewerber Asyl

Kanarische Inseln/Madrid – Im vergangenen Jahr stellten 2.079 Personen auf den Kanarischen Inseln einen Asylantrag, wie Juan Carlos Lorenzo, Gebietsleiter der Nichtregierungsorganisation Comisión Española de Ayuda al Refugiado (Spanische Kommission zur Unterstützung von Flüchtlingen), bei der Vorstellung des Jahresberichtes bekannt gab. Laut Lorenzo hätten in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits 1.232 Personen auf den Kanaren Asyl beantragt, sodass davon auszugehen sei, dass die Gesamtzahl der Anträge in diesem Jahr weiter ansteigen werde.

Die meisten illegalen Flüchtlinge kommen nach Spanien

Im vergangenen Jahr war Spanien europaweit das Land, das die meisten illegalen Flüchtlinge – 65.383, fast dreimal so viele wie 2017 – empfing. 51% der Flüchtlinge, die auf dem Seeweg illegal nach Europa einreisten, kamen über die spanische Küste auf den Kontinent. Mindestens 811 Menschen starben bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen. Insgesamt kamen mindestens 2.299 Menschen auf der Mittelmeerüberfahrt in Richtung eines europäischen Landes ums Leben.

Lorenzo kritisierte die Migrationspolitik, die sich auf eine Abschottung der Grenzen konzentriere, statt Solidarität und Menschlichkeit zu fördern. Der Fall der „Aquarius“ sollte Regel und nicht Ausnahme sein, so der Vertreter von CEAR. Anfang Juni hatte sich zum ersten Mal der aufsehenerregende Fall gejährt. Die „Aquarius“ war weltweit in die Schlagzeilen geraten, weil das Flüchtlingsrettungsschiff tagelang durch das Mittelmeer irrte, ohne dass ein europäischer Hafen die Einfahrt gewährte. Bis die spanische Regierung ihre Aufnahmebereitschaft erklärte und die fast 630 Flüchtlinge in Valencia an Land gehen konnten.

Juan Carlos Lorenzo gab zudem Auskunft über die Zahl der Asylanträge in ganz Spanien im Jahr 2018, die er mit 54.065 bezifferte – 74% mehr als im Jahr zuvor. Die in Spanien eingereichten Anträge machen einen Anteil von 8% aller in Europa gestellten Anträge – insgesamt 637.895 – aus.

Nach der Auskunft Lorenzos würde Spanien 24% der Anträge stattgeben, das heißt, nur jeder vierte Asylbewerber würde temporär aufgenommen und geschützt. Der europäische Durchschnitt läge mit 38% an-

genommener Anträge erheblich höher. Der Vertreter der Hilfsorganisation klagte zudem an, dass in Spanien derzeit mehr als 100.000 Personen auf eine Entscheidung über ihren Antrag warten würden und dies bis zu zwei Jahren dauern könne.




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