Arico kämpft gegen Windmühlen


Mitte April wurde mit der Installation der neuen Windkraftanlagen im Gemeindegebiet von Arico begonnen. Foto: Daniel Dorta

Wegen der Installation einer neuen Hochspannungsleitung will die Gemeinde vor Gericht ziehen

Teneriffa – Arico kämpft derzeit gleich an zwei Fronten. Es gilt, die Installation von Windkraftanlagen an der Küste zu verhindern, weil man negative Auswirkungen auf die touristische Entwicklung und eine Verringerung der Anziehungskraft für den Zuzug neuer Einwohner befürchtet. Zum anderen kämpft die Stadtverwaltung gegen die Installation einer Hochspannungsleitung quer durch die Gemeinde, die erforderlich ist, um die Sonnen- und Windenergie verteilen zu können. Zumindest hinsichtlich der Windkraftanlagen gelang Arico nun ein kleiner, wenn auch kurzzeitiger Erfolg.

Einstweiliger Baustopp

Mitte April begannen die Betreiber Alas Capital und Gas Natural mit der Installation der Windkraftanlagen im neuen Windpark La Morra, der 6,3 MW erzeugen soll. Im Gemeinderat wurde darüber diskutiert, ob und mit welchen Argumenten rechtlich gegen die Windparks vorgegangen werden könnte. Doch dann war es eine Untersuchung der inseleigenen Umweltschutzbehörde Apmun, die einen einstweiligen Baustopp auslöste.

Apmun entdeckte, dass bei der Anlegung eines Zufahrtsweges zu den Baustellen eine archäologische Fundstätte in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das archäologische Material besteht aus Keramikfragmenten, Steinwerkzeugen, Überresten von Basalt-Mühlen und Obsidian-Werkzeugen. Weil es sich um eine derart vielfältige Ansammlung archäologischen Materials und somit um eine Fundstätte von hoher Bedeutung handelt, hat das Cabildo einen einstweiligen Baustopp verhängt. Aricos Bürgermeisterin veranlasste die Lokalpolizei, die Baustelle abzusperren.

Allerdings gab das Cabildo schon wenige Tage später bekannt, dass der Bauträger bereits einen Archäologen mit der Ausarbeitung einer Studie über die an dem archäologischen Material verursachten Schäden sowie mit der Auflistung erforderlicher Schutzmaßnahmen beauftragt habe. Sobald die Behörde zum Schutz für Kulturgut diese für angemessen erklärt und eine weitere Gefährdung der Fundstätte ausschließt, wird der Baustopp aufgehoben,  womit das Cabildo Mitte Mai rechnet.

Aus diesem Grund und um die Windparks endgültig von der Küste zu verbannen, will die Gemeinde rechtliche Schritte einleiten und sich auf die Nähe zu Ortschaften, die schützenswerte Landschaft und die Ermangelung eines Raumordnungsplanes berufen. Doch selbst Bürgermeisterin Elena Fumero gestand ein, dass bei Erfüllung aller rechtlichen Voraussetzungen von den Betreibern die Installation der Windkraftanlagen, die aufgrund allgemeinen Interesses über entsprechende Genehmigungen vonseiten der Regionalregierung verfügen, nicht verhindert werden könne. Aus diesem Grund forderte sie Regionalpräsident Fernando Clavijo auf, sich für eine Verschärfung der gesetzlichen Bedingungen einzusetzen.

45 km lange Hochspannungsleitung

Auch hat der Gemeinderat beschlossen, gerichtlich gegen die geplante Hochspannungsleitung vorzugehen, welche die von den neuen Solar- und Windkraftanlagen erzeugte Energie weiterleiten soll.

Der spanische Stromnetzbetreiber REE plant, zwischen Candelaria und Granadilla de Abona über 44,7 km bzw. 46 km eine doppelte Hochspannungsleitung mit einer Spannung von 220 kV zu installieren, die größtenteils überirdisch verlaufen soll. Die längere Leitung soll über ein neu in Porís de Abona (Arico) zu errichtendes Unterwerk abgeleitet werden. 124 Hochspannungsmasten müssen installiert werden; ca. 600 Grundstücke sind betroffen. Ein Teil der Grundstücke ist bereits von REE erworben worden.

Die betroffenen Gemeinden Candelaria, Arafo, Güímar, Fasnia und Arico haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam für eine unterirdische Verlegung der Hochspannungskabel zu kämpfen.

Während das Cabildo einen weiter oberhalb gelegenen Standort der Windparks, entfernt von der Küste und näher an der Autobahn, ebenfalls befürwortet, erhielt die Bürgermeisterin in der Angelegenheit der Hochspannungsleitungen keine Rückendeckung von Inselpräsident Carlos Alonso. Gegenüber dem Radiosender Radio Club Tenerife erklärte Alonso: „Ich befürworte nicht, dass die Bürgermeisterin gegen die Hochspannungsleitung vorgehen will. Mir kommt es so vor, als ob wir uns alle für die Erneuerbaren Energien einsetzen, aber wenn es darum geht, die erforderlichen Infrastrukturen zu bauen, werden Rechtsmittel eingelegt, die für einen Baustopp sorgen.“




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