Arbeiten in Urlaubsatmosphäre


Das Auswilderungsprojekt der Cuviergazellen findet hinter den Kulissen statt. Foto: oasis park

Ein Einblick in das Unternehmenskonzept des Tier- und Erlebnisparks Oasis Park

Fuerteventura – Zweifellos gehören Tierpark und Botanischer Garten des bisher rund 40 Hektar großen Oasis Park in La Lajita zu den beliebtesten Attraktionen Fuerteventuras.

Im Süden der kargen Insel erwartet den Besucher eine grüne Oase mit farbenprächtigen Pflanzen und einem riesigen Garten mit kanarischen, teils endemischen Pflanzen. Besondere Anziehungskraft jedoch haben die weitläufigen Gehege, die über 250 verschiedene Tierarten Afrikas, Südamerikas und natürlich auch von den Kanarischen Inseln beherbergen.

Über das Für und Wider von Zoos und Tierparks gehen die Meinungen oft weit auseinander. Als reine Stätten der Zurschaustellung seltener Tiere sind sind sie zweifellos fragwürdig, jedoch gibt es eben auch jene, die mit gutem Beispiel in Sachen möglichst artgerechter Haltung vorangehen und darüber hinaus zur Arterhaltung beitragen. Der von Soraya Cabrera geleitete Oasis Park zählt dazu. Die junge Frau ist von Kindesbeinen an mit Tieren aufgewachsen, zum Haushalt ihrer Familie gehörten natürlich Hunde, Katzen und Ziegen, aber auch eher exotischere Spezies wie Kamele und Schimpansen.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ihre unermüdliche Arbeit für die artgerechte Haltung „ihrer“ Tiere und für die weltweiten Projekte zum Schutz bedrohter Arten. Eines davon läuft seit vielen Jahren: Die Auswilderung von Cuviergazellen, die im Atlas-Gebirge Nordafrikas heimisch und heute aufgrund von Wilderei vom Aussterben bedroht sind. Mehrere Versuche der spanischen Regierung, die grazilen Tiere in verschiedenen Tierparks züchten zu lassen, um sie wieder in ihrer ursprünglichen Heimat anzusiedeln, schlugen fehl; die Tiere starben. Nur zwei Parks weltweit gelang die Zucht, einer davon ist der Oasis Park. 2005 kamen fünf weibliche und zwei männliche Tiere an, und schon ein Jahr später erblickten sieben Junge (inklusive Zwillingspärchen) das Licht der Welt.

25 ihrer mittlerweile 48 Nachkommen werden nun in einem riesigen, für Besucher nicht zugänglichen Areal im Oasis Park auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet. Sie haben keinen unmittelbaren Kontakt zu Menschen, ihr Futter wird direkt aus ihrer ursprünglichen Heimat importiert, und ihr Immunsystem funktioniert einwandfrei ohne Impfungen und Medikamente. Doch an den Termin der Auswilderung im kommenden Oktober denkt Soraya mit gemischten Gefühlen – zwar sorgt sie mit dafür, dass die Natur einen fast verlorenen Teil zurückerhält, doch sind es auch ihre Schützlinge, die dank ihrer diskreten Pflege bisher ein Leben in Sicherheit führten. Nun ist die Zukunft der Tiere ungewiss. Als einziger der nordafrikanischen Anrainerstaaten hat sich Tunesien zum Schutz der Tiere verpflichtet und einen Nationalpark errichtet, in dem die Tiere vor dem Zugriff der Trophäenjäger sicher sind.

Genau umgekehrt liegt die Sache bei manch anderen Bewohnern des Tierparks, die erst seit ihrem „Einzug“ in den Oasis Park in Sicherheit leben. Da ist zum Bespiel der kleine Kapuzineraffe, der als Maskottchen in einem Bordell aufwuchs. Bei einer Razzia wurde er von der Polizei gefunden und in den Tierpark gebracht. Hier sah er nicht nur zum ersten Mal Artgenossen, sondern auch seine artgerechte, natürliche Umgebung – ein Baum? Klettern?? Selbst futtern??? Es dauerte einige Zeit, bis sich der Kleine an seinen Wandel vom Schoßhündchen zum Primaten gewöhnte, doch heute bringt ihn nichts mehr von seiner Gruppe und seinen Bäumen weg.

Kamelmilch – natürliche Insulinquelle?

Im Oasis Park lebt die größte Kamelherde Europas. Jährlich werden rund 50 Junge geboren. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen untersucht Oasis Park die Vorteile von Kamelmilch. Foto: oasis park
Im Oasis Park lebt die größte Kamelherde Europas. Jährlich werden rund 50 Junge geboren. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen untersucht Oasis Park die Vorteile von Kamelmilch. Foto: oasis park

Ein weiteres Projekt, an dem die Tierparkleiterin zusammen mit verschiedenen Universitäten arbeitet, ist die Nutzbarmachung des natürlichen Insulins in Kamelmilch. Ein Thema, das Soraya umtreibt, seit sie Ende der 90er-Jahre einen Artikel über deren Erfolge bei der Behandlung von Diabetes-Patienten in Indien las. Der Oasis Park beherbergt die größte Kamelherde Europas, in der jährlich rund 50 Junge geboren werden. Da der Pankreas bei neugeborenen Kamelen noch nicht voll entwickelt ist, wird der Insulinspiegel der Säuglinge in den ersten Wochen über die Milch geregelt. Sie trinken etwa fünf Liter pro Tag, und die Muttertiere produzieren während dieser Zeit ständig sozusagen auf Vorrat. Pro Kamel wird ein Liter Milch abgefüllt und Professor Gerardo Caja an der Autonomen Universität Barcelona zur Verfügung gestellt. Der Wissenschaftler erforscht seit Langem die Inhaltsstoffe verschiedener Milchsorten und deren Extraktion.

In Zusammenarbeit mit dem Oasis Park sowie den Universitäten von Las Palmas de Gran Canaria und Riad in Saudi-Arabien arbeitet er derzeit an den Möglichkeiten, das Insulin der Kamelmilch in Tablettenform nutzbar zu machen. Gelingt dies, gäbe es für Millionen Menschen eine Alternative zu Spritzen und Pumpen.

Neben all diesen Projekten liegt Sorayas Hauptaugenmerk darauf, den Tieren des Parks eine so weit wie möglich natürliche Umgebung zu bieten. Selbst in den Shows, die immer aufs Neue das Publikum faszinieren, werden die Tiere nach ihrer Bereitschaft zur Mitarbeit eingesetzt. „Auch jeder von uns hat mal schlechte Stimmung oder einen schlechten Tag. Darauf nehmen wir auch bei unseren Hauptakteuren Rücksicht“, meint die Tierpark- leiterin. „Hier gibt es weder Futterentzug noch irgendwelche anderen Strafmaßnahmen, wie es leider in manch anderen Zoos üblich ist. Auch passiert nichts hinter verschlossenen Türen.“ Transparenz und Information sind Sorayas Credo. So werden zum Beispiel die täglichen Trainingseinheiten um 11.30 Uhr abgehalten, damit interessierte Besucher das Procedere verfolgen und Fragen stellen können. Diese Übungen sind obligatorisch, denn sollte ein Tier medizinische Versorgung brauchen, muss es seinem Pfleger vertrauen. Bei Kleintieren ist eine Behandlung recht einfach, eine Giraffe jedoch muss ihren Kopf freiwillig auf Menschen-Augenhöhe senken und ein Elefant von selbst seinen Fuß heben. Mehrere Tierärzte und rund 90 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohlergehen der Parkbewohner, manche rund um die Uhr. Für die meisten von ihnen, allen voran Soraya Cabrera, gibt es keinen schöneren Arbeitsplatz: „Wenn ich gegen 6 Uhr morgens durch den Park gehe und die Tiere nach und nach aufwachen, ist das für mich wie Urlaub.“ Auch für die Besucher, die ein paar Stunden dieses neuen Tages gemeinsam mit den Bewohnern verbringen, soll es genauso sein.

Geöffnet ist der Oasis Park täglich von 9 bis 18 Uhr.
Weitere Informationen über Eintrittspreise sowie die Fahrzeiten der kostenlosen Zubringerbusse finden Sie auf www.fuerte venturaoasispark.com/de




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