Antonio Cubillo verstarb im Alter von 82 Jahren


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Er war der historische Führer der kanarischen Unabhängigkeitsbewegung

Antonio Cubillo Ferreira, der als historischer Führer der kanarischen Unabhängigkeitsbewegung galt, ist am 9. Dezember im Alter von 82 Jahren in Santa Cruz verstorben.

Im April 1978 war er in seinem Haus in der algerischen Hauptstadt Algier von zwei spanischen Auftragskillern niedergestochen und schwer verletzt worden. Bei dem Anschlag wurden ihm Verletzungen an der Wirbelsäule zugefügt. Seither konnte er sich nur noch mit zwei Krücken fortbewegen. Cubillo war stets der festen Überzeugung, dass hinter dem Mordversuch das spanische Innenministerium steckte, und dabei vom deutschen Geheimdienst unterstützt worden war.

Cubillo, Begründer der Bewegung für Selbstverwaltung und Unabhängigkeit des Kanarischen Archipels MPAIAC, starb mit dem Bestreben, mit dem er sein ganzes Leben lang gekämpft hat: „Die Entkolonialisierung“ der Kanarischen Inseln durch Spanien. Dieser Kampf hätte ihn nach seiner Überzeugung fast das Leben gekostet. Er war mit den Vorbereitungen für eine Reise zu den Vereinten Nationen beschäftigt, wo er die „Kolonial-Probleme“ der Kanaren vortragen wollte, als das Attentat auf ihn verübt wurde.

Im Juli 1990 verurteilte das Spanische Nationalgericht José Luis Espinosa Pardo, Vertrauensmann des „Superkommissars“ Robero Conesa, als Organisator des Mordanschlags auf den kanarischen Unabhängigkeitsführer zu zwanzig Jahren Haft. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Personen, die den spanischen Polizeikräften angehörten, das Verschwinden Cubillos beschlossen hatten. Diese Personen, so die Richter, handelten von ihren Schreibtischen aus und hatten eine gewisse Macht über Espinosa.

Geborener Canario

Cubillo wurde am 3. Juli 1930 in La Laguna geboren, war verheiratet und hatte drei Söhne. Von seiner Anwaltskanzlei aus steuerte er die Bewegung „Canarias libre“ (freie Kanaren), die er 1961 in Autonomie-Bewegung der Kanaren umbenannte. Wegen dieser Aktivitäten wurde er verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. 1962 wurde er der illegalen Propaganda und Beleidigung des Staatschefs Francisco Franco beschuldigt. Es kam jedoch nicht zu einer Gerichtsverhandlung, denn er konnte während eines Freigangs fliehen. 1963 ließ er sich in Algerien nieder, wo er als Lektor für spanische Sprache und Universitätsprofessor für Internationales Seerecht tätig war. 1964 gründete er dort die MPAIAC, die 1968 durch das Internationale Komitee der Organisation für die Einheit Afrikas OUA anerkannt wurde.

Die Unterstützung Algeriens und der OUA für die Thesen Cubillos, dass die Kanarischen Inseln Teil Afrikas sind, bereiteten Adolfo Suárez, dem ersten demokratischen Präsidenten Spaniens, großes Kopfzerbrechen. Sein Außenminister Marcelino Oreja musste durch die afrikanischen Staaten reisen, um die Regierungen davon zu überzeugen, dass der Archipel zu Spanien gehört.

Von seinem Exil in Algerien aus, strahlte Cubillo Nacht für Nacht über seinen Sender „La Voz de Canarias Libre“ – die Stimme der freien Kanaren – seine Propaganda für die Freiheit der Kanarischen Inseln aus. Er führte aber auch eine Kampagne, die er „bewaffnete Propaganda“ nannte, und die aus einer Welle von Bombenattentaten bestand.

MPAIAC war eine Organisation, welche die Polizei mit zahlreichen Terror-Attentaten auf den Kanaren in Verbindung brachte. Dazu gehörte auch der Tod des Sprengstoff-Experten Rafael Valdenebros Sotelo, der 1978 bei der Entschärfung einer Bombe in La Laguna ums Leben kam. „Es gibt kein einziges Gerichtsurteil, in dem festgestellt wird, dass MPAIAC eine terroristische Organisation ist“, hatte Cubillo die Beschuldigungen immer wieder abgewiegelt.

Im August 1985, nach 24 Jahren Exil in Algerien, war er nach Spanien zurückgekehrt, fest entschlossen, politische Aktivitäten in seiner kanarischen Heimat aufzunehmen und auch seine Anwaltskanzlei wieder zu eröffnen.

In all den Jahren bis zu seinem plötzlichen Tod, war er in der politischen Öffentlichkeit präsent mit Vorträgen, redaktionellen Beiträgen in den Medien und festen Kolumnen in hiesigen Zeitungen vertreten, insbesondere in der Tageszeitung El Dia, deren Herausgeber offensichtlich auf derselben Wellenlänge mit ihm lag. Cubillo hatte auch ein Grundgesetz für einen hypothetischen freien Staat Kanaren ausgearbeitet.

Sein Neffe Eduardo, Autor der Dokumentation „Cubillo, die Geschichte eines Staatsverbrechens“ hatte seine Arbeit erst vor einer Woche dem Publikum in Madrid vorgestellt.

Viele „Histörchen“ berichten davon, wie Cubillo immer wieder versucht hatte, darzustellen, dass die Kanaren eine Kolonie Spaniens seien, die unterdrückt und ausgeplündert werde. So wird ihm nachgesagt, er habe in dem Jahr, als die Spanienrundfahrt der Radfahrer auf Teneriffa in den Cañadas startete, von einigen Gesinnungsgenossen dort Reißzwecken ausstreuen lassen.





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