Alkoholabhängigkeit breitet sich aus


© Moisés Pérez

Suchthilfe schlägt Alarm

Die Organisation Proyecto Hombre (Projekt Mensch) hat ihren jüngsten Bericht mit alarmierenden Ergebnissen vorgestellt. Demnach nimmt die Alkoholabhängigkeit dramatisch zu, auch unter Jugendlichen.

Wie die Suchthelfer festgestellt haben, sind Kokain und Heroin immer noch die am häufigsten konsumierten Drogen, doch hat der Alkohol stark aufgeholt – mit zunehmender Tendenz, insbesondere unter den Jugendlichen.

María Padrón von Proyecto Hombre schilderte die Lage: „Erst, wenn die jungen Menschen zu uns kommen, wird ihnen bewusst, dass sie ein Alkoholproblem haben. Weil der Genuss von Alkohol sozial anerkannt ist und der Zugang leicht gemacht wird, merken die meisten nicht, dass sie abhängig sind.“

Tatsächlich würden die Jugendlichen an den Wochenenden im Rahmen des sogenannten „botellón“ (dabei treffen sich die jungen Leute meist auf der Straße, um sich mit hochprozentigen Getränken vor dem Disco-Besuch preisgünstig zu berauschen) regelmäßig bis zu sechs Drinks innerhalb von nur zwei Stunden konsumieren, erklärte María Padrón.

Um den fließenden Übergang zur Sucht zu stoppen, müsse mit den Familien zusammengearbeitet und das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht werden. Aufklärung heiße die Alternative, so Padrón, denn die Meisten seien sich des hohen Suchtpotenzials von Alkohol nicht bewusst.

Im vergangenen Jahr betreute Proyecto Hombre rund 1.200 Personen. Dabei kristallisierte sich folgendes Profil des „typischen“ Drogenabhängigen der heutigen Zeit heraus: männlich, zwischen 30 und 35 Jahre alt, kokainsüchtig aber auch abhängig von anderen Substanzen wie insbesondere Alkohol, mit mindestens einem gescheiterten Entwöhnungsversuch, arbeitslos, in finanziellen Schwierigkeiten steckend, mit grundlegender Schuldbildung bis Berufsausbildung.

Fast die Hälfte suchten erst Hilfe, nachdem Familienangehörige, Lebenspartner oder Freunde sie zu dem Schritt motiviert hatten. Der Druck der Familie sei hilfreich, aber nicht ausreichend, ohne Eigenmotivation gehe es nicht, erklärte María Padrón. Doch gerade jetzt, in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit schon gesunde Menschen depressiv werden lasse, sei diese noch schwerer aufzubringen. Umso mehr versuche die Organisa-

tion Proyecto Hombre, den Abhängigen auch hier behilflich zu sein und sie zur Arbeitssuche zu motivieren.




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