Acht Monate ohne Strom


In Breña Baja sind 20 Familien von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten

Kaum zu glauben, aber wahr. Es handelt sich nicht um Obdachlose, die in ihrer Not ein Haus besetzt haben, oder Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen ihre Stromrechnung nicht mehr zahlen konnten.

Es sind frischgebackene Hauseigentümer, die in einem Wohnkomplex, der im Sommer 2010 in Breña Baja fertiggestellt wurde, eine moderne Wohneinheit erworben haben und sehr wohl in der Lage sind, die Raten für ihre Hypothek und auch ihre Stromrechnung zu zahlen. Dennoch müssen die zwanzig Familien, die bisher in die Wohnanlage eingezogen sind, seit acht Monaten ohne Elektrizität auskommen. Sie können ihre Waschmaschinen nicht benutzen, der Kühlschrank ist warm, der Heizlüfter kalt, die Unterhaltungselektronik schweigt, und man geht mit den Hühnern schlafen.

Die Lage ist undurchsichtig. Wie so oft, war zum Zeitpunkt der Übergabe der ersten Wohnungen der Papier- und Genehmigungskrieg noch nicht fertig abgewickelt – kein ungewöhnliches Vorkommnis im Bauwesen. Die Wohneinheiten wurden weiter über Baustrom versorgt, die Bewohner rechneten die Kosten mit der Baufirma „Pi mal Daumen“ ab. Knapp drei Jahre lang funktionierte das so. Doch dann zeigte jemand diesen regelwidrigen Zustand an, und der Stromversorger stellte den Baustrom ab.

Die Bewohner können die Anträge für einen Stromanschluss nicht selbst stellen. Zuständig ist mittlerweile eine andere Firma als der ursprüngliche Bauträger. Die Gemeindeverwaltung bemüht sich um Lösungen, erklärt aber auch, es liege nicht in ihrer Macht, den Missstand zu beheben.

Im vergangenen Oktober schien eine Lösung des Problems zum Greifen nahe, als alle Wohnungseigentümer zusammenlegten und je 800 Euro zahlten, um eine Schuld des Bauunternehmens beim Stromversorger zu begleichen, doch getan hat sich seither nichts.

Einige Wohnungsbesitzer haben sich als Notbehelf einen Dieselgenerator gekauft, viele sind zermürbt von den beschwerlichen Bedingungen, unter denen sie leben müssen. Ein Ende der undurchsichtigen, bürokratischen Verstrickungen um einen simplen Stromanschluss ist nicht in Sicht. Dennoch läuft die Vermarktung der restlichen Wohnungen und Garagen munter weiter.

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