45 Meilen volle Kraft voraus


Flüchtlingsboote ändern Kurs, um Frontex-Patrouillen zu umgehen

Die Flüchtlingsboote, mit denen illegale Immigranten aus Afrika über die Kanarischen Inseln nach Europa gelangen, haben ihre Strategie geändert.

Während die Holzboote, die von der senegalesischen oder mauretanischen Küste ablegen, früher zunächst an der Küste entlangschipperten, um dann auf der Höhe der Kanaren Kurs auf die östlichen Inseln zu nehmen, haben es die Flüchtlingsboote heute eilig, aufs offene Meer hinaus zu gelangen. Sozusagen mit voller Kraft voraus steuern die Cayucos geradewegs auf den Atlantik hinaus, um so schnell wie möglich das Küstengebiet hinter sich zu lassen.

Die Vereinbarung zwischen Mauretanien und Spanien zur Überwachung der afrikanischen Küste durch die Frontex-Einheiten legt nämlich fest, dass die Patrouillenschiffe der Guardia Civil nur bis 45 Meilen vor der afrikanischen Küste eingreifen dürfen. Hat ein Flüchtlingsboot erst einmal diese Distanz hinter sich gebracht, muss nicht mehr befürchtet werden, dass es von einer Frontex-Einheit abgefangen wird.

Für die verzweifelten Menschen, die sich eine Reise in einem Cayuco erkauft haben, bedeutet dies ein noch größeres Risiko. Der starke Seegang und ein mögliches Abdriften vom Kurs machen die Überfahrt noch gefährlicher.

Die Immigrantenschlepper haben ihre Strategie offensichtlich auch schon geändert. Angeblich warten sie mit einem großen Cayuco jenseits der 45-Meilen-Grenze auf kleine Boote, die mit nur wenigen Menschen an Bord als vermeintliche Fischerboote den Grenzschützern nicht auffallen. Auf hoher See steigen die Flüchtlinge dann in das größere Boot um und setzen die Reise fort.

Über 5.000 illegale Immigranten wurden im Laufe dieses Jahres von den Frontex-Einheiten abgefangen, weitere 6.500 erreichten ihr Ziel. 65 Cayucos aus dem Senegal, Mauretanien und Cabo Verde mit Kurs auf die Kanarischen Inseln wurden von der Guardia Civil an der Weiterfahrt gehindert.




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