100% Erneuerbare Energie bis 2030


Solarmodule auf einem Gebäude in San Sebastián Foto: EFE

Nach Einschätzung deutscher und finnischer Akademiker könnte sich La Gomera innerhalb von 12 Jahren vom Erdöl unabhängig machen

La Gomera – Vor einiger Zeit hat die kleine Insel El Hierro die Welt beeindruckt, indem sie im Januar und Februar achtzehn Tage lang ihren gesamten Bedarf an elektrischer Energie durch Erneuerbare Energien deckte. Doch auch La Gomera hat in dieser Hinsicht Potenzial.

Einem Artikel zufolge, den Forscher zweier europäischer Universitäten, Kassel und Lappenranta in Finnland, in der Zeitschrift „Energy Conversion and Management“ veröffentlicht haben, könnte sich die Kolumbusinsel schon bis zum Jahr 2030 vom Erdöl unabhängig machen und so, ganz nebenbei, die Stromkosten für die Gomeros um 37% senken.

Während der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung aller Kanareninseln zusammengenommen bei 7,5% liegt, erreicht El Hierro mit seinen 10.700 Einwohnern schon jetzt stolze 39%. La Gomera mit etwa doppelt so vielen Einwohnern könnte nach Darlegung der deutschen und finnischen Wissenschaftler nicht nur gleichziehen, sondern sogar noch deutlich mehr erreichen und nicht nur die Stromerzeugung, sondern den gesamten Energiebedarf auf saubere Energieerzeugung umstellen.

Henning Meschede, Michael Child und Christian Breyen legen in ihrer Arbeit dar, dass La Gomera zurzeit zu 99% von fossilen Energiequellen abhängt. Es gibt nur zwei Windräder und einige Solarmodule auf Privathäusern.

Paradoxerweise liegt die Insel, die in Europa dafür bekannt ist, dass sie auf Naturschutz und alternativen Tourismus setzt, bei den Erneuerbaren Energien unter dem kanarischen Durchschnitt, trotz ihrer großartigen Möglichkeiten für die Nutzung von Sonnen- und Windkraft.

Während die Kanarenregierung für La Gomera bis 2030 den Plan hat, 8 Megawatt in Windkraftanlagen sowie 5 Megawatt in Fotovoltaik-Anlagen zu erreichen, und zudem 20% des Fuhrparks auf Elektroautos umzustellen, werden in dem Artikel fünf mögliche Szenarien entworfen, um die Insel bis 2030 in allen Bereichen ¬– Strom, Heizung und Transport – von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu befreien und dennoch Raum für eine steigende Nachfrage sowie die Möglichkeit eines um bis zu 800 Betten vergrößerten Hotelangebots zu lassen.

Anders als auf El Hierro sehen die Vorschläge jedoch kein Pumpspeicherwerk zur Speicherung überschüssiger Wind- und Sonnenenergie vor, sondern greifen auf andere Speichermöglichkeiten zurück. Außerdem soll das bestehende Wärmekraftwerk erhalten bleiben und mit Biotreibstoff statt Erdöl betrieben werden.




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