Strickmütze statt Nadelstreifen


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Ein Hacker wird Direktor bei Telefónica

Chema Alonso, Spaniens bekanntester und einflussreichster Hacker, ist in die Führungsetage von Telefónica aufgestiegen.

Der Computer-Freak, dessen Markenzeichen lange Haare und eine gestreiften Stickmütze sind, arbeitet schon seit mehreren Jahren in den Bereichen Datensicherheit, Innovationsförderung und Big Data für den Telekommunikationsriesen. Nun wird er Chief Data Officer für Informationssicherheit und Massendatenverwaltung. 

Durch etliche Talkshow-Auftritte hat Alonso in der Öffentlichkeit einen hohen Bekanntheitsgrad als Vorzeige-Hacker erworben. In der Hackerszene ist er wegen seiner Verbindungen zu Microsoft und Telefónica jedoch eher umstritten. 

Schon seit 2012 arbeitet der studierte und promovierte Informatik-Ingenieur als Spezialist für Sicherheit und Innovation bei der spanischen Telefónica, einem der größten Telekommunikationskonzerne der Welt. Deren neuer Präsident José María Álvarez-Pallete berief ihn kürzlich als CDO, „Chief Data Officer“, in die erste Reihe und löste damit ein gehöriges Medienecho aus. Zu kurios ist der Widerspruch zwischen dem Erscheinungsbild des langhaarigen Geeks und seinen Kollegen in Nadelstreifen. Schwer vereinbar erscheint auch der Gegensatz zwischen dem Ideal vom aufrechten Hacker, der für die Freiheit der Information im Netz kämpft, und dem Telekommunikationsriesen, der potenziell eher im Verdacht steht, die Datenströme beschränken, kontrollieren und kommerzialisieren zu wollen. 

Chema Alonso sah sich schon des Öfteren gezwungen, dem eher negativen Bild der Hacker in der Öffentlichkeit entgegenzutreten. Dieses wurde nicht zuletzt durch die Wortdefinition „Informatikpiraten“ welche vor einiger Zeit in das Nachschlagewerk der „Königlichen Akademie der Spanischen Sprache“ Eingang gefunden hat, zementiert.

Er selbst sieht sich und die Hacker im Allgemeinen als Technikliebhaber, die Freude daran haben, die Grenzen ihrer Möglichkeiten auszutesten, und die sich der Verteidigung der Internetrechte verschrieben haben. Ein Hacker sei jemand, der durch seine Aktivitäten Sicherheitslücken aufdecke und so für mehr Sicherheit sorge. Datenklau und kriminelle Machenschaften dagegen würden nicht ins Selbstverständnis der Hackercommunity passen. 

Tatsächlich verdankt Chema Alonso all seine beruflichen Erfolge eben seiner Fähigkeit, dort einzudringen, wo eigentlich keiner hingelangen soll. Schon seine erstes Unternehmen „Informática 64“, das er 1999 mit 24 Jahren gründete, widmete sich dem – einvernehmlichen – Cyber-Einbruch in die Computersysteme seiner Kunden. Seit 2012 arbeitete er für die spanische Telefónica, welche sein Unternehmen „Informática 64“ wenig später übernahm und in ein größeres Projekt, die Tochterfirma „Eleven Paths“, integrierte, welche Technologien für Datensicherheit entwickelt. Im Gefolge des neuen Präsidenten José María Álvarez-Pallete, in dessen Team der charismatische Hacker an der Talentförderungsinitiative „Talentum Startups“, mitgearbeitet hatte, wurde Chema Alonso nun zum Chef der Sparten Big Data (Massendatenverarbeitung) und Informationssicherheit berufen.

Von der Firma Microsoft wird Chema Alonso seit Jahren regelmäßig mit dem MVP-Award als „höchstgeschätzter Experte“ ausgezeichnet, eine Ehrenbezeichnung, welche derzeit rund 4.800 IT-Experten wegen herausragender Kenntnisse – und dem hohen Grad ihrer Hilfsbereitschaft – führen dürfen.

In der Hackergemeinde, für die der Microsoft-Konzern traditionell das Reich des Bösen darstellt, hat Chema Alonso diese Auszeichnung ebenso wie sein Engagement bei Großkonzernen eher Misstrauen und Kritik eingebracht. Mit augenzwinkernder Anspielung auf diesen Umstand hat Alonso seinen viel gelesenen Internetblog „Un Informático en el Lado del Mal“, „Ein Informatiker auf der Seite des Bösen“, genannt.




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