Neue Datenautobahn nach Europa


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Teneriffa wird wichtiger Knotenpunkt im Datenverkehr

Das ITER (Technologisches Institut der Kanaren) in Granadilla de Abona, erkennbar an den Windrädern zwischen Autobahn und Küste, produziert nicht nur Strom aus Wind und Sonne, sondern erforscht und entwickelt auch neue Technologien.

Ein großer Schritt nach vorne ist dem Institut nach zweijähriger Vorbereitung jetzt gelungen: Auf dem ITER-Gelände wird ein Datenzentrum errichtet, das einer der wichtigsten Knotenpunkte des Internet-Datenverkehrs zwischen Europa, Westafrika und Südamerika werden soll. Die Errichtung dieses „NAP“ (Network Access Point) soll 1.411 Arbeitsplätze schaffen und 50 Millionen Euro kosten, finanziert aus den Gewinnen des ITER aus der Stromerzeugung.

Neue Unterwasserkabel

Für die Verbindung mit dem Festland werden zwei neue Hochleistungs-Glasfaserkabel von Teneriffa nach Cádiz verlegt. Es müssen zwei Kabel sein, damit beim Ausfall eines Kabels nicht gleich der gesamte Datenverkehr zusammenbricht. Zwei weitere Kabel werden Teneriffa mit Gran Canaria und zwei mit La Palma verbinden.

Ausgeführt werden die Arbeiten von „Canalink“, einem Zusammenschluss von IT3, der ITER-Firma für Telekommunikation, und IslaLink, dem Marktführer in Spanien für Unterseekabel, der seit 2001 die Balearen mit dem Festland vernetzt. IslaLink hat die Unterstützung der wichtigsten Netzbetreiber und kooperiert bei der Verlegung der neuen Kabel mit Alcatel und Lucent. Außerdem ist IslaLink für die Verbindung mit dem Wissenschafts-Datennetz „Red IRIS Nova“ verantwortlich, das 300 Universitäten und Forschungszentren einen schnellen Datenaustausch ermöglicht. Über dieses Netz werden mit Hilfe der neuen Kabel auch die Observatorien auf La Palma besser angebunden werden, so dass Astronomen europäischer Universitäten sozusagen ferngesteuert vom Roque de los Muchachos aus den Himmel beobachten können, ohne selbst dorthin reisen zu müssen.

Verbindung mit Afrika

Ein großes Handicap bei der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas ist die schlechte Verbindung des Kontinents mit dem Rest der Welt, sei es per Telefon oder per Internet. Hier soll der NAP des ITER eine bedeutende Rolle spielen, zumindest, was die Anbindung Westafrikas betrifft. Dazu wurde auf Teneriffa das Projekt ALIX ins Leben gerufen, das innerhalb des NAP das Datenzentrum NAPWACI (Network Access Point of Western Africa and the Canary Islands) betreiben wird. Das wird mit bestehenden Datenleitungen wie der MST zwischen Lissabon und Nigeria verbunden werden und soll auch als Ausgangspunkt für zukünftige neue Kabel dienen. Der ALIX-Zusammenschluss, an dem auch das Cabildo beteiligt ist, will 112 Millionen Euro in das Projekt investieren. Erste Erfolge zeigen sich bereits: Eine US-amerikanische Stiftung stellt 60 Millionen Dollar zur Verfügung, damit afrikanische Universitäten, Gesundheitszentren und Schulen besser an Internet und Telefon angeschlossen werden – und das kostenlos.

Bis 2011 in Betrieb

Doch nicht nur Afrika ist im Gespräch, auch nach Südamerika sind neue Verbindungen geplant. Zunächst müssen jedoch die Kabel nach Rota bei Cádiz auf einer Strecke von 2.000 km verlegt sein und funktionieren, was bis Mitte 2011 geschehen soll. Damit wird auch für kanarische Internetnutzer mehr Kapazität zur Verfügung stehen, denn der Bedarf ist auf dem Archipel in den letzten Jahren ungwöhnlich stark gewachsen. Die Investition in neue Datennetze könnte sich mittelfristig als kluge Entscheidung erweisen, denn damit lässt sich durchaus gutes Geld verdienen. Einmal mehr ist Teneriffa dank des ITER anderen Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus.




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