Bei Anruf Spionage


Foto: Pixabay

Regierungen und Geheimdienste setzen Software ein, mit der sie WhatsApp und Facebook-Nutzer ausforschen können

Madrid – Spyware-Firmen arbeiten im Verborgenen und treten in den Medien kaum je in Erscheinung. Doch neulich rück­te die israelische NSO Group ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit, als Facebook das Unternehmen beschuldigte, eine Sicherheitslücke des WhatsApp- Dienstes missbraucht zu haben, die es ihr ermöglichte, die Nutzer mittels eines Anrufs, der nicht einmal angenommen werden muss, auszuspionieren.

Die NSO Group stritt dies, wie in der Branche üblich, ab, doch der Fall hat den Fokus auf das Millionengeschäft mit den  Cyber-Waffen gelenkt, an dem Unternehmen, Regierungen und Hacker beteiligt sind.

Diese Unternehmen halten sich bedeckt. Sie entwickeln Hacker-Werkzeuge – Programme, mit denen man in Apps, Handys und Betriebssysteme eindringen kann. Doch sie agieren legal, denn Regierungen, Sicherheitskräfte und Geheimdienste haben ein Interesse daran, ihnen die Cyber-Waffen abzukaufen.  Welche Regierungen das sind, ist nicht bekannt, doch Chaouki Bekrar, der Chef und Gründer der Informationssicherheitsfirma Zerodium sowie des 2004 gegründeten Vorgänger-Unternehmens VUPEN, ist der Ansicht, dass praktisch alle Regierungen der entwickelten Staaten über Hacking-Programme verfügen.

Doch die Namen der Kunden werden nicht preisgegeben. Es sei denn, es sickert etwas durch, wie im Fall der italienischen Firma Hacking Team, der 400 Gigabyte an vertraulichen Daten gestohlen wurden. In den Dokumenten fanden sich Kunden wie das FBI, die Drogenstrafverfolgungsbehörde DEA, die Regierungen mehrerer Länder sowie der spanische Geheimdienst CNI und die Policía Nacional.

Die Programme nutzen Sicherheitslücken von Apps und Betriebssystemen aus, um die Nutzer von Smartphones, PCs und Tablets auszuforschen. Am teuersten ist die Spyware für Smartphones, weil die Regierungen und die Geheimdienste daran das größte Interesse haben.

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