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Die Lösung zu unserem Inselrätsel, Ausgabe 466, gibt es bereits am Kiosk in der aktuellen Ausgabe 467.
Das große Inselrätsel, Ausgabe 466
Außen bin ich, nicht innen, außerhalb und draußen, bei jedem Wetter, zu jeder Zeit, nachts und am Wochenende, wenn es regnet, schneit und die Sonne scheint, bei Winden und Stürmen, falls Menschen irgendwelche Feste feiern, auch in den Stunden, in denen sie am Strand, im Büro oder auf der Couch liegen, selbst bei Einsätzen der Bomberos de La Palma, von Policía Nacional oder Ambulancia. Ich bin immer da, wo ich bin, und kann von dort, wo ich bin, auch überhaupt nicht weg.
Das ist aber auch nicht nötig, weil ich glücklicherweise keine Zahnschmerzen bekomme, nie mit dem Taxi in die Stadt fahre und mir auch keinen Film im Kino ansehen möchte. Und wenn tatsächlich einmal Internet- und Telefonverbindungen oder Wasserversorgung ausfallen, ist es mir einfach gleich – das alles benötige ich nicht.
Die Leute aus Portugal damals wahrscheinlich auch nicht, die mich und meine Schwestern und Brüder in unserer besonderen Straße vor ungefähr vier- bis fünfhundert Jahren schnitzten. Die mussten keine Bauanleitung herunter- und keine Fotos hochladen, die riefen auch niemanden an und bestellten keine Pizza. Die stellten mich und meinesgleichen einfach bunt aus Holz her und dann an die Häuser heran, also oben mit einer festen Verbindung, nicht unten.
Unsere Bewohner bepflanzten und bepflanzen mich und uns noch immer selbst oder holen einen Mann mit dem schönen Namen Chico-Heiko, den El Chico de los Balcones, einen Gärtner, der noch besser pflanzen kann. Vorräte lagern die Leute auf mir aber heute nicht mehr im Schatten, glaube ich, das Mehl kommt ja nun aus der Tüte und das Wasser aus der Dusche, außerdem ist der Schatten im Kühlschrank viel kühler.
Ein bisschen traurig bin ich schon, weil ich immer draußen herumhängen muss und wegen meiner Größe nie drinnen mit am Tisch sitzen darf, aber außen fotografieren mich wenigstens viele Menschen. So sind wir bekannt und sogar Weltkulturerbe geworden. Und hoffen jetzt, dass wir Erben genug erben und es für Farbe für einen neuen Anstrich reicht …
Wer oder was bin ich?
(von JENS KLAUSNITZER)




