Das große Kanarenrätsel

Persönlichkeiten, Orte, Ereignisse, Begriffe aus Geschichte, Kunst, Kultur, Wissenschaft, Kulinarik… Alles kann sich hier verbergen.

Übrigens: Die Lösung zu unserem Inselrätsel, Ausgabe 464, gibt es bereits am Kiosk in der aktuellen Ausgabe 465.

Ich bin so, wie jeder von uns gern wäre – lang und schlank. Und ich darf dort sein, wo jeder von uns gern einmal in seinem Leben oder am besten ein ganzes Leben lang sein möchte – an einem kilometerlangen Strand am südlichsten Punkt unserer Insel Gran Canaria. Umgeben von Dünen, Hotels, Restaurants, Boulevards, über mir scheint fast immer die Sonne, unter mir rauscht vierundzwanzig Stunden am Tag das Meer.

Am Anfang war das aber noch nicht so. Das mit Sonne und Meer schon, die existierten ja bereits vor mir, nein, das mit den Hotels und den Menschen in den Hotels, denn es war so richtig einsam hier. So musste, weil man mich unbedingt errichten wollte, um die Menschen auf den Schiffen von Europa nach Amerika und Afrika freundlich zu grüßen, extra ein Anleger gebaut werden, damit das Baumaterial für mich auf dem Seeweg herangeschafft werden konnte. Auf dem Landweg war das damals nach der ersten Idee im Jahr 1861 zu Fuß oder mit einem Pferd nicht möglich.

Damit ich sozusagen mit einem hellen Köpfchen funktioniere, benötigte ich aber nicht nur die üblichen Zutaten für meinen Körper untenherum, sondern eben auch etwas für meinen Kopf oben. Bei meiner Inbetriebnahme 1890 zuerst Petroleum, das immer wieder mit einem Schiff in einen Tank in mir geliefert wurde, später dann Strom, der nicht erst geliefert werden musste, sondern durch einen Generator und Batterien schon hier in einer Steckdose wartete.

Jemand musste sich auch um mich kümmern, damit alles läuft und auch die richtige Richtung hat, aber eine Babysitterin, eine Security oder eine liebe Oma lehnte ich ab. So wurde ein Anbau an mich angebaut, in den in dieser einst noch einsamen Gegend drei Familien einzogen, deren Familienväter mich abwechselnd rund um die Uhr und auch an Sonn- und Feiertagen betreuten. Bis ich genug über mich gelernt hatte und das alles ab 1973 ganz allein bewältigte.

Die Leute heute arbeiten nicht mehr in mir, die besuchen nur mich und die Aussichtsterrasse auf oder das Souvenirgeschäft unter mir …

Wer oder was bin ich?

(von JENS KLAUSNITZER)