War das Unglück vorhersehbar?


Die Vorboten des Einsturzes begannen sich schon Jahre zuvor abzuzeichnen, wenn auch wohl niemand mit dem Schlimmsten gerechnet hatte. Foto: efe

Die Eigentümergemeinschaft des Einsturzhauses von Los Cristianos hatte schon früh auf die Gefahren des Umbaus der Bankfiliale hingewiesen

Teneriffa – Am 14. April 2016 um 9.31 Uhr stürzte in Los Cristianos ein vierstöckiges Apartmenthaus in sich zusammen und begrub sieben Bewohner unter seinen Trümmern. Schon Jahre zuvor wurde in einer Eigentümerversammlung des Gebäudes namens „Julián José“ bezüglich der Umbauarbeiten in einer Banesto-Bankfiliale im Erdgeschoss folgender Beschluss gefasst: „Wenn die Bank die Mängel, die sie sowohl in den Wohnungen als auch im Rest des Gebäudes verursacht haben könnte, nicht beseitigt, werden angemessene Maßnahmen zu ihrer Reparatur durchgeführt, einschließlich der notwendigen juristischen Schritte.“

Die Gutachten, welche nach dem Einsturz angefertigt wurden, nennen die geringe Betonqualität des 1972 erbauten Hauses und die Umbauten in der ehemaligen Bankfiliale, welche die Statik beeinflusst hätten, als Hauptursachen des Unglücks.

Die Umbauarbeiten in der Filiale wurden 2004 durchgeführt. Dabei wurde die Fassade geöffnet, um große Fenster zur Straße und einen Tresorraum einzubauen. Schon kurze Zeit nach dem teuren Umbau, Ende des Jahres 2006, zog die Banesto in ein anderes Gebäude ganz in der Nähe um und ließ die Räume von da an leer stehen, bis sie 2016 verkauft wurden. Als das Gebäude einstürzte, arbeiteten mehrere Handwerker in diesen Räumen. Vor dem Amtsgericht in Arona erklärte ein Gutachter, dass sich der Pfeiler, der zuerst nachgegeben habe, genau da befand, wo der Tresorraum war. Der Einbau desselben, der die Gebäudestruktur durch sein hohes Gewicht überlastet haben könnte, war nie beantragt und genehmigt worden.

Der Staatsanwalt jedenfalls interessiert sich sehr genau für die Gründe des Umzugs und brachte in einer schriftlichen Anfrage an den damaligen Filialleiter seine Verwunderung über den Wechsel der Räumlichkeiten so kurz nach dem kostspieligen Umbau zum Ausdruck. Ob man mehr Platz gebraucht habe, und wenn ja, wie viele Quadratmeter durch den Umzug hinzugewonnen worden seien. Wenn es jedoch wegen der Lage gewesen sei, inwiefern sich die Situation gebessert habe, wo doch die neuen Räumlichkeiten so dicht bei den vorherigen lägen.

Der Staatsanwalt bezieht sich unter anderem auf die Aussage eines damaligen leitenden Angestellten der Bankfiliale, der zugab, das Personal und die Kunden hätten Vibrationen im Fußboden verspürt, wenn der Tresor geöffnet oder geschlossen wurde, und dass Risse in den Decken, den Bädern und im Eingangsbereich zu sehen gewesen seien.

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