Zwei Entführer der „Alakrana“ in Madrid vor Gericht


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Die Piraten verlangen ihre Freilassung bevor sie verhandeln

In weiße Overalls gehüllt und mit Atemmasken bis zu den Augen bedeckt, kamen zwei der Entführer die den spanischen Thunfischfänger Alakrana vor der Küste Somalias am 1. Oktober aufgebracht haben, auf dem Militärflughafen Torrejón de Ardoz an.

Madrid – Die spanische Fregatta Canarias, die im Indischen Ozean patrouilliert, hatte die beiden Piraten 48 Stunden nachdem der baskische Fischfänger entführt worden war, gefangengenommen.

Ein Flugzeug der spanischen Luftwaffe, mit Militärpolizei an Bord, hatte die beiden Männer auf der französischen Militärbasis Yibuti übernommen. Die Piraten, die das spanische Schiff mit 36 Personen Besatzung an Bord in der Gewalt haben, verlangen die Freilassung ihrer beiden „Kollegen“ bevor sie überhaupt in Verhandlungen über die Freigabe der Alakrana eintreten. Sie wiesen mehrfach darauf hin, dass die Verhaftung der beiden den gesamten Prozess verzögern werde.

Nach der Landung in Torrejón war einer von ihnen, der bei der Festnahme durch Schüsse verletzt wurde, in ein Krankenhaus gebracht worden. Der zweite Mann kam in das Gefängnis des Generalkommissariats in Madrid. Beide sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und wurden am Morgen des 13. Oktobers vom Untersuchungsrichter des Nationalgerichtes, Baltazar Garzón vernommen. Ihnen wird Entführung in 36 Fällen (für jedes einzelne Besatzungsmitglied des Schiffes) Raub und Bildung einer illegalen Vereinigung zur Last gelegt.

Der Fall Alakrana wird sich mit Sicherheit länger hinziehen als die Entführung der Playa de Bakio, die im vergangenen Jahr entführt, aber nach der Zahlung von Lösegeld nach sechs Tagen wieder freigelassen wurde.

Die Verhandlungen werden direkt von der Reederei geführt mit Unterstützung des spanischen Botschafters in Kenia und Mitgliedern des Geheimdienstes. Die Alakrana liegt an der Küste in der Nähe der Stadt Haradere vor Anker, die als Bastion der Piraten gilt. Mindestens 13 von ihnen befinden sich an Bord des Schiffes.

Sie haben bereits eine „harte Strafe“ für das Schiff angedroht, das nach ihrer Version in ihren Gewässern gefischt hat. Daher wird davon ausgegangen, dass die Lösegeldforderung erheblich höher ausfallen wird, als seinerzeit bei der Playa de Bakio, denn das Schiff ist wesentlich neuer und hat eine größere Zahl von Besatzungsmitgliedern  – 36 davon 16 Spanier.

Im Fall Playa de Bakio hatte ein Mitglied des Geheimdiens­tes die 1,2 Mio. Dollar überbracht (ca. 810.000 €). Der Reeder, der diese Summe nicht aufbringen konnte, zahlt den Betrag noch immer an die Regierung ab.

Richterliche Vernehmung

Untersuchungsrichter Garzón verhörte den 31-jährigen Raageggesey Hassan, von dem angenommen wird, er sei der Kopf der Gruppe, im Hospital. Dort wird er wegen eines Streifschusses an der Brust behandelt, den er bei der Verhaftung erlitten hat. Er stritt rundweg ab, an der Entführung der Alakrana beteiligt gewesen zu sein.

Bei dem zweiten Verhafteten, dessen Name mit Cabdullahi angegeben wird, musste zunächst eine Osteometrie durchgeführt werden, weil er behauptet hatte, minderjährig zu sein. Eine Röntgenaufnahme seines Handgelenks bewies schließlich eindeutig, dass er mindestens neunzehn Jahre alt ist. Der Richter hält auch nach der Vernehmung seine Anklage wegen 36 Entführungen, Raubüberfalls sowie Bildung einer illegalen Vereinigung aufrecht.




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