Massenschließung von Bankfilialen betrifft vor allem ältere Menschen

Demonstrierende Rentner vor einer Bankfiliale in Murcia am 25. Januar. Die Rentnerver­einigung „Yayoflautas“ will nun am 25. jedes Monats, dem Tag, an dem die Rentenzahlung erfolgt, zu Kundgebungen aufrufen, um kostenlose Girokonten sowie eine persönliche, „humanere“ Beratung zu fordern. Senioren ohne Computerkenntnisse haben bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte immer größere Schwierigkeiten, und die Schließung von Bankfilialen stellt sie vor ein großes Problem. Foto: EFE

Demonstrierende Rentner vor einer Bankfiliale in Murcia am 25. Januar. Die Rentnerver­einigung „Yayoflautas“ will nun am 25. jedes Monats, dem Tag, an dem die Rentenzahlung erfolgt, zu Kundgebungen aufrufen, um kostenlose Girokonten sowie eine persönliche, „humanere“ Beratung zu fordern. Senioren ohne Computerkenntnisse haben bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte immer größere Schwierigkeiten, und die Schließung von Bankfilialen stellt sie vor ein großes Problem. Foto: EFE

In vielen spanischen Ortschaften gibt es inzwischen weder eine Bank noch einen Bankautomaten

Madrid – Das Alter ist ein Handicap, vor allem im Hinblick auf den Umgang mit den neuen Technologien. Angesichts der regelrechten Schließungswelle von Bankfilialen in Spanien bleibt älteren Menschen jedoch kaum mehr eine Wahl, als sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Tun sie das nämlich nicht, sehen sie sich immer größeren Hürden ausgesetzt, um ihren Alltag zu meistern. Eine davon ist die Tatsache, dass es vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in Städten immer weniger bis gar keine Bankfilialen mehr gibt, sodass sich auch Senioren gezwungen sehen, ihre Bankgeschäfte online zu tätigen. Für viele ist das nicht nur ein schier unüberwindbares Hindernis, sondern bedeutet auch einen Verlust von menschlichem Kontakt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es zu großen Problemen bei der Verwaltung ihres Geldes führt. Laut einer jüngst veröffentlichten Umfrage nutzt nur eine von vier Personen über 74 Jahre täglich das Internet. Trotz der Problematik bemühen sich nur wenige lokale und regionale Verwaltungen, die negativen Auswirkungen der massiven Schließung von Bankfilialen abzumildern, unter anderem, indem veranlasst wird, dafür zu sorgen, dass zumindest die Geldautomaten in den Ortschaften belassen werden.

„Wenn ich irgendwann einmal ein Problem habe, möchte ich, dass mir jemand hilft“, erklärte die 73-jährige Guadalupe Bermúdez in diesem Zusammenhang einer spanischen Tageszeitung gegenüber. Sie wohnt in Bellavista, einem Arbeiterviertel mit 9.500 Einwohnern in Les Franqueses del Vallès bei Barcelona, und musste mit ansehen, wie vor weniger als einem Monat die letzte Filiale, und damit auch der letzte Geldautomat, in diesem Viertel verschwand. Vor einigen Jahren gab es in der Nähe der Plaça Espanya noch sechs Banken, deren ehemalige Lokale bis heute immer noch erkennbar sind, da sie keiner anderen gewerblichen Tätigkeit dienen. Allein im Jahr 2021 haben die vier großen Banken (Santander, BBVA, CaixaBank und Sabadell) ihr Filialnetz um 12,93% reduziert.

„Hauptziel der Banken war es dabei, Kosten zu senken, und die Filialen wurden geschlossen, ohne dass die öffentliche Verwaltung auch nur den Versuch unternahm, das zu verhindern“, moniert in diesem Zusammenhang der Direktor des Verbraucherverbandes von Katalonien, Oriol Aroa. Immer wieder geben Bankangestellte hinter vorgehaltener Hand zu, unter Druck gesetzt worden zu sein, um beispielsweise die Verwendung von, vor allem bei älteren Kunden noch weit verbreiteten, Sparbüchern, oder die Zahl der in der Bank zu bedienenden Kunden zu verringern.

Die strengen Sparmaßnahmen führten darüber hinaus dazu, dass auch die Mitarbeiterzahlen reduziert wurden, sodass es in zahlreichen Filialen für die Kunden zu immer längeren Wartezeiten kommt. Es gibt bereits Banken, die, sozusagen als Abschreckungsmaßnahme, Gebühren von bis zu zwei Euro für die Aushändigung von Bargeld eingeführt haben.

Elisabet Ruiz-Dotras, Professorin an der katalanischen Universität UOC und Expertin für Finanzbildung, beklagte diesbezüglich, dass hier „Menschen zurückgelassen werden, die nicht die Absicht haben, digital zu werden und die sich von der wirtschaftlichen Terminologie überfordert fühlen“. „Es geht nicht um eine digitale Kluft, sondern darum, dass sie durch die Digitalisierung vom Finanzsystem ausgeschlossen werden“, erklärte sie wörtlich. Es stimme zwar, dass die Banken privat seien, führte sie weiter aus, „doch wenn die Regierung die Menschen zwingt, ein Girokonto zu haben, um ihre Rente zu erhalten, müssen sie auch einfachen Zugang zu ihrem Geld haben“.

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