Hohe Einkommensungleichheit in Spanien


Laut EU-Kommission gefährdet diese die soziale Integration und nachhaltiges Wachstum

Madrid – Obwohl die spanische Wirtschaft wächst und Arbeitslosigkeit und Armut abnehmen, erhält Spanien wegen der großen Einkommensunterschiede schlechte Noten von der EU-Kommission. In ihrem Ende November veröffentlichten Bericht über die Beschäftigungssituation in der Europäischen Union, der auf der Basis der Daten des Jahres 2016 erarbeitet wurde und 14 soziale Indikatoren vergleicht, landete Spanien auf den letzten Plätzen zusammen mit Bulgarien, Griechenland und Litauen.

Während im europäischen Durchschnitt die 20% der Bevölkerung, die am meisten verdienen, fünfmal so viel erhalten wie die 20%, die am wenigsten verdienen, liegt dieses Verhältnis in Spanien bei sechseinhalbmal so viel. Trotz der Erholung der Wirtschaft habe sich die Einkommensschere nicht wieder auf das Vorkrisenniveau reduziert, ebenso wie bei einem Drittel aller EU-Staaten. Das Fortbestehen relativ großer Einkommensunterschiede, die oft mit Chancenungleichheit beim Zugang zu Schule, Ausbildung und sozialer Absicherung sowie einer ungünstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes einhergehen, geben Anlass zu Besorgnis in Bezug auf Gerechtigkeit, soziale Integration und nachhaltiges Wachstum, heißt es in dem Bericht.

Unter den Ländern, die noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen haben, um zu den Verhältnissen, die vor der Krise herrschten, zurückzukehren, nimmt Spanien einen herausragenden Platz ein. Denn obwohl die Wirtschaft die Vorkrisenwerte wiedererreicht hat, gilt dies nicht für alle in gleicher Weise. In der Betrachtung der vierzehn Sozialindikatoren, die Gegenstand des EU-Berichts sind, wird Spaniens Situation als „kritisch“ eingestuft, was bedeutet, dass die Lage im Land sehr viel schlechter ist als im europäischen Mittel und noch schlechter wird bzw. sich zu langsam bessert.

Armutsrisiko

Was das Armutsrisiko anbetrifft, hat sich Spanien in den letzten Jahren leicht verbessert, bleibt jedoch „unter Beobachtung“. Die Beschäftigungsquote ist immer noch schwach, aber ansteigend. Dennoch bleibt die Zahl der Haushalte, in denen niemand Arbeit hat, mit 14,9% sehr hoch.

Die Kommission wirft der spanischen Regierung zudem geringe Effektivität bei der Bekämpfung der Armut vor. Finanzielle Armut, ohne Berücksichtigung der Renten, ging in Spanien nur um 25% zurück und liegt damit zu dicht bei Ländern wie Griechenland und Bulgarien. Der Abstand zu den nordischen Ländern, die Raten von 50% und mehr erreichen, ist dagegen sehr groß. Auch in diesem Bereich steht Spanien deshalb „unter Beobachtung“.

Im Bericht werden den EU-Ländern verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen, darunter eine bessere Gestaltung des Steuer- und des Sozialhilfe-Systems sowie die Durchsetzung von Chancengleichheit in Schul- und Berufsbildung.

Ein weiteres Problem ist die hohe Schulabbrecher-Quote von 19%, die weit über dem europäischen Durchschnitt von 10,7% liegt, und der Anteil der Jugendlichen, die weder arbeiten noch studieren von fast 15%.

Dagegen ist Spanien in Sachen der Digitalen Kompetenz und der Höhe der Stundenlöhne im mittleren Bereich angesiedelt, und was die Betreuung von Kindern unter drei Jahren angeht, liegt das Land über dem europäischen Durchschnitt.




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