Brüssel verklagt Spanien wegen Doñana


Im Doñana Nationalpark wird eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt erhalten, der durch den Raubbau am Grundwasser der Lebensquell schleichend entzogen wird. Foto: Pixabay

Aus Sicht der EU-Kommission schreitet Spanien nicht angemessen gegen den Wasserraub im Naturschutzgebiet Doñana ein

Madrid/Brüssel – Die EU-Kommission hat angekündigt, Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) anzuklagen, weil der Schutz des Grundwassers, aus dem sich die Landschaften des Naturparks und Weltnaturerbes Doñana speisen, seit Jahren nicht in angemessener Weise gegen die illegale Entnahme von Wasser geschützt wird. Schon im Jahr 2010 hatte die Umweltschutzorganisation WWF in Brüssel Beschwerde eingelegt. Seitdem gab es mehrere Aufforderungen und Verwarnungen, doch angesichts der fortgesetzten Untätigkeit der zuständigen Behörden hat die Kommission nun angekündigt, Klage zu erheben.

Auch die Unesco hat die Lage im Naturpark Doñana angeprangert und prüft, ihn in die Liste der gefährdeten Orte des Weltnaturerbes aufzunehmen.

Doñana, eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Euro­pas, liegt an der Antlantikküste westlich der Mündung des Guadalquivir unweit von Sevilla. Das Ökosystem dieser Feuchtgebiete mit seinem großen Artenreichtum ist ein wichtiges Durchzugsgebiet für die Zugvögel und beherbergt bedrohte Arten wie den Spanischen Kaiseradler und den Pardelluchs. Sein Fortbestand hängt von den Grundwasservorkommen unter dem Park ab. Diese werden jedoch von allen Seiten belastet und angezapft. Im Herzen des Parks gibt es ein touristisches Zentrum namens Matalascañas, außen herum Tausende Hektar mit künstlich bewässerten Erdbeerplantagen. Seit Jahren werden große Wassermengen für die Landwirtschaft und den Tourismus entnommen, und der Grundwasserspiegel ist abgesunken. Wichtige Teile des Naturparks beginnen unter Wassermangel zu leiden, und die Lebensräume der dort beheimateten Tierarten nehmen Schaden. Brüssel warnt davor, dass die Lebensräume noch weiter geschädigt werden könnten, wenn Spanien nicht angemessene Maßnahmen ergreift, um die Feuchtgebiete zu schützen.

Der WWF warnt schon seit über einem Jahrzehnt vor dem Raubbau durch unkontrollierte Wasserentnahme. Nach Schätzungen der Naturschutzorganisation gibt es über 1.000 illegale Brunnen, die das Grundwasser von Doñana anzapfen und 3.000 Hektar an irregulären Anpflanzungen von Erdbeeren und anderen Früchten.

Alle Behörden auf lokaler, regionaler und staatlicher Ebene haben Befugnisse in dieser Angelegenheit, doch erst in den letzten Jahren wurde begonnen, systematisch illegale Brunnen zu schließen. Der unkontrollierte Ressourcenverbrauch und die daraus resultierenden Umweltschäden haben sogar schon dazu geführt, dass einige europäische Handelsketten Produkte aus der Region nicht mehr vertreiben.

Das Ministerium für Ökologischen Übergang zeigte sich besorgt, wenn auch nicht überrascht, über die Anzeige aus Brüssel und verwies darauf, dass im vergangenen Jahr im Naturpark Doñana Tausend Kontrollen durchgeführt und 328 Verfahren wegen Verstößen gegen die Wasserhaushaltsgesetzgebung eingeleitet wurden.




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