Streifzüge – ein Museum erzählt: Inseln mit Stockwerken


Standort: Área 1 – Origen y Naturaleza del Archipielago Canario, Mitte und Ende des 3. Saales

Die geografische Lage am südöstlichen Rand des Azoren-Hochs, der kühlende Kanarenstrom und der Passatwind bestimmen das Klima der Kanarischen Inseln. Ist damit für die beiden niedrigeren Inseln, Lanzarote und Fuerteventura, schon das Wesentliche gesagt, bedingt bei den übrigen, höher in den Himmel ragenden Inseln die Höhe über dem Meer eine weitere Differenzierung in einzelne, wie Stockwerke übereinander liegende Klimazonen. Teneriffa, die höchste Insel, besitzt die meisten Stockwerke, den anderen fehlen, je nach Höhe, die oberen Zonen.

Eine einfache und für den Hausgebrauch nützliche Einteilung der Klimazonen nach ihrer Höhe unterscheidet, ob ein Ort sich unter, in oder über den Wolken befindet. Unterhalb und oberhalb der Wolkenschicht ist die Luft warm und relativ tro­cken; in den Wolken ist sie feucht und kühl. Zumindest an den Nordseiten mit ihrer häufigen Wolkenbildung ist diese Einteilung sinnvoll. An den Südseiten und auf den beiden niedrigen Inseln gibt es keine regelmäßige Bewölkung. Dort gehen die untere und die obere Zone gleitend ineinander über. Deswegen fehlt dort auch ein für unsere Inseln eigentlich typisches Ökosystem: der Lorbeerwald. Als Nebelwald in den Wolken ist er auf die Bedingungen angewiesen, die es nur auf dieser Höhenstufe und nur an den Nordhängen der höheren Inseln gibt.

Den Zusammenhang zwischen den Höhenstufen, dem Klima und den dort vorkommenden Pflanzengesellschaften erkannte und beschrieb als erster Wissenschaftler Alexander von Humboldt anlässlich seines kurzen Besuchs von 1799 auf Teneriffa. Er begründete damit zugleich die Pflanzengeografie als Wissenschaft. Humboldt erkundete vor allem einen Teil der Nordseite der Insel, die „in den Wolken“ gut entwickelte Lorbeerwälder hatte. Darunter und darüber konnte er anhand der Pflanzengesellschaften und Landnutzungsformen jeweils mindestens zwei weitere, also insgesamt fünf bis sechs Stockwerke voneinander unterscheiden, wobei er diesen Begriff noch nicht benutzte. Fünf Diaschauen beschreiben sie in diesem Saal auf jeweils einem eigenen Monitor.

Im halbwüstenartigen untersten Stockwerk mit einem an Nordafrika erinnernden Klima müssen die Pflanzen Trockenheit und starke Sonneneinstrahlung ertragen. Viele Arten sind sukkulent und speichern in Stamm, Wurzel oder Blättern Wasser. Häufig verkleinern sie ihre Sonne und Wind ausgesetzte Oberfläche durch eine halbkugelige Gestalt, kleine und ledrige Blätter oder verzichten ganz auf diese und wachsen säulenförmig. Mehrere charakteristische Wolfsmilcharten (Tabaiba und Cardón) geben dieser Zone ihren Namen: Cardonal-Tabaibal.

Oberhalb von etwa 250 m im Norden und 500 m im Süden beginnt der wärmeliebende Buschwald. Er bevorzugt Mittelmeerklima, weshalb die Menschen ursprünglich bevorzugt in dieser Zone siedelten und ihre Felder anlegten. Dadurch ist dieses eigentlich sehr artenreiche Ökosystem weitgehend verschwunden. Charakterarten sind Kanarische Palme, Drachenbaum und Wacholder.

Lorbeerwälder gibt es nur auf einigen makaronesischen Inseln. Sie sind mehr als zwei Millionen Jahre alte Relikte einer vor den Eiszeiten weit verbreiteten kontinentalen Waldgesellschaft. Solche Relikte sind äußerst selten.

Oberhalb der Lorbeerwaldstufe (im Süden direkt über dem wärmeliebenden Buschwald) schließt sich die Kiefernwaldstufe bis zur Baumgrenze an. Hier sind Bäume gefragt, die mit ihren Wurzeln tief im Boden das Grundwasser erreichen und im Winter der Kälte standhalten – Kiefern eben.

Verschiedene endemische Ginsterarten leben wie auf einer klimatischen Insel im Hochgebirge ab etwa 2000 m Höhe. Immer trocken, im Sommer warm, im Winter kalt, gelegentlich Regen- und Schneestürme. Diese Sträucher sind bestens angepasst und leben bis auf 3000 m Höhe. Darüber, in der obersten Stufe, schaffen es nur wenige Kräuter, vor allem das Teideveilchen und die Teidemargerite. Sie sind die Spezialisten der Subtropen für polares Klima.

(Fortsetzung folgt. Nächstes Thema: Am Rand der Welt)

Michael von Levetzow
Tenerife on Top

Das Museo de la Naturaleza y del Hombre befindet sich in Santa Cruz in der Calle Fuente Morales gegenüber der Kirche Nuestra Señora de la Concepción.

Öffnungszeiten: Di.-Sa. 9.00 – 20.00 Uhr; So., Mo. und Feiertage 10.00 – 17.00 Uhr.

Eintrittspreise: 5 € (Residenten 3 €); Senioren ab 65 Jahre 3,50 € (Residenten 2,50 €); Kinder unter 8 Jahren frei. Freier Eintritt jeden Fr. u. Sa. 16.00 – 20.00 Uhr (falls Feiertag 13.00 – 17.00 Uhr)

Audioguides in deutscher Sprache gibt es an der Kasse.

museosdetenerife.org

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