Streifzüge – ein Museum erzählt: Als der Teide ausbrach


Standort: Área 1 – Origen y Naturaleza del Archipielago Canario, 1. Saal (Mitte)

Hunderte erloschener Vulkankegel gibt es auf jeder der sieben Kanareninseln. Wie viele weitere und ältere Vulkane von ihrer Lava begraben wurden, ist unbekannt. Es dürften Tausende sein. Sie alle sind tot und brechen nicht wieder aus. Alle, bis auf einen, der nur schläft: der Pico del Teide. Unentwegt entströmen seinem Gipfelbereich heiße, schwefelhaltige Dämpfe und zeigen an, dass seine Magmakammer noch nicht vollständig geleert und sein Magma noch heiß ist. Wann und ob er überhaupt noch einmal ausbricht oder irgendwann einmal sanft entschläft, ist Gegenstand der Forschung. Im Gipfelbereich können wir die Schwefelausdünstungen riechen. Eine Rauchfahne, wie wir sie von anderen aktiven Vulkanen kennen, gab es schon vor einem halben Jahrtausend zur Zeit der Eroberer nicht mehr. Aber wenn der Teide bei bestimmten Wetterlagen seine weiße Pudelmütze aufsetzt, obwohl in seiner Umgebung kaum oder keine Wolken zu sehen sind, ist diese Wolke größtenteils auf den Wasserdampf zurückzuführen, den der Berg ausatmet.

Eine große Projektionsfläche beherrscht den oberen Teil in der Mitte des Raumes. Zwei Animationen folgen dort permanent aufeinander. Zunächst wird der Aufbau der Erde bunt und schematisch dargestellt. Im Querschnitt erkennen wir den Erdkern mit dem ihn umgebenden dicken Erdmantel, den nach außen die relativ dünne, feste Erdkruste umgibt. Bei unseren Inseln ist sie ungefähr 5 km dick. Unmittelbar unter der Kruste ist der Erdmantel in seinem äußeren Bereich meistens flüssig, insbesondere an den Stellen, an denen zusätzlich von weiter innen heißes Material emporsteigt. Man bezeichnet sie als Hotspot. Sie können über Jahrmillionen  am selben Platz bleiben und gelegentlich die Erdkruste darüber aufschmelzen. Dabei entsteht noch mehr und sehr heißes Magma. Damit wir diese Vorgänge besser erkennen können, folgt eine Ausschnitts-Vergrößerung der Erdkruste, die hier zugleich der Boden des darüber liegenden 3 – 4 km tiefen Ozeans ist. Wir sehen, wie ein unterseeischer Vulkan wächst, die Meeresoberfläche durchbricht und zu einer gebirgigen Insel wird.

Abrupt endet die farbige Animation und macht einem Schwarz-Weiß-Video Platz. Aus einem Vulkankrater quellen schwarze Rauchwolken, aus denen ständig weiße Partikel regnen. Dieser Vulkan bricht gerade aus und schleudert Material durch die Luft. Um welchen Berg handelt es sich? Im Hintergrund ist er von einem ringförmigen, nicht gerade niedrigen Felsenband eingefasst. Es könnte uns bekannt vorkommen. Tatsächlich handelt es sich um die Steilwände der Cañadas del Teide. Nur der rauchende Berg sieht ganz anders aus, als wir den Pico del Teide kennen. So oder sehr ähnlich hat er vor 1200 Jahren bei seinem letzten Ausbruch ausgesehen. Rechts davon und etwas niedriger erkennen wir einen weiteren breiten Vulkan mit ebenso riesigem Krater. Der benachbarte Pico Viejo hatte damals schon seine aktuelle Gestalt. Der Teide hatte hingegen mit etwa 3.600 m seine größte Höhe noch nicht erreicht. Andererseits war sein damaliger Krater mit etwa 500 m Durchmesser bestimmt imposanter als die heutige 70 m-Schüssel an seinem Gipfel. Sie entstand, als bei den letzten Aktivitäten im großen Krater ein neuer Vulkankegel wuchs, den Kraterrand erreichte und so die alte Öffnung vollkommen verschloss. Zuvor hatte der Ausbruch große Mengen dunkler Lavaströme über den alten Kraterrand befördert. Sie waren kühl und so zäh, dass sie nur selten die Teidebasis erreichten, während wenige Jahrtausende zuvor noch mächtige Lavaströme vom Teide bis zur Nordküste der Insel geflossen waren. Seitdem schläft er.

(Fortsetzung folgt. Nächstes Thema: ähnlich und doch verschieden)

Michael von Levetzow
Tenerife on Top

Das Museo de la Naturaleza y del Hombre befindet sich in Santa Cruz in der Calle Fuente Morales gegenüber der Kirche Nuestra Señora de la Concepción, unterhalb des TEA.

Öffnungszeiten: Di.-Sa. 9.00 – 20.00 Uhr; So., Mo. und Feiertage 10.00 – 17.00 Uhr.

Eintrittspreise: 5 € (Residenten 3 €); Senioren ab 65 Jahre 3,50 € (Residenten 2,50 €); Kinder unter 8 Jahren frei.

Freier Eintritt jeden Fr. u. Sa. 16.00 – 20.00 Uhr (falls Feiertag 13.00 – 17.00 Uhr)

Audioguides in deutscher Sprache gibt es an der Kasse.

museosdetenerife.org




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