Die Kinderarmut macht keine Ferien


Das Sommercamp für Kinder der Kirchengemeinde Nuestra Sra. de los Dolores beinhaltete auch Ausflüge in die Natur

Der Beginn der Sommerferien verschlimmert die Situation Tausender Kinder aus armen Familien, weil ihnen die Schulspeisung nicht mehr zur Verfügung steht und auch die Aktivitäten nicht, die im Laufe des Jahres von den Schulen veranstaltet werden. Nach den jüngsten Erhebungen von UNICEF lebt jedes dritte Kind in relativer Armut. Das bedeutet, dass rund 2,5 Millionen Kinder in dieser Zeit keine gesunde Ernährung erhalten und nicht an Veranstaltungen teilnehmen können, die während der Sommerferien üblich sind. Für die Experten der erste Schritt zur sozialen Ausgrenzung.

Um dem entgegenzuwirken, veranstalten zahlreiche nichtstaatliche Organisationen Sommercamps, Workshops und sportliche Aktivitäten aller Art, bei denen die Kinder auch eine Mahlzeit erhalten. Damit soll Schäden in der Entwicklung der Kinder vorgebeugt werden, die auf die Bedürftigkeit der Familien zurückzuführen sind. „Die Armut während der Kindheit zeichnet den Menschen für den Rest seines Lebens und macht ihn häufig auch zu einem armen Erwachsenen“, erklärte Liliana Marcos, verantwortlich für soziale Forschungen bei der Kinderhilfsorganisation „Save The Children“. Doch bekanntlich gibt es vom spanischen Staat kaum Unterstützung. Soziale Leistungen basieren in der Regel auf den Beiträgen, welche die Bürger geleistet haben, und da sind die Kinder ja bekanntlich außen vor.

Meist liegen die Kompetenzen für soziale Leistungen, bedürftige Kinder betreffend, bei den regionalen Verwaltungen oder den Gemeinden, und da existieren die unterschiedlichsten Entscheidungen und Angebote. Es gibt Städte, die auch während der Ferienzeit die Speisesäle der Schulen öffnen, oder auch Sprachkurse etc. am Vormittag anbieten. Doch die Kinderarmut manifestiert sich nicht nur in einer unzureichenden Ernährung sondern auch in Einsamkeit und fehlender sozialer Interaktion, unter der die Kinder insbesondere während der Ferienzeit leiden.

Schlüsselkinder

Besonders hart sind die vielen Ferienwochen für die sogenannten Schlüsselkinder. Kinder aus Familien, in denen beiden Elternteile arbeiten müssen, um die Familie durchzubringen und für die kein Geld vorhanden ist, um Aktivitäten zu bezahlen. „Schon in frühester Kindheit müssen sie allein zu Hause bleiben, meist ohne eine Person, die sich um sie kümmert. Diese Situation der Isolierung kann bei ihnen Traurigkeit, Wut, aber auch Schuldgefühle hervorrufen, was sich negativ auf ihre Entwicklung auswirkt“, erklärte Carmen Montserrat, Dozentin für Psychologie an der Universität Gerona.

Die Kinder-Hilfsorganisation EDUCO (www.educo.org) bietet für bedürftige Kinder „Becas“, also Stipendien an, mit denen sie an Zeltlagern mit zahlreichen Aktivitäten teilnehmen können, und selbstverständlich auch eine ordentliche Ernährung erhalten.

Mehr als 5.000 Kinder haben im letzten Jahr davon profitiert, und die Zahl soll in diesem Jahr noch zunehmen. Auch „Save The Children“ hat Plätze in Sommercamps zur Verfügung gestellt.

Das ist natürlich ein Tropfen auf einen heißen Stein, denn nach öffentlichen Angaben tragen mehr als 580.000 Kinder und Minderjährige den besagten Schlüssel ihrer Wohnung um den Hals, denn auch während der Ferien kann sich niemand um sie kümmern.

Auch hier auf der Insel gibt es diverse Privatinitiativen, die Beschäftigung für Kinder organisieren, die ihre Ferien „zu Hause“ verbringen müssen. So die Caritasgruppe der Kirchengemeinde Nuestra Sra. de los Dolores in Puerto de la Cruz, die jedes Jahr ein „Campamento“ für bedürftige Kinder in ihrem Stadtteil organisiert, welche von freiwilligen Helfern – auch Studenten – betreut, beschäftigt und natürlich auch beköstigt werden. Seit Jahren haben wir diese Initiative unterstützt und auch in diesem Jahr wieder 1.500 Euro zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank an Frau Johanna Schreier und Frau Waltraud Weber, die großzügige Beträge auf unser Spendenkonto überwiesen haben, und an unsere Paten, die uns regelmäßig unterstützen.

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