„Die Armut in der Bevölkerung ist unverändert“ – Die Caritas veröffentlicht ihren Jahresbericht


Der Bischof der Kanaren, Francisco Cases, monierte, das Wirtschaftswachstum komme der kanarischen Bevölkerung nicht zugute. Foto: EFE

„Mag sein, dass ein Wachstum der Wirtschaft existiert, doch es hat keine Auswirkung auf die kanarische Bevölkerung gezeigt“, so beginnt der Rechenschaftsbericht der Caritas der Kanaren, der kürzlich von der Generalsekretärin der Institution, Caya Suárez und dem Bischof der Kanaren, Francisco Cases, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Beide stimmten in der Feststellung überein, das Bedauerliche an diesen Daten sei, dass sie sich nicht geändert haben. Vielmehr hätte sich die Armut strukturell und generationenübergreifend auf den Inseln ausgebreitet, weil es an politischen Maßnahmen fehle, um sie zu bekämpfen.

Trotz des immer wieder vollmundig propagierten Wirtschaftswachstums mussten allein in der Inselhauptstadt Las Palmas im vergangenen Jahr über 10.000 Familien direkt von der Caritas betreut werden. In den meisten Fällen, weil alle Mitglieder arbeitslos waren, keinerlei Einkommen vorhanden war und insbesondere Kinder unter der Armut litten.

„Diese Situation wird sich weiter fortsetzen, wenn sich die Sozialpolitik nicht ändert, wenn nicht endlich das im Grundgesetz verankerte Recht auf eine menschenwürdige Wohnung und auf einen Arbeitsplatz gewährleistet ist“, erklärte Caya Suárez und wies darauf hin, dass Caritas 2016 in Las Palmas 1.320 obdachlose Personen betreut hat.

Bischof Cases freute sich darüber, dass Caritas, eine Einrichtung, die der Kirche angehört, die Aufmerksamkeit und Solidarität von gläubigen und nicht gläubigen Personen gewinnen konnte und große Unterstützung erfahren hat. Der Kirchenmann konnte seine Emotion nicht verbergen, als er darüber sprach, dass die offizielle Unterstützung, welche Caritas Las Palmas von lokalen, regionalen und nationalen Verwaltungen erhalten hat, sich in den vergangenen zehn Jahren um (lächerliche) ein Prozent erhöht hat. Dagegen haben sich die Spenden von Privatpersonen und Firmen trotz der schweren Wirtschaftskrise, von der die Kanaren erschüttert wurden, mehr als verdreifacht.

Zwar sei die Zahl der Mitglieder und damit der Beiträge und Spenden von Privatpersonen geringfügig zurückgegangen, doch die, welche von Unternehmen eingegangen sind, hätten erfreulicherweise zugenommen. Auch die Kollekten in den Kirchen, die nach der Einführung des Euros zunächst rückläufig waren, hätten trotz der Krise eine ansteigende Tendenz.

Bischof Cases beklagte den Individualismus, der inzwischen weltweit herrsche und ein schwerwiegendes soziales Problem sei, eine Kompromisslosigkeit, die Familien zerstöre und die in vielerlei Kreisen und auch in der Politik zu finden sei.

Nach den Angaben von Caya Suárez sind sechs von zehn Personen, die bei der Caritas in Las Palmas um Hilfe bitten, Frauen. Acht von zehn hätten keinen Schulabschluss, jede vierte sei Ausländerin und die Mehrzahl zwischen 40 und 59 Jahre alt.

200 Personen schlafen auf der Straße

Augusto Hidalgo, der Bürgermeister von Las Palmas, musste jetzt einräumen, dass in seiner Stadt mehr als 200 Personen auf der Straße schlafen. Bewohner einiger Stadtbezirke hatten sich darüber beklagt, dass die Eingänge bestimmter Gebäude Zufluchts- und Schlafstätte für Obdachlose geworden seien, und fordern Maßnahmen. Der Bürgermeister hat versichert, dass die Stadtverwaltung an Plänen für ein Obdachlosenzentrum arbeite, und er hoffe, dass hier bald Abhilfe geschaffen werde. Geplant ist nach seinen Worten, das Zentrum in der Zone von Manuel Becerra zu errichten, wo dann die Versorgung dieser Personen garantiert werden könne. Allerdings geben es sehr schwierige Fälle, Menschen die man nicht von der Straße holen könne, Stadtstreicher die drogen- und/oder alkoholabhängig seien und unter schweren psychischen Störungen leiden. Hier habe eine Kommune keine Möglichkeiten, diesen Menschen zu helfen, vielmehr seien staatliche Stellen dafür zuständig. Das Sozialamt von Las Palmas verfüge jedoch über eine Liste dieses Personenkreises, und Sozialhelfer stünden mit den meisten von ihnen in Kontakt, versicherte der Bürgermeister.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dieter Wagner und an Nora und Norbert, die uns wieder mit einer Spende bedacht haben und an Christina Heidbrook, die eine Patenschaft übernommen hat und uns mit monatlichen Beiträgen unterstützt.

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