37 Jahre im Dienst der bedürftigen Menschen


Die Engel von San Vicente de Paul: Matilde Guadalupe Sánchez (4. v. li.) ist die gute Seele der Hilfseinrichtung.

„Die Engel von San Vicente de Paul“ ist der Titel eines Berichts, der kürzlich in einer hiesigen Zeitung erschienen ist, und von den freiwilligen Helfern berichtet, die sich seit 37 Jahren um obdachlose und bedürftige Menschen in La Laguna und Santa Cruz kümmern. Die Gruppe, die vorwiegend aus Frauen besteht, unterhält in einem alten Gebäude in der Calle Nava y Grimón in La Laguna, das ihr vom bischöflichen Amt zur Verfügung gestellt wurde, einen Speisesaal und eine Ausgabestelle für Lebensmittel.

Über unsere Aktion „Aus Geben wächst Segen“ unterstützen wir seit Jahren diese Einrichtung, die sich vorwiegend aus Spenden finanziert. Täglich werden in dem kleinen Speiseraum rund 80 Essen ausgegeben, manchmal sind es auch 120, erklärt die Leiterin, und alle zwei Wochen erhalten etwa hundert bedürftige Familien einen Einkaufsbeutel mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln.

Matilde Guadalupe Sánchez ist die gute Seele der Hilfsstelle im Zentrum von La Laguna. Wir haben sie kürzlich dort besucht, um ihr einen Scheck zu überreichen, denn nach den langen Sommerferien laufen die Lebensmittelspenden von Firmen und die Zuwendungen der öffentlichen Stellen sehr schleppend an, und so fehlt es wieder an allen Ecken und Enden.

„Es geht ja nicht nur um die Zutaten für das Essen, das wir täglich zubereiten und die Lebensmittelpakete, die wir ausgeben. Es kommen auch obdachlose Menschen zu uns, die auf der Straße schlafen und um eine Decke bitten, um sich zuzudecken, oder um Unterwäsche, und Jugendliche, die schon Löcher in ihren Turnschuhen haben, aber kein Geld um sich neue zu kaufen. Dann nehme ich von dem gespendeten Geld, gehe in das nächste Geschäft und kaufe, was dringend benötigt wird“, erklärt Matilde mit Nachdruck.

Mütter mit Babys sprechen ebenfalls im Zentrum vor, die kein Geld für Windeln und für Babynahrung haben. „Auch da helfen wir so gut wir können, denn mit einer warmen Suppe ist es ja nicht getan“, bekräftigt Matilde lachend. Und Menschen, die kein Geld für dringende Medizin oder eine Busfahrkarte haben, werde nach Möglichkeit geholfen.

Auf die obligatorische Frage, ob sich denn der allseits propagierte Aufschwung der kanarischen Wirtschaft bei „ihren Kunden“ bemerkbar gemacht habe, hat Matilde nur ein müdes Lächeln. „Viele der Menschen, die bei uns um Hilfe bitten, die regelmäßig ein warmes Essen einnehmen oder auch für kranke Angehörige mit nach Hause nehmen, die ihr Lebensmittelpaket abholen, sind alte Leute, die von einer kleinen Rente oder einer Sozialhilfe überleben müssen … und diese Zahlungen, das wissen Sie sicher selbst, wurden bislang noch nicht angehoben“, erklärt sie verwundert. Den Scheck über 2.500 Euro, den wir für ihre Gruppe mitgebracht haben, nahm sie mit großer Freude und der Bemerkung entgegen, der bringe sie bestimmt ein gutes Stück weiter.

Sie zeigte auf die dunklen Flecken an den Wänden und der Decke, die von der Feuchtigkeit in dem alten Gemäuer zeugen. „In den nächsten Wochen werden mehrere Freiwillige Hand anlegen und dem Raum wieder ein freundliches Aussehen geben“, freut sich Matilde.

San Vicente Paul ist eine weltweit agierende Institution humanitären und sozialen Charakters. Sie ist in 150 Ländern der Erde vertreten, hat 800.000 Mitglieder und mehr 1,5 Mil­lionen freiwillige Helfer, die sich um benachteiligte Menschen, insbesondere auch in lateinamerikanischen Ländern, kümmern.

Heute haben wir die Sammelbüchse geöffnet, die in unserem Redaktionsbüro stand und in die unsere Besucher immer wieder Münzen, aber auch Geldscheine gesteckt haben. Die Ausbeute war überraschend: 295,50 Euro kamen zutage, die wir inzwischen auf unser Spendenkonto eingezahlt haben.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei all den lieben Leuten, die mitgeholfen haben, die­se Spardose zu füllen.

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