Rückblick: Ausgabe vom 22. Januar 1988


Foto: WB

Wer sich heutzutage über die Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit der spanischen Post ärgert, den wird es vielleicht ein wenig trösten, dass es früher, als die Post noch ein hundertprozentiges staatliches Unternehmen war, bevor eine Privatisierung des Zustellmarktes erfolgte, auf keinen Fall besser gewesen ist. Schon vor dreißig Jahren gab es ständig Klagen über den schlechten Service von „Correos“, und so war eine der wichtigsten Meldungen im Januar 1988, dass in den spanischen Postämtern rund 40 Millionen nicht abgefertigte Sendungen lagern. Eine unglaubliche Zahl, die bereits die Gewerkschaften auf den Plan gerufen hatte. Denen ging es allerdings weniger um verärgerte Postkunden, als um die Postangestellten, von denen schon damals viele mit Teilzeitverträgen arbeiteten und wenn diese ausliefen, nicht rechtzeitig für „Nachschub“ gesorgt wurde, sodass den Angestellten unzumutbare Mehrarbeit aufgebürdet wurde und bei den Postzentren geradezu chaotische Zustände herrschten.

In unserer Ausgabe vom 22. Januar 1988 berichteten wir darüber, wie die spanische Post der chaotischen Zustände in ihren Postämtern Herr zu werden versuchte, indem sie Briefsendungen bevorzugt bearbeitete und Drucksachen zurückließ, was verständlicherweise heftige Proteste bei den Unternehmen auslöste. Der Engpass war zu dieser Zeit so groß, dass beispielsweise Express-Sendungen wie normale Briefsendungen ausgetragen wurden. Gleichzeitig kam man mit der Ausbildung des Nachwuchses nicht nach. 1.400 Aushilfsarbeiter erhielten eine Schulung, um 2.040 Zeitarbeiter zu ersetzen, die zum Jahresende ausgeschieden waren.

Die Nachricht: In den spanischen Postämtern warten 40 Millionen Sendungen auf Abfertigung

Trotz der von der spanischen Post getroffenen Maßnahmen erhöht sich in den Postämtern die Zahl der nicht abgefertigten Postsendungen täglich, und die Zustände werden immer chaotischer. Ein Sprecher der Gewerkschaft schätzte die Zahl der nicht abgefertigten Postsendungen am 10. Januar 1988 auf etwa vierzig Millionen und drohte mit einer Mobilisierung der Postangestellten.

Obwohl der Generaldirektor der Post die Meinung vertritt, dass die Situation längst nicht so schlimm ist, wie behauptet wird, sondern ebenso wie um die Weihnachtszeit der Vorjahre, hat es noch niemals so lange Verzögerungen und Probleme gegeben, wie augenblicklich. Von der Postverwaltung verlautete vor einigen Tagen, dass man umgehend Maßnahmen einleiten werde, um die Mitarbeiterzahl, die sich zum Jahresende um 2.000 verringert hatte, wieder auf den normalen Stand zu bringen, um die Rückstände so schnell wie möglich aufzuarbeiten, die durch den extrem erhöhten Postverkehr während der Weihnachtszeit entstanden sind.

Viele geplagte Postkunden haben also noch die Hoffnung, recht bald in den Besitz ihrer Weihnachtspost zu kommen. Außerdem ist eine Umstrukturierung des Postdienstes geplant.




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