Rückblick: Ausgabe vom 19. Februar 1988


Foto: WB

Die wichtigste Nachricht vor 30 Jahren

Während die baskische Terrororganisation ETA heutzutage als aufgelöst gilt und viele Terroristen in den Gefängnissen ihre Strafen absitzen, befand sich Spanien vor 30 Jahren ständig unter der Bedrohung von Anschlägen. So berichtet das Wochenblatt in dieser Ausgabe darüber, dass die französische Regierung ganze Lastwagenladungen mit Waffen, Beweismitteln und sonstigem Material an Spanien überstellt hat, die seinerzeit von ETA-Mitgliedern, die sich auch im französischen Baskenland bewegt hatten, beschlagnahmt wurden. Ende der Achtzigerjahre wurden mit diesen Waffen die Menschen bedroht, und immer wieder wurde über schreckliche Anschläge mit Toten und Verletzten berichtet. In unserer Ausgabe vom 19. Februar 1988 ging es um Waffenstillstands-Verhandlungen, welche ETA in einer offiziellen Mitteilung angeboten hatte. Die sozialistische Regierung unter Felipe González, die damals am Ruder war, wollte unter bestimmten Bedingungen verhandeln, während die konservative Opposition jegliche Kontaktaufnahme mit den Terroristen strikt ablehnte.

In unserer Ausgabe vom 19. Februar 1988 berichteten wir über die heftigen Diskussionen, welche das Angebot der ETA unter den politischen Gruppen ausgelöst hatte. Während es der Regierung darum ging, den blutigen Anschlägen ein Ende zu bereiten, vertrat Alianza Popular, die Vorgängerin der heutigen Partido Popular, die Meinung, mit einer kriminellen Gruppe könne man nicht über einen Waffenstillstand verhandeln.

Die Nachricht: Die Regierung fordert Garantien für den Waffenstillstand

In einem Gespräch mit der französischen Zeitung Le Monde hat Felipe González das Kommuniqué der ETA-Terroristen, in dem sie der Regierung einen zweimonatigen Waffenstillstand vorschlugen, wenn Kontakte Regierung-ETA in Algier aufgenommen würden, als unannehmbar und dumm bezeichnet. Allerdings sieht er dieses Angebot der Terroristen auch als einen Schritt vorwärts. Er erinnerte jedoch auch daran, dass am selben Tag, als das Kommuniqué veröffentlicht wurde, wieder ein Attentat stattgefunden hat. Er wies erneut darauf hin, dass es keine Gnade für Terroristen geben könne, die eine Bluttat begangen haben. Während González erklärt, dass keine Verhandlungen eingeleitet werden, solange es Attentate gibt, stellt sich der Vertreter der baskischen Partei, Herri Batasuna, die den Terroristen nahesteht, auf den Standpunkt, dass es deutlich genug im Kommuniqué ausgedrückt sei: Die Attentate werden eingestellt, wenn die Verhandlungen begonnen haben. Der Vorsitzende von Herri Batasuna kündigte gleichzeitig an, dass die Kontakte zwischen der Regierung und der ETA Anfang März stattfinden sollen. Er drückte sein Erstaunen über die Empörung aus, welche die jüngste Verlautbarung der ETA hervorgerufen hat, in der es hieß: „Weiterhin sind alle Fronten offen“. Diese Erklärung sei notwendig, weil die Regierung den Eindruck erwecken will, der Waffenstillstand habe schon begonnen, was gar nicht der Fall ist. So können sie jede Aktion der ETA als böswillig und hinterlistig hinstellen.

 




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