Wendeltreppe in die Ewigkeit


© Moisés Pérez

Zum 30. Gedenktag der Flugzeugkatastrophe von Teneriffa wird den Opfern ein Denkmal gesetzt

Am 27. März jährt sich die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa zum 30. Mal. An diesem Tag des Jahres 1977 stießen auf dem Flughafen Los Rodeos im Norden der Insel zwei Jumbos zusammen. 583 Menschen starben bei diesem fürchterlichen Unglück.

Genau 30 Jahre nach der schlimmsten Flugzeugkatastrophe aller Zeiten wird auf Teneriffa eine Gedenkveranstaltung stattfinden, bei der auch Jan Groenewoud anwesend sein wird. Der 50-jährige Holländer verlor sieben Angehörige bei dem verheerenden Flugzeugzusammenstoß, darunter seine Eltern und seine beiden Schwestern. Jan Groenewoud hat sein Leben nach der Katastrophe wieder in den Griff bekommen, und dennoch belastet ihn das Unglück bis heute. Aus diesem Grund gründete er die Angehörigen-Stiftung, deren Vorsitzender er ist und die den Opfern am 27. März 2007 in La Laguna ein Denkmal setzen wird.

Im Gebiet La Mesa Mota wird eine 18 Meter hohe Stahlsäule in Form einer Wendeltreppe als Symbol der Ewigkeit in Zukunft an die 583 Todesopfer der Flugzeugkatastrophe erinnern. Das Denkmal wurde von dem niederländischen Künstler Rudi van de Wint geschaffen, der im Mai letzten Jahres verstarb. De Wendeltrap wurde dem Cabildo von Teneriffa von den Angehörigen gestiftet. Das Grundstück für das Denkmal stellte die Stadt La Laguna zur Verfügung. Die riesige Skulptur kam Anfang März auf Teneriffa an und wurde per Sattelschlepper nach La Laguna transportiert.

Einladung an die Angehörigen

Zu der Gedenkveranstaltung am 27. März werden Angehörige der Opfer aus den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und Spanien erwartet. Die Stiftung hat über einen niederländischen Reiseveranstalter Sonderkonditionen für die Reise ausgehandelt. Einladungen an den niederländischen Ministerpräsidenten Balkenende und den spanischen Regierungschef Zapatero sind ebenfalls ergangen. Ob die Staatschefs persönlich an der Gedenkfeier teilnehmen werden, wurde bislang nicht bestätigt. Vor der offiziellen Enthüllung des Denkmals ist im Auditorium in Santa Cruz eine Gedenkfeier vorgesehen.

Jan Groenewoud, der auf Teneriffa an der Organisation der Veranstaltung arbeitet, gründete die Angehörigen-Stiftung im Jahr 2002 – 25 Jahre nach der Katastrophe – mit dem Ziel, Angehörigen Beistand und Hilfe zu leisten. Trotz seines Schicksals weiß Groenewoud nur Gutes über Teneriffa zu berichten. Die hiesigen Behörden hätten von Anfang an die Idee eines Denkmals für die Opfer unterstützt und entscheidend zur Verwirklichung beigetragen. Dass seine Eltern vor 30 Jahren zusammen mit seinen Schwestern, einem Schwager und zwei Neffen ihren Urlaub auf Teneriffa verbringen wollten, kann er gut verstehen. Natürlich war der erste Landeanflug auf Los Rodeos eine harte Prüfung für ihn.

(Die Redaktion möchte sich an dieser Stelle für die Fehlinformation in Ausgabe 33 entschuldigen, in der zu lesen war, dass das Kunstwerk von Jacqueline van Koningsbruggen geschaffen wurde. d. Red.)

Was passierte am 27. März 1977?

Die Flugzeugkatastrophe auf Teneriffa

Die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa auf dem Flughafen Los Rodeos ist bis heute das schwerste Unglück der zivilen Luftfahrt. Am Sonntag, dem 27. März 1977 kollidierten um 17.06 Uhr Ortszeit zwei Jumbos, eine Boeing 747 der PanAm aus Los Angeles und eine Boeing 747 der KLM aus Amsterdam. 583 Menschen – darunter alle Passagiere und Besatzungsmitglieder der KLM-Maschine – kamen bei dem verheerenden Zusammenstoß, der auf schlechte Sichtverhältnisse wegen Nebels, Kommunikationsprobleme und Pilotenfehler zurückgeführt wurde, ums Leben. 61 Passagiere der PanAm-Maschine überlebten den Albtraum.

Beide Flugzeuge sollten eigentlich auf Gran Canaria landen, wurden aber aufgrund einer Bombendrohung auf dem dortigen Flughafen nach Teneriffa umgeleitet.

Das Unglück geschah auf der Startbahn in Los Rodeos. Nach mehrstündiger Wartezeit und nachdem der Flughafen auf Gran Canaria wieder geöffnet worden war, bat der Kapitän der KLM-Maschine den Tower um Startfreigabe. Gleichzeitig rollte die PanAm-Maschine auf der Startbahn zu einer ihr zugeteilten Parkposition, die sie aber wegen des Nebels verfehlte und auf der Startbahn zum stehen kam. Zu diesem Zeitpunkt kam es auf der Funkfrequenz zu einem Überlagerungseffekt, als der Tower die Startfreigabe verweigerte, der KLM-Kapitän jedoch eine Starterlaubnis interpretierte. Er beschleunigte die Maschine. Das Flugzeug war kurz vor dem Abheben, als es mit dem PanAm-Jumbo bei einer Geschwindigkeit von über 250 km/h kollidierte. Die KLM war in Los Rodeos noch vollgetankt worden, so dass es umgehend zu einer riesigen Explosion kam. Das Flugzeug brannte komplett aus.

Aus den Flugunfalluntersuchungsberichten ging später hervor, dass keinem der Verantwortlichen im Tower und auch in den beiden Maschinen eine eindeutige Hauptschuld an der Katastrophe zuzuweisen war. Alle Beteiligten begingen schwerwiegende Fehler. Die Amerikaner sahen in dem Kapitän der KLM-Maschine den Hauptschuldigen.





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