Zwei Engel zwischen Himmel und Hölle


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Ein verbrannter und ein himmelwärts strebender Engel erwarten die Skulpturenparkbesucher am Tag der offenen Tür

Der eine kniet im Höllenfeuer mit verkohltem Körper und abgebrannten Flügeln: Ein Seraph. Sein Schöpfer Alexey Shvarkov aus St. Petersburg gab seiner Skulptur den beziehungsreichen Titel „The day after“.

Der andere strebt mit leichten Flügeln heiter gen Himmel. Seine Schöpferin Rani Sasson hatte die Idee in Tel Aviv. Unterschiedlicher konnte das Thema nicht angegangen werden. Dabei haben die beiden Künstler, ohne sich je getroffen zu haben, vieles gemeinsam. Beide sind mit der Politik ihrer Heimatländer unzufrieden, haben sogar dagegen demonstriert. Mutig und gefährlich für einen Russen; die Israelin hatte den Wehrdienst verweigert, musste dafür 2 Monate ins Gefängnis und kann in Zukunft keine staatliche Anstellung mehr bekommen. Beide beneiden die Deutschen um ihre freiheitliche Demokratie, die sie so nicht haben. Und beide konnten als Stipendiaten der Gernot Huber-Stiftung ihre Ideen im Skulpturenpark „Finca Los Cardones“ in San Isidro auf Teneriffa im Jahr 2012 verwirklichen. Begleitet wurden ihre Arbeiten von Ina und Gernot Huber. Nicht nur technische Hilfe war gefordert. Depressive Gedanken begleiteten die beiden Stipendiaten während ihrer Arbeit auf Teneriffa: In Russland besteht die Gefahr, dass Demonstranten im Arbeitslager landen, in Israel und Palästina begann gerade zur Zeit der Erschaffung des israelischen Friedens-Engels  ein Raketenaustausch mit vielen Opfern zu einem neuen Krieg auszuarten.

Doch wie kam es dazu, dass bei allen Gemeinsamkeiten der Künstler der eine Engel verbrannt zu Boden sinkt, der andere heiter in den Himmel strebt? Die Stipendieneltern versuchten das in vielen interessanten Gesprächen herauszufinden. Sie mussten lernen, dass sie aus den Medien, besonders über Israel, viel  zu einseitig über die wahre Befindlichkeit der Bevölkerung informiert werden. Auch über russische Widerstände hört man nur, wenn gerade prominente Regimegegner im Gefängnis verschwinden. Sicher haben die unterschiedlichen Charaktere der beiden Künstler  etwas mit ihren unterschiedlichen Auffassungen zu tun. Das allein aber kann es nicht sein. Bei dem Russen kommt vielleicht die “russische Seele“ mit ins Spiel, in Israel ist der latente Krieg wohl nur mit dem Faktor Hoffnung zu ertragen, daher der aufstrebende Friedensengel.

 Kunst kann also durchaus etwas mit aktueller Politik zu tun haben, wovon sich die Besucher des Parks am bevorstehenden Sonntag der offenen Tür am 3. Februar überzeugen können. Dafür aber, dass dabei das Sichwohlfühlen nicht zu kurz kommt, sorgte Mutter Natur mit dem großen Regen im November, der für üppig blühenden Berglavendel zwischen den inzwischen auf fast 100 Kunstwerke angewachsenen Sammlung mit dem herrlichen Blick auf Teide und Atlantik sorgte. Interessant dabei zu entdecken, wie sich die Kunst in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat.

 

Anfahrt über Südautobahn Ausfahrt 22 San Isidro in Richtung Granadilla. Am Ortsende bei km 5,2 links Privatweg bei einem weißen Stein. Geöffnet am Sonntag, dem 3. Februar von 14 bis 18 Uhr sowie für Gruppen nach Vereinbarung per Telefon 922 772331.

Infos und Anfahrtsplan unter www.gernot-huber-stiftung.de.

Die Stiftung erbittet eine Spende für den künstlerischen Nachwuchs von 10 Euro. Jugendliche frei.




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