Zerolos Schachzug schlägt hohe Wellen


© Ayto. SC

Opposition uneins über Regierungsbeitritt

In Teneriffas Hauptstadt ist der Teufel los. Seit Bürgermeis­ter Miguel Zerolo in einer Ratssitzung am 13. Januar für alle Anwesenden völlig überraschend der Opposition den Eintritt in die Stadtverwaltung bzw. ganz offen eine Allparteienregierung anbot, herrscht helle Aufregung und es dreht sich alles nur noch um den jüngsten „Streich“ des Bürgermeisters.

Was Zerolo (offiziell) erreichen wollte, nämlich dass alle Parteien gemeinsam die immer akuter werdende Krise (in Santa Cruz sind mittlerweile fast 19.000 Bürger arbeitslos) bekämpfen, scheint momentan zweitrangig. Zerolo dachte, dass alle Parteien der Opposition sein Angebot annehmen und in die Regierung, die bislang von seiner Partei Coalición Canaria (CC) in Koalition mit Partido Popular (PP) gebildet wird, miteinsteigen würden. Gleichzeitig rechnete sich Zerolo wohl aus, dass der amtierende Vizebürger-meister Ángel Llanos (PP), der ihm immer wieder die Show stiehlt, den Koalitionspakt brechen würde. Weit gefehlt. Llanos hat es vorgezogen, Zerolos Schachzug als „großzügige Geste“ zu bezeichnen, wenngleich er eine Allparteienregierung nicht wirklich begrüßt. Trotzdem versicherte er, dass ein Koalitionsbruch keine Option sei.

Die drei Parteien der Opposition haben ganz unterschiedlich auf den Vorschlag des Bürgermeisters reagiert. Ignacio Gonález von Centro Canario Nacionalista (CCN) war der erste, der Zerolo sein Ja gab. Nach einem Treffen mit Zerolo teilte er mit: „Er hat unsere Zustimmung, wenn es gut für Santa Cruz ist.“ Etwas mehr zierte sich Guillermo Guigou von Ciudadanos de Santa Cruz (CSC), der zwar noch nicht offiziell zugesagt, jedoch schon Bereitschaft signalisiert hat. „Es ist ein großzügiges Angebot, ohne weiteren Hintergrund“, sagte er. Die Sozialis­ten (PSC) hingegen weigern sich strikt, in eine Regierung mit CC und PP einzutreten. Ein privates Abendessen von Zerolo mit dem Lokalsekretär der Sozialisten, José Manuel Corrales, sorgte in dessen Reihen für Entrüstung. PSC-Sprecherin Gloria Rivero, die nichts von diesem Treffen wusste, war empört. Corrales selbst rechtfertigte sich: „Es war ein informelles Treffen und ich habe Zerolo mitgeteilt, dass wir nicht in die Regierung einsteigen.“

Allmählich scheinen sich die Wogen zu glätten. Zerolo will eine weitere Woche abwarten und die Angelegenheit dann abschließen. Den Sozia-listen will er aber weiterhin die Tür offenhalten.




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