Wie gefährlich kann die jetzige Finanzkrise für die Anleger werden?


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Interview mit dem Wochenblatt

Wochenblatt sprach mit dem Vermögensverwalter Johannes Führ und dem Bankier von La Roche & Co, Dr. Urs Gloor aus Basel.

Wochenblatt: Herr Führ, lassen Sie uns mit einer Bestandsaufnahme beginnen. In welchem Zustand ist die Weltwirtschaft zu Beginn des Jahres 2008?

J. Führ: Auf der einen Seite haben wir eine sehr hohe Inflation, Zinsen, die viel zu niedrig sind, um diese zu bekämpfen und eine Krise in der Finanzbranche, deren Ausmaße viel größer sind als von der Öffentlichkeit bisher wahrgenommen. Die Öffentlichkeit geht davon aus, dass es sich um eine US-amerikanische Immobilien- und Hypothekenkrise handele, bei der schlechte Schuldner die gestiegenen Zinsen nicht mehr bezahlen können und dadurch die Banken Abschreibungen hinnehmen müssen. Dieses Bild ist in dieser Form jedoch falsch, denn das Platzen der amerikanischen Häuserkrise war nur der Auslöser der heutigen Bankenkrise. Die jetzt bekannt gegebenen Milliardenverluste der Großbanken resultieren nämlich aus dem Zusammenbruch von strukturierten Produkten und der Tatsache, dass die Kreditvergabe unter den Banken zum Erliegen gekommen ist, weil keine Bank der anderen mehr traut. Daher befinden wir uns zur Zeit in der größten Bankenkrise seit den 30iger Jahren.

Auf der anderen Seite wachsen die Volkswirtschaften aus den früheren Emerging Markets wie China, Indien, Russland, oder die arabischen Länder. Hier sind die Wachstumsraten weiterhin ungebremst.

Wochenblatt: Und was bedeutet das für Anleger?

J. Führ: Für Investoren ist dieses Umfeld nicht allzu erfreulich. Anleger müssen sich darüber im Klaren sein, dass eine Rendite über dem Geldmarktsatz nur mit einem hohen Risiko und einer sehr hohen Volatiliät zu erzielen ist.

Wochenblatt: Die große Frage im Börsenjahr 2008 ist, in welche Richtung sich die amerikanische Wirtschaft entwickeln wird. Wie schätzen Sie die Lage ein – wird es in den USA eine Rezession geben?

Dr. U. Gloor: Einzelne US-Bundesstaaten befinden sich bereits in einer Rezession, wie Kalifornien und Florida. Der von den Pessimisten heraufbeschworene große Zusammenbruch der US-Wirtschaft wird unseres Erachtens ausbleiben, eine Rezession scheint jedoch leider unausweichlich, wobei diese voraussichtlich nicht allzu lange anhalten wird. Entscheidend dazu beitragen werden die Schwellenländer mit ihrem enormen Wirtschaftswachstum, aber auch das FED, welches die Leitzinsen weiter senken wird.

Wochenblatt: Sie scheinen der wirtschaftlichen Kraft der Schwellenländer ja einiges zuzutrauen.

Dr. U. Gloor: Was wir momentan erleben, ist eine deutliche Machtverschiebung zuguns­ten der aufstrebenden Volkswirtschaften wie beispielsweise China oder Indien, während die westlichen Staaten, und hier speziell die USA zunehmend an Einfluss verlieren. Man kann sogar sagen, dass der Begriff Schwellenländer nicht mehr überall zutreffend ist. Einige dieser Länder stehen nicht mehr auf der Schwelle, sie haben sie bereits überschritten.

Wochenblatt: Das birgt Chancen für Anleger…

Dr. U. Gloor: Natürlich. Zu den vielversprechendsten Werten gehören die, die von diesem Trend profitieren. Das können sowohl Titel westlicher Unternehmen sein, die auf den dortigen Märkten aktiv sind als auch breit abgestützte Schwellenländer-Investments (z.B. Anlagefonds). Die Unterschiede der verschiedenen Staaten sind jedoch größer als ihre Gemeinsamkeiten. Diese spiegeln sich auch im Bewertungsniveau ihrer Indizes wider. Eine ausgewogene Diversifikation auf Länder- und Sektorebene ist für den Anlageerfolg letztlich entscheidend.

Wochenblatt: Für welche Sektoren sind Sie 2008 optimis­tisch?

Dr. U. Gloor: Gute Aussichten haben nach der scharfen Korrektur im Monat Januar und aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage und attraktiven Bewertung die Branchen Energie und Rohstoffe (inklusive Agrargüter). Aber auch das Gesundheitswesen und der nicht-zyklische Konsumgütersektor (Güter des täglichen Bedarfs) sind aufgrund ihres defensiven Charakters durchaus eine Überlegung wert.

Wochenblatt: Und wie schätzen Sie die Aussichten für den Rentenmarkt ein? Sie gelten als Experte für den Bond-Markt und sind bekannt dafür, einen großen Teil des Ihnen anvertrauten Vermögens in festverzinsliche Wertpapiere anzulegen.

J. Führ: Das derzeitige Umfeld mit hoher Inflation und niedrigen Zinsen ist für Renten nicht ideal. Trotzdem rate ich dazu, festverzinsliche Wertpapiere deutlich überzugewichten. Schließlich ist die Erhaltung des Vermögens das wichtigste Anlageziel, da kommt man an Renten nicht vorbei.

Wochenblatt: Zu welcher Art von Rentenpapieren raten Sie momentan?

J. Führ: Wir setzen auf Indus­trieanleihen. Bevorzugt von Unternehmen, die unter Druck geraten sind, aber über einen hohen Cash Flow verfügen und auf dem Weg zur Besserung sind, wie Daimler zum Beispiel. Um unnötige Risiken zu vermeiden, kaufen wir vor allem Kurzläufer, also Papiere mit einer geringen Laufzeit.

Wochenblatt: Ein Trend des vergangenen Jahres waren Rohstoffe. Rechnen Sie damit, dass diese Hausse weitergeht?

Dr. U. Gloor:  Jein. Rohstoffe müssen etwas differenzierter betrachtet werden. Der Goldpreis wird bei den gegebenen Inflationstendenzen eher weiter steigen als fallen. Beim Rohöl und den Industriemetallen ist aufgrund der wahrscheinlichen Konjunkturabkühlung zu erwarten, dass die Preise temporär unter Druck bleiben, aber mittelfristig weiter steigen werden.

Wochenblatt: Und langfris­tig? Egal, ob Öl, Gold oder Industriemetalle – für den Preisanstieg gibt es eine Reihe von fundamentalen Gründen. Das lässt doch auf eine dauerhafte Hausse schließen.

J. Führ: Sehen Sie, die Preise für Rohstoffe sind in den vergangenen Jahren durch die Decke gegangen, mittlerweile hat fast jeder Kleinanleger das Thema für sich entdeckt. Die Erfahrung lehrt uns, dass dies ein Zeichen für die baldige Trendwende ist. Wenn die Masse kauft, ist das für mich immer ein Signal für den Ausstieg.

Wochenblatt: Herr Führ,  Dr. Gloor, eine letzte Frage: Verraten Sie uns, ob Sie für das Jahr 2008 neue, vielleicht noch unentdeckte Trends erwarten?

J. Führ: Mein Gefühl sagt mir, Biotech kommt wieder. Des weiteren beschäftigen wir uns mit den Märkten der „NEXT 11“, also den Ländern wie Mexiko und Indonesien die ein großes Potenzial aufweisen. Zwar kein Geheimtipp, aber trotzdem eine ganz solide Empfehlung : Deutsche Immobilien in zentralen Lagen sind immer noch preiswert zu bekommen und rechnen sich. Immobilien können im heutigen Umfeld für Stabilität im gesamthaften Depot sorgen.    

Dr. U. Gloor: Insgesamt glauben wir, dass die Aktienmärkte auch in diesem Jahr noch Potenzial aufweisen. Biotechnologie ist auch für uns ein längerfristig attraktives, wenn auch spekulatives Marktsegment. Ansonsten rechnen wir damit, dass auch der Infrastrukturausbau auf globaler Ebene weitergeht und Infrastrukturwerte somit eine interessante Anlage bleiben werden.

Am 22. Februar

Vortrag

Am Freitag, dem 22. Februar um 17.00 Uhr halten Johannes Führ und Dr. Urs Gloor wieder ihren traditionellen Vortrag, diesmal im Restaurant Monasterio in Los Realejos. Hierbei handelt es sich um eine geschlossene Gesellschaft nur für geladene Gäste.

Weitere Informationen über die Vermögensverwaltung und die Fonds erhalten Sie bei :

Johannes Führ Deutschland GmbH

Friedensstrasse 6-10

D-60311 Frankfurt am Main

0049-69-2713680

www.johannes-fuehr.de

Weitere Informationen über die Privatbank La Roche & Co erhalten Sie bei :

La Roche & Co

Privatbanquiers

Rittergasse 25

CH-4002 Basel

0041-61-286 4400

www.larochebanquiers.ch




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