Westerdahl und der Surrealismus


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Kanarische Kunstsammlung in Madrid ausgestellt

Als die neue Kunstform des Surrealismus 1919 von André Breton und Max Ernst kreiert wurde und im Europa der 20er und 30er Jahre mit ihren Experimenten für Aufmerksamkeit sorgte, nahmen auf den Kanarischen Inseln nur wenige Menschen davon überhaupt Notiz.

Madrid – Einer von ihnen war Eduardo Westerdahl (1902 – 1983), Sohn eines Schweden und einer Katalanin, der in Puerto de la Cruz lebte und bei einer Bank arbeitete. Er war parallel Autodidakt, Künstler, Schriftsteller und Kunstkritiker, begann zu sammeln, organisierte Ausstellungen und schrieb für die Zeitschrift „Gaceta de arte“. Eng befreundet war er mit dem berühmten Künstler Oscar Domínguez, der aus Tacoronte stammt, aber 1937 nach Paris emigrierte, wo er 20 Jahre später in der Silvesternacht sein Leben beendete, indem er sich die Pulsadern aufschnitt. Domínguez war neben Salvador Dalí und Luis Buñuel einer der bedeutendsten Vertreter des spanischen Surrealismus.

Westerdahl organisierte 1935 die weltweit erste Ausstellung surrealistischer Kunst im „Círculo de Bellas Artes de Santa Cruz de Tenerife“. 1955 heiratete er die Künstlerin Maud Bonneaud, die Ex-Frau seines Freundes Oscar Domínguez, von dem sie sich hatte scheiden lassen. Beide waren auch mit Pablo Picasso befreundet und widmeten ihr Leben ganz der Kunst.

Die Wiederentdeckung der Westerdahl-Kollektion

So entstand über die Jahre eine interessante Sammlung surrealistischer Werke. Sie gehörte der 1953 vom Sammler gegründeten Stiftung „Museo de Arte Contemporáneo Eduardo Westerdahl“ und wurde später dem „Instituto de Estudios Hispánicos de Canarias“ übereignet. Nach dem Tode Westerdahls geriet sie jedoch in Vergessenheit, bis man sie 2007 endlich aus dem Lager holte und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Zu besichtigen war sie in Puerto de la Cruz in der „Casa de la Aduana“, direkt am Hafen. Nun findet sie endlich bessere Beachtung in Madrid im „Museum für zeitgenössische Kunst Conde Duque“, wo sie bis 18. April zu sehen sein wird. Eröffnet wurde sie von Hugo Westerdahl, dem Sohn von Eduardo und Maud, der als Musiker in Madrid lebt, und vom Präsidenten des „Instituto de Estudios Hispánicos“, Nicolás Rodríguez Münzenmeier.

Natürlich ließen es sich auch einige Politiker der Insel wie etwa Puertos Ex-Bürgermeisterin Lola Padrón, nicht nehmen, bei der Eröffnungsfeier in Madrid den lange vergessenen Sohn der Stadt ausführlich zu würdigen.




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