Wein machen auf den Kanaren


© Arca de Vitis

Interview mit dem technischen Leiter der Bodega „Arca de Vitis“ in Güímar

Die kleine Bodega Arca de Vitis auf Teneriffa, ein Projekt von Rodrigo Mesa und Jorge Zerolo, gehört zur Herkunftsbezeichnung Valle de Güimar. Die Qualität der hier erzeugten Weine hat trotz ihrer kurzen Geschichte Weinexperten, Liebhaber und Konsumenten überzeugt.

Jorge Zerolo, technischer Leiter der Bodega, erklärte uns bei einem Besuch der Bodega die Geheimnisse dieses Prozesses und die Herausforderungen, denen sich seine Branche in der heutigen Zeit stellen muss.

Wochenblatt: Ihre Bodega ist sehr „ungewöhnlich“ – wie ist das Projekt Arca de Vitis entstanden?

Jorge Zerolo: Wir haben als Züchter von Weinstöcken begonnen, was uns die Möglichkeit gab, weitreichende Kenntnisse über die verschiedenen traditionellen Rebsorten der Kanarischen Inseln zu erlangen. Dank dieser Erfahrung haben wir eine neue Anpflanzung entwickelt, bei der wir Sorten verwenden, die sich optimal an die Gegebenheiten unseres Bodens anpassen. Denn die Weine entstehen nicht nur durch verschiedene Rebsorten, sondern drücken auch die Charakteris­tik der Gegend aus, aus der sie stammen. Die Weinstöcke wachsen hier auf sehr kargen, vulkanischen Böden und daraus gehen Weine mit sehr wichtigen mineralischen Kom­ponenten hervor. Es sind sehr geschmackvolle Weine, mit viel Persönlichkeit, sowohl aufgrund der verwendeten Sorten, als auch durch den Einfluss des Heimatbodens.

WB: Wie ist Ihre Arbeitsphilosophie?

J.Z.: Wir versuchen, dass jeder Wein, den wir erzeugen, das Potential der angebauten Rebsorte und des Anbaugebiets auf die bestmögliche  Weise ausdrückt. Die Abfüllung geschieht im eigenen Haus, so dass alle verwendeten Trauben aus eigener Ernte stammen. Das erlaubt uns, den gesamten Prozess mit dem selben Team zu betreuen, das sich auch das ganze Jahr über den Weinstöcken widmet.

WB: Welche Rebsorten verwenden Sie?

J.Z.: Für die Weißweine verwenden wir Muskateller und machen daraus einen halbtrockenen Wein. Für die Tro­ckenen nehmen wir haupt­sächlich Malvasia, Marmajuelo, Gual und Verdello und für die Rotweine vor allem Listán negro und Castellana.

WB: Beachten Sie bei der Herstellung des Weins auch den Konsumenten und die Markterfordernisse?

J.Z.: Wir sind keine Bodega mit großen Produktionsmengen. In unserem Fall sind die Weine durch eigene Kriterien geprägt, durch die Kriterien der Kellermeister. Wir produzieren für einen sehr konkreten Konsumenten, denjenigen mit Lust, Neues zu entdecken und mit Interesse an der Welt der Weine.

WB: Die Bodega ist nicht nur wegen der ausgezeichneten Weine bekannt, sondern nimmt auch an verschiedenen Veranstaltungen teil, z.B. treten Sie als Sponsor des Segelschiffs „Contiempo“ auf und fördern die Kultur im Teatro Güimera in Santa Cruz

J.Z.: Wein hat immer auch einen starken kulturellen As­pekt. Daher nutzen wir dieses Umfeld, um den Wein bekannt zu machen. Das Publikum, das an den verschiedenen kulturellen Veranstaltungen teilnimmt, ist offen für die Vorzüge guten Weins und sieht in ihm ein Lebensmittel mit besonders wichtigem kulturellem Hintergrund, besonders in der Geschichte Europas.

WB: Wein zu genießen muss gelernt sein…

J.Z.: Wenn der Wein korrekt serviert wird, im richtigen Glas und mit der passenden Temperatur, dazu in idealer Übereinstimmung mit den dazu servierten Speisen, erlernt man sehr einfach, ihn zu genießen.

WB: Ihre Erzeugnisse wurden schon mehrfach von kanarischen Spitzenköchen ausgewählt, um ihre Gerichte zu begleiten. Bei zahlreichen kulinarischen Ereignissen und Veranstaltungen sind Ihre Erzeugnisse zugegen. Eine Anerkennung Ihrer Arbeit…

J.Z.: Wir sind eine sehr junge Bodega. Unsere erste Ernte war 2003. Doch durch die verschiedenen Faktoren, die bei der Ausarbeitung unserer Weine eine Rolle spielen, sind Produkte entstanden, die von den kanarischen Köchen sehr dank­bar angenommen werden. Das ist zweifellos eine große Ehre für uns.

WB: Wie kann man die internationale Anerkennung der  kanarischen Weine wiederherstellen?

J.Z.: Wir sind dabei. Es wird wieder mehr Malvasia angebaut und Rebsorten, die seit Mitte der 80er Jahre vernachlässigt wurden, werden für die neuen Kreationen wieder verwendet. Es gibt eine enorme Revolution in dieser Branche. Vor nicht langer Zeit konnte man kaum einen kanarischen Wein auf der Karte eines guten Restaurants finden. Heute ist es dagegen schwierig ein Lokal auszumachen, das auf die kanarischen Weine verzichtet. Doch es gibt noch viel zu tun. Die Gastronomie muss sich an dem Prozess beteiligen, kanarische Weine anbieten, erklären und schätzen lernen. Die Formel, um die kanarischen Weine auf dem Markt zu etablieren, liegt auch im Anspruch an die Qualität. Das muss bei den Weinbauern beginnen, die keinesfalls eine Billigpreis-Politik zulassen dürfen.

WB: Haben die auswärtigen Weine den kanarischen etwas voraus?

J.Z.: Die kanarischen Weine müssen sich überhaupt nicht hinter denen vom Festland oder aus anderen europäischen Anbaugebieten verstecken. Wir haben hier ein unglaubliches Potential bezüglich Klima und Bodenbeschaffenheit, mit dem wir einmalige und unnachahmliche Weine schaffen. Die nationalen und internationalen Auszeichnungen bestätigen das.

WB: Wo kann man die Weine von Contiempo finden?

J.Z.: In speziellen Weinhandlungen und Gourmetgeschäften oder in der Casa del Vino und im Corte Inglés. Sie können den Wein auch direkt bei uns in der Bodega kaufen oder über das Internet auf www.vinocontiempo.com bestellen. Geliefert wird kanarenweit bis an die Haustür.

WB: Vielen Dank für das interessante Gespräch.




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