Weihnachtspost


Gedanken für mich ­– Augenblicke für Gott

In diesen Tagen wird sie häufig erledigt – die Weihnachtspost! Haben Sie das schon gemacht? Und an alle gedacht, die Ihnen da am Herzen liegen? Wie verschicken Sie denn Ihre Weihnachtspost – mit Füller oder per E-Mail?

Ich geb‘ zu, bei uns geschieht das schon seit Jahren per Mail. Und wie oft stellen wir dann fest: Auweia, den haben wir vergessen; also schnell noch anrufen – und wenn’s auch erst nach Weihnachten ist. Ausreden gibt es für uns in diesen Tagen ja genug. Es ist ja so viel zu tun und zu erledigen, zu besorgen und vorzubereiten. Schreiben, nur damit geschrieben ist, das macht selten Freude. Und wenn ich einem nicht schreiben will oder schreiben kann, dann ist es vielleicht auch mal besser, es einfach zu lassen.

Andererseits freue ich mich natürlich, wenn ich – wenn wir Weihnachtspost bekommen. Sogar ziemlich. Ich freue mich, wenn jemand an mich denkt und mir das auch mitteilt. Ich freue mich sogar sehr über die Grüße zum Weihnachtsfest oder über die guten Wünsche für das neue Jahr. Und – ich freue mich besonders, wenn ich erfahre, wie es dem lieben Menschen geht, der mir da zu Weihnachten schreibt; was ihn umtreibt und bewegt. Dann ist so eine Karte oder so ein Brief vielmals wie ein Geschenk. Weil ich spüre, der andere denkt an mich/an uns; er meint es gut mit mir; ich bin ihm wichtig und liege ihm am Herzen.

Das hat doch schon was: Dem Menschen, der mir am Herzen liegt, schreiben oder sagen, warum er mir wichtig ist. Auch, wofür ich ihm dankbar war oder bin, wie und wodurch er mein Leben reicher gemacht hat. Das kann in wenigen Sätzen gesagt werden oder auch in einem langen Brief. Die Weihnachtspost könnte genau dafür eine Gelegenheit sein – meinen Sie nicht auch? Einfach mal mehr schreiben als nur „Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch“. Eine solch andere Weihnachtspost, die kann einen ganz schön aufbauen und rundherum glücklich machen. Denn das, was da in einer Karte, einem Brief oder in einer E-Mail steht, das steht da jetzt und wirkt irgendwie mehr, als wenn es nur gesagt worden wäre. Sicherlich: Sagen ist schon viel – ohne Zweifel. Aber es lesen können, vielleicht sogar immer und immer wieder neu, das ist irgendwie dauerhafter, haltbarer. Deshalb versteh ich auch sehr gut, weshalb Menschen oft Briefe oder Karten über einen langen Zeitraum aufbewahren.

In der Bibel gibt es auch jede Menge Post zu lesen, z.B. die Briefe des Paulus. Der hat damals Briefe an die Gemeinden geschrieben, die er gegründet hatte. Und er hat diese Briefe geschrieben, um den Menschen, die ihm am Herzen lagen, zu sagen, was ihn umgetrieben und beschäftigt hat. Er wollte sie mit diesen Briefen aufbauen, ihnen weiterhelfen, wenn ihre Lage schwierig geworden war – und: Er wollte sie an das erinnern, was den christlichen Glauben ausmacht. In diesen Briefen gibt es nun auch, ich will es mal so nennen: weihnachtliche Zeilen. In unserer katholischen Kirche stehen diese immer über dem 3. Advent. Es sind Worte aus den Briefen des Apostels an seine Gemeinden in Thessaloniki und Philippi. So heißt es im Brief an die Philipper: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werden alle Menschen bekannt. Der Herr ist nahe!“

Paulus hat zur Gemeinde in Philippi eine ganz besondere Beziehung gehabt. Wenn er an die Menschen dort dachte, dann ist ihm immer wieder das Herz aufgegangen. Gewiss, Briefe sind nur ein Ersatz. Wenn ich nicht selbst kommen kann, dann schreib ich wenigstens. So macht das auch Paulus. Weil er im Gefängnis sitzt und auf seinen Prozess wartet, schickt er wenigstens ein Lebenszeichen an die Menschen, die ihm besonders am Herzen liegen. Aufbauende Zeilen, tröstende Worte sollen es sein, die Hoffnung und Mut machen.

Wie aber kann einer, der im Gefängnis sitzt, der nicht weiß, ob er mit dem Leben davon kommen wird, von Freude schreiben? Wahrscheinlich geht das nur wegen der Erfahrung von Weihnachten: Gott ist nahe. Das ist die Erfahrung für Paulus, die alles bestimmt. Und das ist ja auch das Wichtigste von Weihnachten: Gott kommt nahe! In Jesus, in einem kleinen Kind im Stall von Bethlehem. Gott kommt zur Welt, damit er bei uns Menschen sein kann, weil wir ihm so unsagbar am Herzen liegen. Es ist ihm nicht egal, wie es uns geht, was uns passiert oder in welchem Dreck wir mal wieder sitzen. Gott kommt nahe und zwar ganz anders, als wir es oft erwarten: klein, hilflos, verletzlich. Die Hirten erkennen das. Das Herz geht ihnen angesichts des kleinen Kindes auf und sie erkennen darin die Freundlichkeit und Güte Gottes. Ja, Gott ist nahe, auch wenn alle Erfahrung dagegen zu sprechen scheint, wenn man’s beinahe nicht glauben kann – so wie Paulus im Gefängnis. Deshalb muss er das weitergeben, muss er das all den Menschen sagen, die ihm etwas bedeuten. 

Machen wir es doch auch so. Schenken wir Freundlichkeit und Güte – vielleicht in einem Brief oder einer Karte zu Weihnachten. Noch ist Zeit dazu, dass unsere Post zu Weihnachten rechtzeitig bei denen ankommt, denen wir etwas Freundliches, Tröstendes oder auch Liebes schreiben möchten. 

Ihr

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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