Weihnachten – pro und contra


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Vor einigen Jahren, da saß bei RTL ein Theologe auf dem „heißen Stuhl“. Er forderte die Abschaffung des Weihnachtsfestes, weil es nicht mehr so gefeiert werde, dass sein Sinn noch erkennbar sei. Es war eine schwache Sendung – aber mal abgesehen davon: Man kann heute schon so seine Anfragen an das Weihnachtsfest haben.

Die ersten Christen kannten Weihnachten überhaupt nicht, sondern nur Ostern. Die Auferstehung Jesu war für sie das alles entscheidende Ereignis. Erste Berichte über eine Feier des Geburtstages Jesu stammen erst aus dem 4. Jahrhundert. Und das kam so: In Rom gab es anlässlich der Wintersonnwende ein Fest für die „unbesiegbare Sonne“ am 25. Dezember. Nachdem aber Kaiser Konstantin 323 zum Christentum übergetreten war, forderten viele einen neuen Inhalt für dieses Fest. Man war der Ansicht: „Wer ist denn unbesiegbar, wenn nicht unser Herr, der den Tod gänzlich besiegt hat? Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit.“ Und so wurde nicht mehr die Geburt der Sonne am 25. Dezember gefeiert, sondern die Kirche machte daraus die Feier der Geburt Christi, als „dem Licht der Welt“ schlechthin. Das war eine deutliche Entscheidung: Abkehr vom Heidentum, Hinwendung zu Chris­tus.

Bald erfreute sich dieses Fest großer Beliebtheit. Es wurde prachtvoll mit Pauken und Trompeten gefeiert, mit schönen Gottesdiensten und gutem Essen. Allerdings gewöhnte man sich so sehr an dieses Festritual, dass die Botschaft dieses Festes mehr und mehr in den Hintergrund trat und seine eigentliche Kraft einbüßte.

Dann kam allerdings einer, der diese Botschaft wieder neu verstand: Franz von Assisi. Er spürte, dass so vieles, was sich in den Kirchen abspielte, nicht zu dieser Botschaft passte. Deshalb ging er mit seinen Schwestern und Brüdern und dem adeligen Grundherrn hinaus in den Wald von Greccio und sang dort das Weihnachtsevangelium vor einer mit Stroh und Heu gefüllten Krippe mit Ochs und Esel. Damals gab es Prunk und Reichtum zuhauf, riesige Standesunterschiede zwischen den Bürgern und im Klerus – und zwar so extrem, dass man ihn sogar in hoch und niedrig einteilen musste. Die Armen aber waren unter sich. Für Franz war dies der Grund, zu zeigen und erlebbar zu machen, dass Christus zur Entscheidung herausfordert: Wir können wählen zwischen dem, was die Welt zu bieten hat, und dem Angebot, wirklich Mensch zu werden nach dem Ebenbild Gottes. Und wir heute? Auch wir sollten diese Wahl treffen.

Wir stehen doch in einer ähnlichen Situation. Von allen Dächern pfeift die Kritik am Weihnachtsfest, es wird seine Aushöhlung und Vermarktung ohne spirituellen Inhalt beklagt. Wenn mit dem Christkind „kein Staat mehr zu machen ist“, dann versucht man es halt mit dem Weihnachtsmann. Etliche fordern sogar was ganz Neues, das neue Zeitalter, New Age, oder eine allgemeine Religiosität. Sie haben zwar nichts gegen Jesus – aber warum denn er allein? Ein bisschen Buddhismus dazu kann doch nichts schaden, ein bisschen Hinduismus, ein bisschen Esoterik und Astrologie und nicht zu vergessen: Die Wiedergeburt. Von allem etwas, eben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich halte es durchaus für bedenkenswert, dass selbst der Apostel Paulus sagt: „Auf vielerlei Weise hat Gott gesprochen.“ Das ist wahr und wir dürfen die Einsichten der verschiedenen Religionen nicht einfach abwerten. Vieles davon ist wertvoll. Aber gleichzeitig ist eben wahr: In Jesus Christus ist das endgültige Wort Gottes erschienen. Da gibt es kein „Dahinter-zurück“ und kein „Darüber-hinaus“, kein „Sowohl-als-auch“, sondern nur noch ein „Entweder-Oder“. Da müssen wir uns einfach entscheiden. Eine vage Wischi-Waschi-Religiosität, die nichts und niemanden mehr ernst nimmt, hilft nicht. Und genau dieser Ernst muss auch an Weihnachten wieder spürbar werden.

Blicken wir z.B. nach Süd-amerika. Wenn in Brasilien Großgrundbesitzer Killer auf die Armen ansetzen, diese aber für ihre Verfolger Gebete der Vergebung sprechen; wenn sie Knüppelschläge einstecken und trotz allem die Hände ihrer Peiniger küssen – dann bringt das alles durcheinander, was bisher gegolten hat. Denn da haben sich Menschen eindeutig für den Weg dessen entschieden, dessen Geburtsfest wir an Weihnachten feiern. Solche Entschiedenheit sollte aber auch bei uns wieder sichtbar werden; eine klare Entscheidung für die Liebe und die Zuneigung – auch und gerade dort, wo uns Menschen in Unrecht und Feindschaft begegnen. Wenn ganz klar wird, wo wir stehen, dann braucht uns um Weihnachten nicht bange zu sein. Wenn es uns aber nur ums Feiern geht und um nichts sonst, dann allerdings wird dieses Fest wirklich immer fragwürdiger.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Mut zur Entschiedenheit, der sie ein Weihnachtsfest feiern lässt, indem Sie etwas von der Liebe und der Menschenfreundlichkeit Gottes erfahren, die uns in Jesus Christus gezeigt wurde und mit dessen Hilfe und Wegbegleitung Sie dann auch ganz getrost in das neue Jahr 2009 gehen können.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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