„Vulkanologisches Institut – wer bremst es?“


Der Vulkanologe Nemesio Pérez wundert sich in einem offenen Brief über die Nachlässigkeit, mit der dieses groß angekündigte Projekt gestraft wird

Der kanarische Vulkanologe und Leiter der Abteilung für Umwelt des ITER (Instituto Tecnológico y de Energías Renovables) auf Teneriffa, Nemesio Pérez, wundert sich in einem offenen Brief an die zuständigen Behörden, den er in mehreren lokalen Tageszeitungen veröffentlicht hat, über das schleppende Vorankommen des Projektes zur Schaffung des „Vulkanologischen Institutes der Kanaren“.

Im vergangenen Jahr und angesichts der in 2004 gestiegenen seismischen Aktivität auf Teneriffa wurde beschlossen, ein Vulkanologisches Institut der Kanaren einzurichten, das als unabhängige Stelle wissenschaftliche Arbeit leisten, Daten sammeln und auswerten sowie Koordinationsmaßnahmen für den Zivilschutz im Notfall treffen soll. Ende vergangenen Jahres kündigte Cabildopräsident Ricardo Melchior noch an, dass man sich darauf geeinigt habe, diese Pläne so schnell wie möglich zu verwirklichen, damit das Vulkanologische Institut noch vor Ende des Jahres 2006 mit der Arbeit beginnen kann.

In seinem offenen Brief kritisiert Nemesio Pérez jetzt, dass noch vor einem Jahr alle politischen Fraktionen sich einig waren, dass dieses Institut, dessen Schaffung von Teneriffas Cabildopräsident Ricardo Melchior angeregt wurde, so schnell wie möglich Wirklichkeit werden muss, bis heute jedoch scheinbar wenig  geschehen ist. Nemesio Pérez fragt sich: „Wer bremst es?“

Der Vulkanologe stellt fest, dass die spanische Bevölkerung natürlich nicht besonders interessiert und informiert über das vulkanologische Risiko ist, das in Spanien ja nur eine Region, nämlich die Kanarischen Inseln betrifft. Auch bemängelt er das „schlechte Gedächtnis“ der spanischen und kanarischen Gesellschaft, die seiner Ansicht nach zu vergessen scheinen, dass die, wenn auch wenigen Vulkanausbrüche während der letzten 500 Jahre, auch Todesopfer forderten. Das reale Risiko eines Vulkanausbruchs in einem vulkanisch aktiven Gebiet wie den Kanaren dürfe keinesfalls verharmlost werden, mahnt Pérez.  Vergessen werde überdies, dass das Risiko für die Bevölkerung angesichts der heutigen Besiedelungsdichte weitaus größer sei als noch vor 25 Jahren: „Das natürlich vulkanische Risiko gehört zu unserer Gesellschaft und unterscheidet uns (die Kanaren) vom übrigen Spanien. Zweifellos ist dieses Risiko heute auf den Kanaren höher als noch vor 25 Jahren, da die Bevölkerung enorm gewachsen ist und auch eine gut entwickelte Wirtschaft der natürlichen Gefahr des vulkanischen Phänomens ausgesetzt ist. Daher ist auch anzunehmen, dass dieses vulkanische Risiko auf den Kanaren bis 2030 noch an Bedeutung gewinnen wird, was die Wichtigkeit eines Vulkanologischen Instituts unterstreicht“.

Für Nemesio Pérez stellt das geplante Institut ein ideales Instrument zur Überwachung der vulkanischen Aktivität und zur Senkung des so genannten Vulkanrisikos dar. Der Wissenschaftler fragt sich, warum nicht stärker auf die Verwirklichung dieses Instituts hingearbeitet wird.




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