Vorbildliches Sozialprojekt in Candelaria


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Mehr als nur Lebensmittelhilfe

Das spanische Sozialsystem ist historisch bedingt nicht so umfassend aufgebaut wie das deutsche. Zwar gibt es auch Arbeitslosengeld und eine gewisse „Familienhilfe“, aber nach Ablauf der Fristen gibt es für viele, besonders Langzeitarbeitslose, gar nichts mehr.

Nur durch die traditionell starke Solidarität in den Familien können viele überhaupt überleben. Um so wichtiger sind. speziell auf den Kanaren, private und halbstaatliche Organisationen, die sich derer annehmen, die keine Familie haben, die sie miternähren kann.

Im Rahmen seiner Aktion „Aus Geben wächst Segen” hat das Wochenblatt solche Hilfsprojekte besucht. Eines davon ist die Aktion „Candelaria Solidaria” in der gleichnamigen Gemeinde. Es handelt sich um eine Stiftung, die eng mit der Gemeinde, dem „Ayun­tamiento“, zusammenarbeitet. Für die Stiftung arbeiten Angestellte des Gemeindesozialdienstes, die für die nötige Arbeit der Stiftung jeweils freigestellt werden. Der Chef des öffentlichen Sozialdienstes, An­-dres Rumeu, organisiert auch deren Aktivitäten.

Lebensmittel um über die Woche zu kommen

In einem städtischen Gebäude direkt gegenüber der bekannten Wallfahrtskirche hat die Stiftung ein Lebensmittellager eingerichtet. Aufgefüllt wird es mit Sachspenden von Supermärkten oder Importeuren, doch etwa ein Drittel muss hinzugekauft werden. Derzeit sind es 290 Familien, 870 Personen insgesamt, die sich dort zweimal im Monat ihre Ration an Brot, Gemüse, Reis, Zucker, Obst, Milch usw. abholen dürfen. Auch an Kleinkindernahrung ist gedacht.

Zurück ins Arbeitsleben

Mehr als 2.000 Arbeitsfähige sind derzeit in Candelaria arbeitslos. Einerseits sind viele ohne Arbeit, andererseits wird Hilfe benötigt, beispielsweise in der häuslichen Alten- und Krankenpflege. Hier werden Arbeitslose geschult und im Rahmen eines 6-Monatsvertrages eingesetzt. Denn die meis­ten wollen nicht nur Almosen empfangen, sondern selbst für ihr Leben sorgen, das ist eine Frage der Würde. So organisiert die Stiftung auch Fortbildungskurse, vor allem für die Jüngeren, die teilweise aus der Schule direkt in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Um sie „von der Straße“ zu holen, werden an den Wochenenden mit Hilfe eines sogenannten „Streetworkers“ verschiedene Aktivitäten wie Sport oder Zeltlager angeboten. Geplant sind auch sogenannte „Escuelas Talleres“, das sind Arbeitsprogramme, bei denen auch Fertigkeiten vermittelt werden, die später bei der Arbeitssuche nützlich sind. So wird derzeit das umfangreiche Netz der Wanderwege der Gemeinde instandgesetzt und ausgebaut. Dafür wurden, in Zusammenarbeit mit dem Arbeits­amt, Langzeitarbeitslose eingestellt.  Die Arbeit von „Candelaria Solidaria” ist wichtig für die sozial Schwächeren der Gemeinde und könnte ein Vorbild für andere Ayuntamientos sein.

 Die Wochenblattaktion „Aus Geben wächst Segen“ unterstützt die Stiftung mit 1.000 Euro für den Einkauf von Lebensmitteln.  




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