»Vogelmenschen« über dem Teide


© Ariel Juncos

Proyecto Alas Team schreibt erneut Geschichte

Red Bull verleiht Flügel – aus der Fiktion dieses bekannten Werbespruchs haben drei spanische Extrem­sportler Wirklichkeit gemacht und einen neuen Weltrekord aufgestellt: den längsten menschlichen Flug – 6 Minuten und 42 Sekunden. Die katalanischen Fallschirmspringer Álvaro Bultó, Santi Corella und Toni López reis­ten im Oktober auf die Kanarischen Inseln, um ihr „Proyecto Alas“ zu vollenden, das sie vor fünf Jahren starteten. Es bestand darin, mit Flügelanzügen, sogenannten Wingsuits, in mehreren tausend Metern Höhe abzuspringen und die längstmögliche Zeit zu fliegen, bevor sie den Fallschirm lösen.

Dieses Abenteuer allein reichte ihnen aber nicht, und so unterteilten sie ihr Proyecto Alas in die Elemente Erde, Wasser, Eis und Feuer.

Im März 2007 schaffte das Sportler-Trio das schier Unmögliche: den ers­ten menschlichen Flug über die Ant­arktis. Bei Temperaturen von minus 70 Grad sprangen die Wingsuit Base Jumper auf über 4.100 Metern aus dem Flieger und schafften den Überflug. Vor ihnen hatten es vier andere Fallschirmspringer versucht. Drei von ihnen kamen dabei ums Leben. „Wir waren nur zehn Sekunden vom gleichen Schicksal entfernt, aber glücklicherweise sind wir heute hier und können davon erzählen“, gestand Álvaro Bultó auf Teneriffa.

Am 21. Oktober starteten die drei durchtrainierten Wingsuit-Athleten zunächst auf Gran Canaria zu ihrem „Abenteuer Erde“. Aus 9.144 Metern stürzten sich Álvaro Bultó, Santi Corella und Toni López in die Tiefe, um nach knapp sechs Minuten am Strand Las Canteras in Las Palmas zu landen. Als letzter landete Santi Corella genau 6 Minuten und 42 Sekunden nachdem er aus dem Flugzeug gesprungen war – ein neuer Weltrekord. Wobei anzumerken ist, dass der letzte Weltrekord ebenfalls vom Proyecto Alas Team aufgestellt worden war. „Während des Trainings im Mai auf der Insel schaffte es keiner von uns, den bisherigen Rekord von 6:02 Minuten zu brechen“, berichtete Álvaro Bultó später, und sein Kollege Toni López fügte hinzu, dass die Bedingungen diesmal noch härter waren als 2005, als das Trio das „Abenteuer Wasser“ mit dem Überflug der Meer­enge von Gibraltar bewältigte. „Damals“, so López, „konnten wir aus 10.668 Metern abspringen, aber dieses Mal mussten wir aus nur 9.144 Metern springen. Das sind 1.500 Meter weniger, was unser Vorhaben zusätzlich erschwerte“. Am Strand von Las Cante­ras waren die Helden nach ihrer Landung erstmal orientierungslos und mussten sich über ihre Kameras informieren, wie lange der Flug überhaupt gedauert hatte. Danach war die Freude natürlich groß. Die Anstrengung hatte sich gelohnt. Ein Sprung aus dieser Höhe mit einem Flügelanzug erfordert nämlich eine äußerst gute Körperbeherrschung und eine starke Nacken- und Armmuskulatur, denn die „Vogelmenschen“ sausen mit durchschnittlich 208 km/h Richtung Erde.

Wenige Tage nach dieser Leistung stellten sich die drei Abenteuersportler auf Teneriffa ihrer letzten Herausforderung im Rahmen des Proyecto Alas: dem Element Feuer. Hierbei galt es, aus etwa 9.000 Metern abzuspringen und nach dem Überflug des Teide im Krater des Vulkans zu landen. Geplant war der Absprung für den 26. Oktober, doch schlechte Wetterbedingungen mit bis zu 100 km/h Wind verhinderten es. Am 27. Oktober gelang es dann doch noch, und Bultó, Corella und López sahen den Teide im freien Flug von oben. Eine Landung im Krater war zwar trotzdem – wieder wegen des Windes – unmöglich oder wäre nach Auskunft von Álvaro Bultó lebensgefährlich gewesen, doch auch so gilt das Projekt als geglückt.

Die kanarische Regierung trat neben Red Bull gerne als Sponsor auf. Immerhin sind Events dieser Art eine gute Werbung für die Inseln, sowohl auf sportlicher als auch auf touristischer Ebene, bestätigte der Leiter des kanarischen Sportressorts.




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