Vicki Penfold wurde neunzig


© Moisés Pérez

Noch immer arbeitet die Künstlerin unermüdlich in ihrem Atelier in Puerto de la Cruz

Nicht nur ihre Kinder, Enkel und Urenkel die aus aller Welt angereist waren, auch ihre zahlreichen Freunde und Bewunderer fanden sich zur Geburtstagsparty in ihrem Atelier in La Asomada ein, denn Vicki Penfold wurde neunzig.

„Ich habe nachgerechnet, dass ich tatsächlich die Hälfte meines Lebens in Puerto de la Cruz verbracht habe“, erklärte die Jubilarin, der 2004 die Ehrenbürgerschaft der Touristenstadt verliehen wurde bei der Begrüßung. Dabei scheint ihre Biografie geradezu unglaublich und man fragt sich, wie ein Mensch derart dramatische Situationen an den unterschiedlichen Punkten dieser Erde erleben kann.

Am 8. Januar 1918 im polnischen Krakau geboren, wurde sie als Zwanzigjährige, die von einer künstlerischen Laufbahn träumte, in ein Arbeitslager nach Sibirien verschleppt. Auf einem endlosen Fluchtweg über Iran, Indien, Kenia gelangte sie schließlich zu einem polnischen Flüchtlingslager in Tansania. Zu diesem Zeitpunkt war sie 24 Jahre alt. Im Schatten des Kilimandscharo kamen die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe zur Welt. 1954 heiratete sie den englischen Diplomaten Harry Penfold und mit ihm begann erneut ein ständiger Standortwechsel: Cypern, Israel, die Türkei, Frankreich, Österreich. In Salzburg lernte sie den großen Meister Oscar Kokoschka kennen, der sie in seine berühmte „Malklasse“ aufnahm. Es folgte eine weitere Berufung nach Afrika, bis Vicki Penfold schließlich im März 1964 auf Teneriffa „landete“. Sie wohnte in La Laguna und Tacoronte und ließ sich dann in Puerto de la Cruz nieder, die Stadt in der sie tief verwurzelt ist und ihre künstlerische Arbeit voll entfalten konnte.

1988, anlässlich ihres 25-jährigen „Inseljubiläums“ wurde sie zum Mitglied der Königlichen Kanarischen Akademie der Künste ernannt, eine Ehrung, die mit einer Ausstellung ihres gesamten Lebenswerkes einherging.

2004 verlieh ihr die Stadt Puerto de la Cruz die Ehrenbürgerschaft. 2007 ist ein weiterer Meilenstein im künstlerischen Schaffen von Vicki Penfold. Das Kulturressort der kanarischen Regierung brachte ein Buch über ihr Leben und ihr künstlerisches Werk heraus. Insgesamt vierzig Bände von auf den Kanaren arbeitenden Künstlern umfasst diese Reihe.

„Wenn mich nicht alles täuscht, sind lediglich zwei Künstlerinnen dabei und ich bin die einzige Ausländerin, deren Lebenswerk auf diese Weise gewürdigt wird“, erklärte sie damals dem Wochenblatt in einem Interview.

„Mit der Sicherheit einer Person, die den Ort frei gewählt hat, an dem sie sich als Mensch und als Künstlerin realisieren will, hat Vicki Penfold mit ihrem geschulten Blick das Beste unserer Insel und unserer Männer und Frauen entdeckt und es mit der ihr eigenen Sensibilität auf Leinwand gebannt oder in Bronze gegossen“, schreibt Eliseo Izquierdo, der Kunstkritiker und persönliche Freund der Künstlerin in einem Zeitungsartikel anlässlich ihres Geburtstags.

Tatsächlich arbeitet sie noch Tag für Tag unermüdlich in ihrem Atelier – sie malt und modelliert und hält auch noch ihre wöchentlichen Workshops ab.

Ihren beiden Söhnen und ihrer Tochter hat sie übrigens aus Anlass ihres neunzigsten Geburtstags ein Selbstbildnis geschenkt – Vicki Penfold wie sie sich selbst sieht.




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